Schlagzeilen schreibt der Strafvollzug in der Westschweiz schon länger. Die Gefängnisse in den bevölkerungsreichsten Kantonen Genf und Waadt sind notorisch überfüllt, in den vergangenen zehn Jahren hat sich die Situation weiter verschärft.
Vor einem Jahr gab es auch im Kantonsparlament in Lausanne scharfe Kritik an den Haftbedingungen: Die Abgeordneten prangerten «unmenschliche und entwürdigende Zustände» – diese seien eine «Schande» für den Kanton.
Akuter Personalmangel
Gegenüber SRF sprach die Geografieprofessorin Julie de Dardel auch von hausgemachten Problemen: «Die Gefängnisse in Genf und in der Waadt sind nicht überbelegt, weil es zu wenig Plätze gibt, sondern weil man hier zu viele Leute ins Gefängnis steckt.»
Klar ist: Um den Betrieb aufrechtzuerhalten, braucht es Personal – und dieses fehlt. Um mehr Menschen zu überzeugen, im Gefängnis zu arbeiten, beschreitet der Kanton Waadt nun neue Wege: Er setzt auf Infoabende statt Stelleninserate.
Betreuen statt Bewachen
So sollen mehr und bessere Kandidatinnen und Kandidaten für die Arbeit im Gefängnis gefunden werden. Und etwa auch Kinderbetreuerinnen überzeugt werden, in den Strafvollzug zu wechseln.
Zwei Personalmanager, mehrere uniformierte Beamte – vom stellvertretenden Hauptaufseher bis zum Leiter der Werkstatt für Grünflächen: Die Arbeit hinter Gittern wird als Begleitung beim Weg zurück in die Freiheit präsentiert. Erst kürzlich fand in Cossonay ein Informationsabend statt. Daran nahmen etwa 40 Personen teil, etwa ein Viertel davon Frauen.
Für Fatih Yaman, Personalberater beim Strafvollzugsdienst, kommt dieses neue Verfahren genau zum richtigen Zeitpunkt. «Wir stehen vor einer echten Herausforderung bei der Personalrekrutierung», erklärt er in der Morgensendung von RTS. Deshalb würden nun mehrere solche Infoabende im Jahr durchgeführt.
Dreijähriges Ausbildungsprogramm
Die gezieltere Personalsuche soll nicht nur den Bedarf des Kantons decken, sondern auch eine bessere Anpassung an die sich wandelnden Anforderungen des Berufs ermöglichen. Jacques (45) ist Aufseher an der Justizvollzugsanstalt Plaine de l'Orbe. Er stellte am Abend das dreijährige Ausbildungsprogramm für Justizvollzugsbeamte vor.
Jacques arbeitet seit zwölf Jahren im Strafvollzugsdienst und berichtet, dass die Arbeit immer anspruchsvoller geworden ist. «Wir gestalten die Betreuung so individuell wie möglich, damit sich die inhaftierten Personen am Ende besser fühlen als bei ihrer Ankunft», erklärt er. «Es ist ein Job, der weit mehr ist als nur Türen zu öffnen und zu schliessen.»
«Komplizierte und schwierige Momente»
Für ihn ist dieser Beruf nicht für jeden geeignet. «Wir brauchen Menschen, die Situationen analysieren können. Es gibt komplizierte, manchmal schwierige Momente, die mit menschlichem Leid verbunden sind.»
Die Voraussetzungen für den Job: ein Schweizer Pass oder Niederlassungsbewilligung C, eine abgeschlossene Berufslehre – und ein blütenweisser Strafregisterauszug.