Weshalb spricht man vom grössten Börsengang? Weil am Freitag Aktien im Wert von 75 Milliarden Dollar auf den Markt kommen, die höchste bisherige Summe. Es ist ein IPO. Das Wort steht für «initial public offering», will heissen, erstmals wird die Aktie der breiten Öffentlichkeit zum Kauf angeboten – ein Börsengang.
Wie kommt man auf die 75 Milliarden? Konkret verkauft SpaceX 555.6 Millionen Aktien für 135 Dollar pro Stück. Multipliziert man diese beiden Werte, kommt man auf die Summe von 75 Milliarden Dollar. SpaceX bringt nur einen kleinen Teil seiner Aktien an die Börse – 4 Prozent –, die restlichen 96 Prozent bleiben im Besitz der bisherigen Eigentümer, namentlich bei Elon Musk. Dieser sogenannte Freefloat, also der Anteil der gehandelten Aktien des Unternehmens, ist aussergewöhnlich klein.
Wer profitiert von dem Geld? Die Einnahmen fliessen vollumfänglich in die Firmenkasse. SpaceX kann den Erlös investieren, zum Beispiel in die Entwicklung neuer Raketen oder in künstliche Intelligenz.
Wie profitieren die bisherigen Eigentümer? Der Börsengang ist auch für die bereits bestehenden Aktionäre lukrativ. Sie können zumindest einen Teil ihrer Aktien an der Börse verkaufen und somit Kasse machen. Das gilt auch für die Mitarbeitenden, die Aktien besitzen. Die Entourage von Elon Musk wird reich, so wie auch die frühen Investoren.
Was ist der Börsenwert des Unternehmens? Das ist offen und hängt vom Kursverlauf ab. Wenn der Kurs steigt, dann steigt auch die sogenannte Marktkapitalisierung, also der Wert des Unternehmens an der Börse. Wenn der Kurs fällt, dann sinkt der Börsenwert. Ein Rechenbeispiel: Nach dem Börsengang hat SpaceX insgesamt gut 13 Milliarden ausstehende Aktien. Bei einem Aktienkurs von 135 Dollar ergibt dies einen Gesamtwert von 1.77 Billionen Dollar. Falls der Kurs auf 150 Dollar pro Aktie steigt, dann wäre SpaceX knapp 2 Billionen Dollar wert. Wenn der Kurs auf 120 Dollar fällt, dann resultiert ein Wert von knapp 1.6 Billionen. Selbst kleine Kursschwankungen ergeben riesige Differenzen.
Was spricht für den Kauf der Aktie? Die unbestrittene Perle im Unternehmen ist Starlink, die Internetverbindungen mit den Satelliten des Unternehmens. Starlink ist das am schnellsten wachsende Telekommunikationsunternehmen der Welt – mit bereits mehr als zehn Millionen Kundinnen und Kunden, darunter auch Organisationen, Länder und Firmen. Im vergangenen Jahr machte Starlink einen operativen Gewinn von 4.4 Milliarden Dollar. Elon Musk kontrolliert mit seinen Satelliten die untere Erdumlaufbahn, die Konkurrenz ist schwach.
Was spricht gegen den Kauf der Aktie? Es gibt etliche Gründe, dem Unternehmen fernzubleiben. Es ist ein Gemischtwarenladen. Vom Kurznachrichtendienst, bis hin zu KI, Raketen und so weiter. Ein Fass ohne Boden. Das Geschäft ist den Launen des Gründers, Eigentümers und Chefs Elon Musk ausgesetzt. Er kontrolliert nach dem Börsengang 85 Prozent der Stimmrechte. Das Schicksal des Unternehmens ist stark an seine Person gebunden. Bei gesundheitlichen Problemen oder bei einem Unfall würde der Kurs einbrechen.
Nach SpaceX folgen weitere Börsengänge. Was heisst das? Damit beginnt ein neues Zeitalter. Erstmals in der Geschichte können auch Kleinanleger in Unternehmen der Künstlichen Intelligenz investieren. In den kommenden Monaten kommen OpenAI mit ChatGPT und Anthropic mit Claude an die Börse und ergänzen so SpaceX.