Ferrari – der Inbegriff von lauten Motoren, Geschwindigkeit und Luxus – bringt ein Elektroauto auf den Markt. Weg also vom klassischen Verbrennungsmotor hin zur Elektromobilität. Beatrix Keim ist Direktorin bei CAR, dem Forschungsinstitut für Automobilität in Duisburg, und erklärt, weshalb eine der bekanntesten Sportwagenmarken diesen Schritt geht.
SRF News: Wieso setzt Ferrari gerade jetzt auf Elektro?
Beatrix Keim: Das sind Planungen in der Automobilindustrie, die relativ langfristig sind. Ein Fahrzeug zu entwickeln, dauert vier bis fünf Jahre. Insofern ist das nicht eine Entwicklung, die im Zusammenhang mit dem Iran-Konflikt und den hohen Benzinpreisen steht. Im Frühjahr ist es zudem sehr normal, dass neue Fahrzeuge gezeigt werden. Ich glaube aber schon, gerade jetzt ist es aufgrund der geopolitischen Situation der perfekte Zeitpunkt für Ferrari, das erste E-Auto zu zeigen.
Andere Sportwagenhersteller wie Porsche stehen bei E-Autos im Moment eher auf der Bremse. Warum Ferrari nicht?
Ich glaube, dass Ferrari sich dazu entschieden hat, im E-Bereich voranzugehen, weil das Unternehmen als Technologietreiber gilt – gerade im Supersportbereich. Hier konnte Ferrari eine Lücke füllen, die von anderen wie Lamborghini oder Porsche nicht genutzt wird. Ferrari kann damit fast schon ein Alleinstellungsmerkmal bereitstellen.
Wie stellt Ferrari das Fahrgefühl oder den Sound bei einer E-Version sicher?
Das Management und die Ingenieure bei Ferrari haben darauf geachtet, die Emotionalität und das, was die Marke ausmacht, auch in den zukunftsträchtigen E-Markt übertragen und übersetzen zu können. Man hat hier offensichtlich eine Lösung gefunden, um einen Sound nach innen, aber auch nach aussen zu generieren. Das können andere Hersteller auch schon. Zum Fahrgefühl kann ich noch nichts sagen. Aber hier wird man gewiss auch die etwas längere Entwicklungszeit genutzt haben, um dieses Fahrgefühl auf die Strasse zu bringen.
Bei Sportwagen hat es lange geheissen: Echter Fahrspass braucht einen Verbrennungsmotor. Verändert sich gerade grundsätzlich die Vorstellung davon, was Fahrspass eigentlich bedeutet?
Insgesamt gibt es gerade eine Änderung, ja. Und ich glaube nicht, dass das nur etwas mit den gestiegenen Benzinpreisen zu tun hat, sondern durchaus mit der sehr schnell fortschreitenden Technologie im Bereich von reinen batterieelektrischen Fahrzeugen, die hier mittlerweile mit guter Technologie mitreissen können. Man sieht, dass elektrische Fahrzeuge emotional, schnell und durchaus leistungsfähig sind. Es gibt auch immer wieder neue Rekorde auf den Rennstrecken, die von den E‑Fahrzeugen aufgestellt werden.
Könnte das grundsätzlich ein Zeichen dafür sein, dass E-Autos endgültig im automobilen Mainstream angekommen sind?
Auf jeden Fall. Die Zurückhaltung bei Porsche und Lamborghini hat nicht damit zu tun, dass der Volkswagenkonzern nicht auf Elektro setzt, sondern in diesen Bereichen spielen gerade andere Faktoren hinein. Generell sieht man, dass in Europa mittlerweile der Anteil von Neuregistrierungen bei E-Fahrzeugen durchaus Richtung 30 Prozent geht. Von China brauchen wir gar nicht zu sprechen. Insgesamt geht der Weg Richtung Elektro, gerade aufgrund geopolitischer Spannungen rund um Öl und von Fragen wie: Wie viel Öl gibt es noch? Wie lange kann man das noch als Normalbürger bezahlen? Ich glaube schon, dass Ferrari hier zeigen kann: Elektro ist möglich.
Das Gespräch führte Sofia Fässler.