114 Containerschiffe des weltweit grössten Logistikkonzerns Kühne und Nagel können den Persischen Golf seit Wochen nicht verlassen. Das entspricht aneinandergereiht einer Strecke des gesamten Zürichsees, von Zürich bis Rapperswil.
«Für verderbliche Waren ist die Herausforderung am grössten», sagt Paolo Montrone am Hauptsitz in Schindellegi (SZ), der das weltweite Seefrachtgeschäft des Konzerns leitet. «Wenn Sie auf einem der Schiffe einen Container voller Erdbeeren haben, ist das ein ziemliches Problem – auch wenn die Ware gekühlt ist.»
Der Betrieb eines Containerschiffs kostet bis zu 200'000 US‑Dollar pro Tag – auch im Stillstand. Verzögerungen gehen ins Geld und können lange dauern.
Tausende Seeleute sitzen auf den Schiffen fest.
Noch schlimmer für ihn persönlich seien die unzähligen menschlichen Schicksale. «Wir haben Hunderte, Tausende Seeleute, die derzeit auf den Schiffen festsitzen», sagt Paolo Montrone. «Das ist wirklich nicht gut. Niemand möchte seinen Sohn oder seine Tochter in einer solchen Situation wissen.»
Seit 35 Jahren ist Montrone im Geschäft – eine Lage wie diese hat er noch nicht erlebt. Niemand weiss, wann die Schiffe weiterfahren können.
Unsere Kunden sind verunsichert.
Dass Waren feststecken, spürt man am wichtigsten Hafen der Schweiz, in Basel. Dorthin gelangen jährlich Millionen Tonnen Güter über die Nordsee per Binnenschiff. Andreas Stöckli leitet die Logistikfirma Rhenus Alpina. Aluminium, Stahl, aber auch Alltagswaren wie Kleidung und Elektronikgeräte werden am Stadthafen Basel umgeschlagen.
Die Welle komme erst noch, sagt Andreas Stöckli. «So ein Container braucht drei Wochen, bis er von Asien nach Europa kommt. In den Seehäfen türmt sich der Stau langsam auf. Das heisst, bei uns läuft der Containerfluss noch, aber wir werden es mit der Zeit spüren.»
Erste Probleme gibt es aber bereits. «Wir merken, dass die Ware verspätet zu uns kommt und unsere Kunden dadurch verunsichert sind», sagt Stöckli. «Sie wissen nicht, wo sie welche Güter wie importieren oder exportieren oder ob sie ihre Produktion aufrechterhalten können.» Das mache die Planung von Ressourcen und Volumina für Rhenus Alpina deutlich schwieriger. Hinzu kämen die deutlich gestiegenen Energiekosten.
Mehrere Krisen gleichzeitig
Nicht alle Mehrkosten könne man auf die Kundinnen und Kunden abwälzen. Der Eigenanteil liege deutlich höher als vor der Krise, plus 10 bis 15 Prozent, schätzt Andreas Stöckli. Und: «Die Krise ist nicht nur der Iran, sondern auch die ganze Zollproblematik und ganz viele weitere Themen, die aktuell eine Rolle spielen.»
Wenn das so weitergehe, werde es zu grösseren Verwerfungen kommen. Andreas Stöckli kann im Moment wenig ändern. Ihm bleibt nur die Hoffnung auf baldige Entspannung.