Der Bitcoin-Preis rutscht seit Monaten ab. In der Nacht ist die Marke zeitweise bis auf 60’000 US-Dollar gefallen. Am Morgen erholte sich die bekannteste Kryptowährung wieder und stieg auf rund 65’000 Dollar. Innert kurzer Zeit hat sich der Wert des Bitcoins damit halbiert. Was treibt den neuen Krypto-Crash an und wie gefährlich ist er? Wirtschaftsredaktorin Charlotte Jacquemart ordnet die Entwicklungen ein.
Wie ist der Bitcoin-Crash dieses Mal einzuschätzen?
Kryptowährungen schwanken stark. Jedoch sind die nackten Zahlen eindrücklich: Im Oktober lag der Bitcoin bei 125’000 US-Dollar – ein Rekordstand. Nun ist der Kurs etwa halb so hoch. Die Krypto-Szene spricht von einem «Krypto-Winter». Auch viele andere Kryptowährungen werden verkauft; beispielsweise Tether und Solana stehen 30 Prozent tiefer als noch vor einer Woche. Parallel verlieren Aktien von Kryptobörsen und Firmen mit grossen Krypto-Beständen an Wert.
Was steckt hinter diesem neuen «Krypto-Winter»?
Verschiedene Faktoren kommen zusammen. Ein Grund ist der Verkauf von allem, was mit Technologie zu tun hat: Investoren sind vorsichtiger geworden, weil viele Tech-Aktien zu teuer geworden sind – Stichwort KI-Hype. Und viele Anlegerinnen und Anleger nehmen Kryptowährungen eben auch als Technologie-Investment wahr. Ein weiterer Grund ist die Gewinnmitnahme: Wer früh Bitcoin kaufte, macht immer noch Gewinn, wenn er oder sie jetzt verkauft.
Warum fällt der Bitcoin trotz Trumps Krypto-Freundlichkeit?
Trump wollte die USA zum Kryptoland Nummer eins machen. Er hat selbst Coins aufgelegt, seine Familie hat eigene Krypto-Firmen gegründet. Auch deren Werte sind eingebrochen. Entscheidend ist aber: Die von Trump angekündigte Deregulierung stockt. Eine wichtige Gesetzesvorlage diesbezüglich kommt im Kongress nicht voran, weil sich die Banken dagegen wehren. Zudem erklärte US-Finanzminister Scott Bessent diese Woche, sein Departement könne den Fall des Bitcoins nicht mit einer Intervention aufhalten.
Welche Rolle spielt Spekulation beim aktuellen Absturz?
Eine zentrale. Nach dem Amtsantritt von Donald Trump war der Bitcoin stark gestiegen. Viele Anleger kauften auf Pump, also fremdfinanziert. Solange die Kurse steigen, funktioniert das. Fallen sie jedoch deutlich, müssen solche Spekulanten Geld nachschiessen oder die Kredite zurückzahlen. Das führt dazu, dass erst recht alle verkaufen und den Crash damit verstärken. Das kennt man auch aus anderen auf Pump finanzierten Käufen am Finanzmarkt. Vor einer Woche waren sie beim Gold zu beobachten.
Was bedeutet die Krypto-Talfahrt für Anlegerinnen und Anleger?
Kryptowährungen bleiben hoch spekulativ und eignen sich kaum als Zahlungsmittel. Wer nur auf schnelle Gewinne gesetzt hat, prüft nun den eigenen Einstiegspreis. Wer hingegen aus Überzeugung, dass Papierwährungen irgendwann in Not kommen, kauft, dürfte am Krypto-Engagement festhalten. Wer keine Kryptowährungen hat, muss sich erst dann richtig Sorgen machen, wenn die Krypto-Talfahrt auf den traditionellen Finanzmarkt übergreifen sollte. Das ist nicht unmöglich, weil auch viele Banken auf den Zug aufgesprungen sind.