Farbig und auffällig baumelt sie an Taschen, Gürtelschlaufen oder am Hals ihrer glücklichen Besitzerinnen und Besitzer: die neue «Royal Pop»-Uhr von Swatch. Doch wer eine wollte, musste ganz analog in ein Swatch-Geschäft gehen und hoffen, nicht zu spät dran zu sein. Denn online gibt es die Taschenuhr nicht.
So kam es, dass Menschen weltweit vor den Läden campierten. In Mailand flogen Stühle, in Lausanne musste die Polizei eingreifen. Bei rund 20 von weltweit 220 Verkaufsstellen gab es laut Swatch Probleme: Die Warteschlangen seien extrem lang gewesen, einzelne Einkaufszentren hätten sich nicht ausreichend organisiert. Die Szenen am Samstag erinnerten eher an ein Popkonzert als an den Verkauf einer Uhr.
Luxusgefühl zu einem erschwinglichen Preis
Die «Royal Pop» ist eine Kooperation mit der Luxusuhrenmarke Audemars Piguet. Deren Modelle kosten normalerweise Zehntausende Franken. Die «Royal Pop» dagegen gibt es ab 350 Franken.
Dass die Uhr derart beliebt ist, hat laut Wirtschaftspsychologin Mirjam Hauser mit der künstlichen Verknappung zu tun. Die Kooperation ist zeitlich limitiert und nicht alltäglich. Das wirke auf viele Konsumentinnen und Konsumenten: «Das ist etwas Einzigartiges, das muss ich haben.»
Dazu komme eine soziale Statuswirkung. Swatch und Audemars Piguet seien beide starke Marken, sagt die Professorin für Konsumpsychologie an der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW). «Wer sich eine solche Uhr ergattert, kann damit zeigen, zu einer privilegierten Gruppe zu gehören», so Hauser. Der Reiz liegt also nicht nur in der Uhr selbst, sondern auch im Gefühl, sonst leer auszugehen – das Prinzip «Fear of missing out» («Fomo»).
Wie begehrt die Uhr ist, zeigte sich bereits kurz nach dem Verkaufsstart. Auf Wiederverkaufsplattformen taucht die Taschenuhr zu massiv überhöhten Preisen auf. Laut Medienberichten wurde auf StockX ein komplettes Set der acht Modelle für über 25'000 Dollar verkauft. Auf Ebay waren am Montag einzelne Modelle für umgerechnet über 7300 Franken im Angebot.
Auch ein Swatch-Sprecher sprach am Montag von einer «phänomenalen» Nachfrage, ohne Verkaufszahlen zu nennen. Auf der Website habe das Unternehmen Millionen Klicks verzeichnet, in den sozialen Medien seien Inhalte zur Uhr milliardenfach angeschaut worden.
Swatch ruft Kundschaft zur Zurückhaltung auf
Solche Hypes gab es laut Hauser schon früher. Neu sei aber die Geschwindigkeit, mit der sie sich verbreiten. «Wenn viele Menschen über ein Produkt sprechen und Inhalte dazu teilen, kann sich ein Hype heute viel rascher ausbreiten als früher.»
Offen ist, was der Hype Swatch und Audemars Piguet längerfristig bringt. Marketingexpertin Hauser sieht zwei Möglichkeiten: Entweder gehe es vor allem um kurzfristige Aufmerksamkeit und Verkäufe. Oder die Unternehmen wollten damit eine längerfristige Zusammenarbeit oder einen neuen Trend anstossen. Von aussen lasse sich das derzeit noch nicht abschliessend beurteilen.
Für Audemars Piguet sei eine solche Kooperation nicht ohne Risiko. Kurzfristig sei eine einmalige Zusammenarbeit wohl noch kein grosses Problem. Längerfristig könne eine Luxusmarke aber an Status verlieren, wenn sie zu breit verfügbar wirke.