- Die US-Regierung leitet neue Untersuchungen zu ihren Handelspartnern ein – auch die Schweiz ist davon betroffen.
- Sie will unter anderem prüfen, ob eine strukturelle Überkapazität in der Industrie vorliegt.
- Die Ergebnisse der Untersuchung könnten als Grundlage für neue Zölle dienen.
- Deshalb ist die Schweizer Regierung bereits mit dem US-Handelsbeauftragten im Gespräch.
Die Untersuchung der Regierung von US-Präsident Donald Trump soll aufzeigen, ob strukturelle Überkapazitäten in Fertigungssektoren in der Schweiz und anderen Ländern zu Nachteilen für die US-Wirtschaft führen.
Neben der Schweiz werden auch die Europäische Union, Norwegen, China, Japan, Mexiko, Taiwan, Indien und weitere asiatische Länder überprüft. Das hat das Büro des Handelsbeauftragten Jamieson Greer heute mitgeteilt.
Die Untersuchung stützt sich demnach auf einen Passus eines Handelsgesetzes von 1974. In der Vergangenheit hatten die USA diesen Mechanismus etwa genutzt, um Strafzölle gegen China zu verhängen.
Noch im Februar hat der Oberste Gerichtshof Trump untersagt, unter Berufung auf das Notfallgesetz per Erlass Zölle zu verhängen. Seit Beginn seiner zweiten Amtszeit im Januar 2025 hatte er damit am US-Parlament vorbei Importgebühren auf Einfuhren Dutzender Handelspartner verhängt.
Trump sucht jetzt andere Optionen
Trump hat nach dem Urteil angekündigt, andere Instrumente nutzen zu wollen, um seine Zollpolitik durchzusetzen. Zudem hat er sofort neue temporäre Zölle auf den Weg gebracht.
Im Mai soll es zu der jetzt angeordneten Prüfung öffentliche Anhörungen geben. Auch die Regierungen der betroffenen Länder sollen konsultiert werden. Genauere Angaben zu den konkreten Fertigungssektoren, die überprüft werden sollen, werden in der Mitteilung zu den Untersuchungen nicht genannt.
Schweiz berät sich mit US-Handelsbeauftragten
Zugleich wird in der Mitteilung zum Marktumfeld generell festgehalten, dass es zum Beispiel in der Schweiz einen grossen Handelsüberschuss gebe. In einem der Bekanntmachung beiliegendem Dokument wird erwähnt, dass für die Schweiz insbesondere raffiniertes Gold, pharmazeutische Produkte, Chemikalien sowie Maschinen dazu beitragen würden.
Die Handelsbilanz zu Ungunsten der USA war für Trump der Hauptgrund für seinen Zollhammer Anfang August letzten Jahres gegen die Schweiz. Weil die Schweiz mehr Güter in die USA exportierte, als sie von dort bezog, bezichtigte Trump die Schweiz unfairer Handelspraxen. Nach Gesprächen unter anderem mit Schweizer Wirtschaftsvertretern reduzierte Trump schliesslich per Mitte November die Strafzölle von 39 auf 15 Prozent. Die Schweizer Regierung gibt bekannt, dass sie sich zur Zeit mit dem US-Handelsbeauftragten berät. Sie prüft, ob und wie sich diese Untersuchung auf die laufenden Verhandlungen auswirken werden.
Ein Blick auf die jüngsten Zahlen zum Handelsdefizit: Die Schweizer Exporte in die USA betrugen im Januar 2026 inklusive Gold 3.3 Milliarden Franken, wie aus Zahlen des Bundesamts für Zoll und Grenzsicherheit von Mitte Februar hervorging. Gleichzeitig stiegen die Importe von US-Gütern in die Schweiz um knapp die Hälfte auf 4.7 Milliarden Franken. Damit betrug das Handelsdefizit der Schweiz im Januar 1.4 Milliarden Franken.