Die Schattenseiten der künstlichen Intelligenz sieht man in Bern durchaus – etwa, dass sie die Marktmacht von Tech-Riesen wie Google vergrössern kann. Aber heute will die Wettbewerbskommission (Weko) auf deren Vorteile hinweisen.
«KI ermöglicht neue Geschäftsmodelle», sagt Patrik Ducrey. Er leitet das Sekretariat der Weko, das unter anderem die kartellrechtlichen Verfahren durchführt und die Entscheidungen der Weko vorbereitet. «Sie vereinfacht die Prozesse und kann effizientere Abläufe ermöglichen. Sie kann auch gewisse Routinearbeiten, die bisher durch Menschen gemacht worden sind, durch Maschinen ersetzen.» Diese Personen könnten dann für andere Tätigkeiten frei werden, glaubt Ducrey.
Besonders kleine Unternehmen könnten profitieren. Konkrete Beispiele nennt Patrik Ducrey nicht, meint aber: «Für KMU kann es möglich sein, dass sie verstärkt im Wettbewerb auftreten können, weil ihnen KI und die ganze Digitalisierung ermöglichen, ihre Produkte in einem viel grösseren geografischen Raum anzubieten als nur lokal oder regional.» Auch Produktentwicklung und Programmieren würden einfacher.
Eigentlich geht die Weko Meldungen nach und spricht immer wieder Bussen aus, wenn Unternehmen sich in unzulässiger Weise absprechen. Die 18 Untersuchungen und 8 abgeschlossenen Verfahren stehen bei der heutigen Präsentation des Jahresberichts aber nicht im Vordergrund. Zu wichtig sind offenbar die Entwicklungen der künstlichen Intelligenz.
Künstliche Intelligenz beeinflusst die freie Marktwirtschaft massiv – andere Länder sind denn auch kritischer gegenüber der Technologie. Etwa Deutschland: Zeichen dafür ist, dass das dortige Wirtschaftsministerium die Expertenkommission «Wettbewerb und KI» eingesetzt hat. Sie hat im Oktober vergangenen Jahres ihre Arbeit aufgenommen.
In der Schweiz gibt es dazu kein Pendant. Das sei auch nicht notwendig, sagt Patrik Ducrey. «Hier gibt es ähnliche Formen. Das kommt dann vielleicht nicht von der Regierung oder der Verwaltung. Aber es gibt sehr viele Universitäten, die in diesem Bereich forschen, und mit ihnen arbeiten wir teilweise eng zusammen.»
KI kann zur Preisabsprache missbraucht werden
Wie gross ist das Problembewusstsein bei der Weko? Patrik Ducrey sagt, es bestehe weitere Konzentrationsgefahr der Unternehmen, die hinter KI-Modellen oder Chatbots steckten – Google und Apple etwa. «Der zweite Nachteil ist, dass KI missbraucht werden könnte, um Preise abzusprechen unter Konkurrenten; also dass Algorithmen eingesetzt werden, die sich untereinander absprechen, um die Preise höher zu setzen und den Unternehmen höhere Gewinne zu erlauben.»
Dennoch ist für Patrik Ducrey klar: «Die Vorteile überwiegen. Es gibt sehr viele Möglichkeiten, wie KI positiv eingesetzt werden kann, zum Nutzen der Unternehmen und der Wirtschaft.»