Neue Zölle – altes Muster. So lässt sich der jüngste Zollentscheid von Donald Trump zusammenfassen. Seit Beginn seiner zweiten Amtszeit nutzt Trump Zölle als Machtinstrument, um andere Länder unter Druck zu setzen. Die rechtlichen Grundlagen seitens der USA wechseln, doch der Kern bleibt derselbe.
Johannes Fritz, Ökonom bei der Stiftung Global Trade Alert in St. Gallen, stellt mit Blick auf den jüngsten Zollentscheid fest, dass Trumps Zollpolitik in erster Linie von Sicherheitspolitik geprägt sei – und nicht von wirtschaftlichen Überlegungen.
Die USA bleiben attraktiv – sie sind der einzige grosse Markt, der noch wächst.
Trump schafft dabei die generelle Gleichbehandlung der Handelspartner ab. Für die Schweiz bedeutet das, dass ab sofort für die meisten Exportprodukte bei der Einfuhr in die USA ein Zollsatz von 12.5 Prozent gilt.
Im Vergleich zum bisherigen pauschalen Zollsatz von 10 Prozent ist der Unterschied zwar gering. Doch weil im neuen Zollregime jedes Land einzeln betrachtet wird, entstehen Unterschiede.
Tieferer Zoll für Exporte aus der EU
Entscheidend ist dabei für die Schweiz, dass Exporte aus der EU in die USA mit bloss 10 Prozent bezollt werden. Es ist dies ein leichter Wettbewerbsnachteil für Schweizer Unternehmen.
Für den Chef der Schweizerisch-Amerikanischen Handelskammer, Rahul Sahgal, sind die neuen US-Zölle dennoch keine schlechte Nachricht. Der Zollsatz sei tiefer als erwartet, betont er.
Trump hat einen Basiszollsatz von 10 bis 15 Prozent als Ziel.
Und dass es keinen überraschenden Ausreisser nach oben gegeben habe, zeige, dass die US-Seite die Absichtserklärung mit der Schweiz berücksichtigt habe. In der Höhe der Zölle sieht Sahgal eine klare Strategie der USA. «Trump hat einen Basiszollsatz von 10 bis 15 Prozent als Ziel.»
Für Produkte, die für die USA strategisch wichtig seien, würden die Zölle hingegen gezielt so stark erhöht, dass Unternehmen praktisch dazu gedrängt würden, die Produktion in die USA zu verlagern.
Für Schweizer Unternehmen sei vor allem die Unsicherheit das Problem – ausgelöst durch die Handelspolitik der USA. Dennoch bleibe der US-Markt für Schweizer Unternehmen attraktiv. «Es wird ja niemand gezwungen, seine Produkte in die USA zu exportieren», so Sahgal.
Statt Exporte in die USA jetzt nach Indien?
Alex Grete hat daraus seine Konsequenzen gezogen. Der Inhaber von GT Joysticks, einem Unternehmen mit rund vierzig Angestellten im Kanton Bern, macht rund 20 Prozent seines Umsatzes in den USA.
Mit Indien gilt ein Freihandelsabkommen, das hoffentlich stabilere Verhältnisse schafft.
Wegen der US-Zollpolitik schaut sich die Firma, die sich auf die Herstellung von Steuerhebeln spezialisiert hat, jetzt in anderen Märkten um – etwa in Indien. «Hier gilt ein Freihandelsabkommen, das hoffentlich stabilere Verhältnisse schafft», so Grete.
Andere Märkte zu erschliessen, ist eine Möglichkeit, auf die Unsicherheit in den USA zu reagieren. Für die meisten Unternehmen kommt das laut Rahul Sahgal aber nicht infrage. «Die USA bleiben attraktiv – sie sind der einzige grosse Markt, der noch wächst.»
Dieses Wachstum ist der grosse Magnet, auch für Schweizer Exportunternehmen. Darum werden viele von ihnen auch weiterhin Trumps US-Zoll-Kapriolen in Kauf nehmen und am Schlüsselmarkt USA festhalten. Diesen Umstand macht sich Trump zunutze.
Immerhin zeigt die jüngste Episode im Zollstreit: Allmählich hat sich ein neues Gleichgewicht eingestellt zwischen US-Zollforderungen und den Interessen der Handelspartner.