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Schweizer Hochseeschiffe Schweizer Flagge soll zurück auf die Weltmeere

Mehr Hochseeschiffe sollen unter Schweizer Flagge fahren. Der Bund vereinfacht die Bestimmungen dafür und will mehr Präsenz auf den Meeren.

Darum geht’s: Der Bundesrat will die Schweizer Flagge entstauben. Während in der nichtkommerziellen Schifffahrt rund 2000 Jachten unter Schweizer Flagge fahren, sind es bei der kommerziellen Schifffahrt nur gerade elf Hochseeschiffe. Das möchte der Bund ändern. Mit einer Verordnung will er den Zugang zur Schweizer Flagge für Hochseeschiffe vereinfachen.

Das wird neu: «Schweizer Hochseeschiffe dürfen künftig auch unter Schweizer Flagge fahren, wenn die Eigentümergesellschaft im Ausland sitzt», sagt David Urwyler. Er ist der Chef des Schweizerischen Schifffahrtsamtes SSA in Basel, der Zentrale für alle Belange der Schifffahrt im In- und Ausland. Die Neuerung gilt ab 1. Juli, damit passt sich die Schweiz an internationale Standards an. Sie soll Reedereien – also den Betreibern der Schiffe – mit Sitz in der Schweiz die Finanzierung des Betriebs von Schiffen erleichtern, zum Beispiel über Leasing oder über Banken. Denn je nach Grösse kostet ein Hochseeschiff pro Tag zwischen ein paar Tausend und rund 100'000 Franken. So soll die Schweizer Hochseeschifffahrt im international hart umkämpften Geschäft konkurrenzfähiger werden.

Schweizer Hochseeflotte

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Derzeit fahren noch elf Schiffe unter Schweizer Flagge. Früher waren es deutlich mehr. Gegründet wurde die Schweizer Hochseeflotte 1941 – während des Zweiten Weltkriegs – mit dem Ziel, die Lieferketten für das Binnenland Schweiz zu schützen. Dies geriet in den letzten Jahrzehnten in den Hintergrund. Dennoch sicherte der Bund Schweizer Hochseeschiffe weiter mit hohen Bürgschaften ab, was zu Missbräuchen und hohen Kosten führte. Vor zehn Jahren beschloss der Bundesrat, die Bürgschaften einzustellen. Dadurch wurde die Schweizer Hochseeflotte um 80 Prozent verkleinert.

Schweizer Flagge – Schweizer Recht: Fährt ein Schiff unter Schweizer Flagge, gilt an Bord Schweizer Recht. Das hat Auswirkungen, zum Beispiel auf das Arbeitsrecht für die Crew oder in Sachen Umweltauflagen. Deren Einhaltung wird von Fachleuten des Schweizerischen Seeschifffahrtsamts auch regelmässig vor Ort überprüft. «Dadurch tragen die Betreiber dieser Schiffe Schweizer Werte und Standards auf die Weltmeere», sagt David Urwyler vom SSA.

Die Schweiz steht auch auf den Weltmeeren für Werte wie Unabhängigkeit, Sicherheit oder Stabilität.
Autor: David Urwyler Chef Schweizerisches Seeschifffahrtsamt SSA

Schweizer Handelszentrum: Die Schweiz ist Handelszentrum vieler grosser Rohstoffkonzerne. Ebenso haben viele Logistikanbieter hier ihren Sitz. Bekannte Beispiele sind der Speditionskonzern Kühne+Nagel oder der weltgrösste Container-Reeder MSC. Die Branche geht davon aus, dass gut jedes fünfte Frachtschiff auf den Weltmeeren aus der Schweiz heraus gelenkt wird. Diese Schiffe fahren in der Regel unter Flaggen von Billigflaggenstaaten wie den Marshall Islands oder Liberia. Entsprechend gelten an Bord auch nicht zwingend Schweizer oder zumindest europäische Standards in Sachen Umweltschutz oder Sicherheit.

Maritime Strategie der Schweiz

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2023 hat der Bundesrat eine Maritime Strategie verabschiedet. Der Grund: Die Schweiz als Binnenland ist auf reibungslose Lieferketten angewiesen. Und gegen 90 Prozent aller Güter werden über die Weltmeere transportiert. Mit der Strategie will der Bund sich einerseits in die ökologische und soziale Diskussion rund um den Welthandel einbringen. Andererseits will er damit auch die Rolle der Schweiz als globales Zentrum für den globalen Handel unterstreichen. Die neuen Regeln der Schweizer Flagge sind wichtiger Teil dieser Strategie.

Neutralität als Chance: David Urwyler vom Schweizerischen Seeschifffahrtsamt geht davon aus, dass eine Hochseeflotte unter neutraler Schweizer Flagge durchaus attraktiv sein könnte. Denn der freie, globale Handel sieht sich mit immer mehr Restriktionen einzelner Länder konfrontiert. «Es könnte den Reedereien Vorteile bringen. Die Schweiz steht auch auf den Weltmeeren für Werte wie Unabhängigkeit, Sicherheit oder Stabilität.»

Wir begrüssen Initiativen, die die Schweizer Seeschifffahrt stärken.
Autor: Stellungnahme Rohstoffkonzern Trafigura

Reaktion der Reedereien: Der Bund hofft, dass das Angebot der erneuerten Schweizer Flagge bei den Reedereien mit Sitz in der Schweiz auf Interesse stösst. MSC, die weltgrösste Container-Reederei mit Sitz in Genf, war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Der Rohstoffkonzern Trafigura, der selbst mehrere hundert Schiffe kontrolliert, zeigt sich auf Anfrage verhalten interessiert: «Wir begrüssen Initiativen, die die Schweizer Seeschifffahrt stärken, und prüfen weiterhin die Möglichkeiten für unser Schifffahrtsgeschäft.» Die nächsten Monate dürften zeigen, ob die Branche statt auf Billigflaggen verstärkt auf die Schweizer Flagge für ihre Hochseeschiffe setzt.

Rendez-vous, 12.6.2026, 12:30 Uhr; wilh

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