Zuhause gepflegt zu werden, nach einem Unfall oder wenn es im Alter nicht mehr selbstständig geht: Das ist der Wunsch vieler Menschen, aber auch der Politik. Denn die sogenannte ambulante Pflege mit der Spitex in eigenen vier Wänden ist meist günstiger als das Pflegeheim.
Doch die Kosten wachsen derzeit enorm: Insbesondere die Ausgaben für die Leistungen privater Spitex-Firmen. Innert vier Jahren sind diese im Kanton Zürich von 28 auf 71 Millionen Franken gestiegen. Private Spitex-Firmen ergänzen die von den Gemeinden beauftragten, so genannt öffentlichen Spitex-Organisationen.
Im Kanton Zürich decken die privaten Spitex-Firmen mittlerweile mehr als die Hälfte aller Leistungen ab. Und: Private Spitex-Organisationen haben deutlich tiefere Tarife als die öffentlichen. Pflegefinanzierung ohne Private wäre heute kaum mehr machbar.
Lohn von 644'000 Franken
Nun hat die Zürcher Gesundheitskonferenz erstmals die Abrechnungen von 64 privaten Spitex-Firmen genauer unter die Lupe genommen. Insbesondere die Löhne der Geschäftsleitungen stechen ins Auge: Über 60 Prozent verdienen mehr als 150'000 Franken brutto pro Jahr, 20 Prozent verdienen mehr als 300'000 Franken. Das höchstbezahlte Geschäftsleitungsmitglied schaffte es 2023 auf 644'000 Franken Lohn.
«Das ist nicht gerechtfertigt», sagt Mark Wisskirchen, Präsident der Gesundheitskonferenz der Zürcher Gemeinden (GeKoZH). «Diese Löhne werden teilweise mit Steuergeldern finanziert und verfälschen auch die wahren Kosten der Pflegeleistungen», sagt er.
Katharina Hadorn vertritt die privaten Spitex-Organisationen. Ein Lohn von über 600'000 Franken sei sicher nicht die Norm, aber «Löhne von 200'000 bis 300'000 Franken sind im Kanton Zürich absolut gerechtfertigt», sagt die Vizepräsidentin der Association Spitex privée Suisse (ASPS). Es komme auch darauf an, welche Grösse ein Betrieb hat und welche Verantwortung jemand trage.
Spitex-Verband kritisiert Bericht
Der Bericht kritisiert zudem die Rechnungen der privaten Spitex-Anbieter im Kanton Zürich: «80 Prozent der Betriebe halten sich nicht ans verbindliche Finanzmanual des Kantons», kritisiert Mark Wisskirchen. Das sei ein Problem, denn «entsprechend stimmen die ganzen Pflegestundenabrechnungen vermutlich nicht und die Pflegekosten sind wohl viel zu hoch.»
Katharina Hadorn kritisiert hingegen den Bericht selbst: «Die vorliegende Analyse basiert auf einer unzureichenden Auswahl von Betrieben und bezieht einen Vergleich von Kosten und Löhnen von öffentlichen Spitex nicht mit ein.» Zum Vorwurf der mangelhaften Rechnungslegung sagt sie: «Das Finanzmanual gibt gewisse Vorgaben für die Rechnungslegung. Aber es ist ein Manual, das heisst, es ist eine Handlungsanweisung mit Interpretationsspielraum.» Die Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich schreibt auf Anfrage, dass diese Handlungsanweisungen verbindlich seien.