«Die europäischen Bierbrauer sind mit einer ernüchternden Realität konfrontiert», schreibt die Generalsekretärin des Europäischen Brauereiverbands in ihrem Jahresbericht. Seit der Pandemie sei der Bierkonsum fast überall rückläufig.
Gründe für die Bierkrise gibt es viele. Tatsächlich hat sich das Ausgehverhalten vieler Menschen seit Corona verändert. Gleichzeitig steigt auch das Gesundheitsbewusstsein, gerade bei den jüngeren Generationen.
Stellenabbau bei Heineken
Der europäische Bierbrauerverband beklagt auch steigende Kosten für Rohstoffe, die wiederum zu höheren Preisen für die Kundschaft führen. Was ihren Durst weiter schmälert.
Nun verkündet der niederländische Bierbrauer Heineken, dass er in den nächsten zwei Jahren 5000 bis 6000 Stellen streichen will. Die Kosten müssten weiter gesenkt worden, so der zweitgrösste Brauereikonzern der Welt (hinter dem belgisch-amerikanischen Konzern Anheuser Busch).
Trifft es auch Eichhof und Calanda?
Weltweit arbeiten rund 87'000 Menschen bei Heineken. Das Unternehmen ist in 190 Ländern aktiv. In der Schweiz ist Heineken mit zwei Brauereien in Luzern und Chur präsent, wo die von Heineken übernommenen Marken Eichhof, Calanda, Ittinger, Haldengut und Ziegelhof gebraut werden.
Ob es auch hierzulande zu einem Abbau kommen wird, ist unklar. Derzeit könne Heineken noch «keine Aussagen zu möglichen lokalen Auswirkungen machen», sagte eine Sprecherin.
SRF-Wirtschaftsredaktor Klaus Bonanomi rechnet nicht damit, dass in erster Linie Arbeitsplätze bei Calanda und Eichhof gefährdet sind. «Die Schweizer Brauereien sind eigentlich recht gut im Geschäft.»
Der Bierkonsum ist auch in der Schweiz rückläufig – er sank 2024 erstmals unter 50 Liter pro Kopf und Jahr. Die wachsende Bevölkerung macht dies aber fast wieder wett. Im Braujahr 2024/25 produzierten die Schweizer Brauereien rund 370 Millionen Liter Bier. Das sind fast zwei Prozent weniger als im Vorjahr.
Auch die Konkurrenz baut Stellen ab
Heineken leidet seit längerem unter weltweit sinkenden Bierverkäufen. Im vergangenen Jahr wurde rund 1.2 Prozent weniger Bier verkauft. Vor allem der Verkauf in Nord- und Südamerika sowie Europa steht nach Angaben des Unternehmens unter Druck.
Heineken senkt seine Gewinnprognose für das laufende Jahr. Auch der Rivale Carlsberg hatte zuletzt einen ähnlichen Ausblick gegeben und ebenfalls einen Stellenabbau angekündigt.
Branchenriesen schlucken bekannte Marken
Allerdings: Heineken geschäftet durchaus profitabel. 2025 hat der Konzern einen Gewinn von rund 1.9 Milliarden Euro erzielt. Ziel sei es, mit weniger Ressourcen ein höheres Wachstum zu erzielen, teilt das Unternehmen mit.
Mit dem Sparprogramm «Evergreen» will Heineken produktiver und effizienter werden. Die Aktionäre freuts: Die Aktie legte um vier Prozent zu.
Die Märkte sind aufgeteilt und es gibt nicht mehr viel zu holen.
Die effizienzsteigernden Massnahmen bei den Bier-Giganten dürften einen weiteren Grund haben: «In den vergangenen Jahren hat es eine riesige Konzentrationswelle im Biermarkt gegeben», erklärt Bonanomi.
Die grossen Konzerne wie Heineken, Carlsberg oder Anheuser Busch haben etliche bekannte Marken aufgekauft. Dieser Prozess ist nun weitgehend abgeschlossen.
«Die Märkte sind aufgeteilt und es gibt nicht mehr viel zu holen», schliesst Bonanomi. «Also muss man versuchen, der Konkurrenz Marktanteile abzujagen und selber schlagkräftiger und produktiver zu werden.»