Die aktuell grösste Batterie der Schweiz steht in Kappel (SO). Das Speichersystem des Energieversorgers Primeo Energie wurde am vergangenen Freitag eingeweiht und kann rund 80 Megawattstunden Strom speichern. Das reicht, um rund 30'000 Haushalte während zwei Stunden mit Strom zu versorgen.
Allerdings wird die Batterie den Titel als «grösste Batterie der Schweiz» schon bald wieder abgeben müssen: Im September wird in Gurtnellen (UR) bereits die nächstgrössere Batterie den Betrieb aufnehmen. Sie wird dereinst knapp 120'000 Haushalte während zwei Stunden mit Strom beliefern. Diese beiden Beispiele zeigen, dass in der Schweiz gerade das Zeitalter der Grossbatterien beginnt.
Das Erfolgsgeheimnis der Batterien liegt in der Schweiz im Zusammenspiel mit den Solaranlagen: In Zeiten mit viel Sonnenstrom kann der Strom in den Batterien zwischengespeichert und am Abend, nach Sonnenuntergang, wieder abgegeben werden. «Batterien übernehmen künftig den Tag-Nacht-Ausgleich», erklärt Christian Schaffner, Leiter des Energy Science Center der ETH Zürich.
Der Zubau geht rasend schnell
In einer breiten Öffentlichkeit sind Batterien bislang kein grosses Thema. «Ein Grund ist, dass die Entwicklung sehr rasant vorangeht: Die Projekte können schnell gebaut werden», sagt Christian Schaffner. «Wir sprechen von ein bis zwei Jahren vom Investitionsentschluss bis zur Installation.» Das hat auch damit zu tun, dass diese Batterien als ungefährlich gelten und gesellschaftlich unbestritten sind. Im Gegensatz zu anderen, kontrovers diskutierten Energiethemen wie Windrädern oder Kernkraftwerken.
Der rasche Zubau zeigt sich aktuell überall in der Schweiz. In den vergangenen Jahren sind gemäss Recherche von SRF schweizweit Batterien mit einer Kapazität von mindestens 150 MWh installiert worden. Und bis Ende Jahr werden weitere 280 MWh hinzukommen.
Doch die grosse Welle an Projekten folgt erst noch: Bis 2030 sind weitere Speicherkapazitäten von mindestens 4350 MWh in Planung. Damit können rein rechnerisch über vier Millionen Haushalte während zwei Stunden mit Strom versorgt werden. Und laufend kommen neue Projekte hinzu.
Batterien lohnen sich
Alle Batterieprojekte haben etwas gemeinsam: Sie werden durchwegs privat finanziert, das heisst ohne staatliche Subventionen. Zur Anlage in Kappel sagt Cédric Christmann, Geschäftsführer von Primeo Energie: «Das ist eine rein kommerzielle Angelegenheit. Und das ist auch gut so.»
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Bild 1 von 3. Die Batterien werden in der Regel in China produziert und fix in Container verbaut. Die Container gelangen anschliessend per Schiff nach Europa und per Bahn oder Lastwagen in die Schweiz. Die Anlage in Kappel umfasst insgesamt 20 Container. Bildquelle: SRF .
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Bild 2 von 3. In den Speichersystemen werden typischerweise Lithium-Eisenphosphat-Batterien (LFP) eingesetzt, wie sie auch in den Elektroautos verwendet werden. Sie gelten im Betrieb als sehr verlässlich und sind aufgrund der industriellen Produktion in den vergangenen Jahren massiv günstiger geworden. Bildquelle: SRF.
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Bild 3 von 3. Von stationären Batterien geht grundsätzlich keine direkte Gefahr für Mensch und Umwelt aus, auch die Lärmemissionen aufgrund der Kühlung sind vergleichsweise gering. Der Nachteil solcher Batterien ist, dass für den Abbau von Lithium oft grosse Mengen Wasser benötigt werden. Ein Umstand, den kritische Stimmen regelmässig bemängeln. Bildquelle: SRF .
Das Geschäftsmodell funktioniert folgendermassen: In den Mittagsstunden, wenn der Sonnenstrom günstig ist, speichert Primeo Energie den Strom. Am Abend wird er zu einem höheren Preis wieder verkauft und ins Netz eingespeist. Alternativ verkauft der Energieversorger den Strom auch an die nationale Übertragungsgesellschaft Swissgrid, die damit Schwankungen im Stromnetz ausgleicht.
Pumpspeicherwerke und Batterien ergänzen sich
«Batterien sind nicht da, um die Stromlücke im Winter zu schliessen», sagt Christian Schaffner von der ETH. Aber sie könnten mithelfen, die Wasserreserven im Winter zu schonen. Da Batterien zunehmend die Schwankungen innerhalb eines Tages ausgleichen, entlasten sie die grossen Pumpspeicherwerke in den Alpen. Somit könne mehr Wasser zurückgehalten werden, das später für die saisonale Speicherung gebraucht werden könne, betont Schaffner.