«Was bringt das neue Jahr 2026 wirtschaftlich?» fragt Eveline Kobler im ECO Talk. Die Frage geht an zwei profilierte Stimmen der Schweizer Wirtschaft: Daniel Lampart, Chefökonom des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes, und Rudolf Minsch, Chefökonom vom Wirtschaftsdachverband Economiesuisse.
Ihre Einschätzungen zeigen ein Spannungsfeld zwischen stabilen Kennzahlen und wachsender Verunsicherung.
Verunsicherte Konsumenten trotz guter Wirtschaft
Eine nicht repräsentative Strassenumfrage zeigt: Viele Menschen rechnen mit Unsicherheiten, sie sparen gezielter oder können kaum noch Rücklagen bilden.
Die Stimmung bei den Leuten auf der Strasse ist relevant, weil der private Konsum für die Wirtschaft wichtig ist.
Daniel Lampart bestätigt das Bild der Umfrage und verschärft es: «Der Konsum pro Einwohner geht zurück, wenn man das Gesundheitswesen ausklammert.»
Stagnierende Löhne
Lampart spricht von einem historischen Kaufkraftproblem: Die Löhne lägen nach Abzug der Teuerung auf dem Niveau von 2020. Eine Phase mit einer derart schlechten Lohnentwicklung habe es seit dem Zweiten Weltkrieg noch nie gegeben.
Schlechte Lohnentwicklung, steigende Krankenkassenprämien und hohe Mieten bedeuten grosse Probleme bei der Kaufkraft.
Dazu kämen stark steigende Krankenkassenprämien und hohe Mieten. Für Familien sei das besonders belastend:
«Das ist extrem schwierig geworden. Und das sind grosse Probleme bei der Kaufkraft.»
Rudolf Minsch widerspricht nicht grundsätzlich, sagt aber: «Der private Konsum bleibt eine tragende Säule.» Der Privatkonsum wachse in der Schweiz jährlich zwischen 1 und 1.5 Prozent.
Stabiler Konsum – aber ohne Dynamik
Hohe Löhne, tiefe Inflation und eine weiterhin tiefe Arbeitslosigkeit sorgten für Stabilität. Euphorie gebe es zwar nicht, aber: «Die Binnenwirtschaft schlägt sich sehr robust und kontinuierlich.»
Der private Konsum bleibt eine tragende Säule.
Lampart hält dagegen, dass dieses Wachstum fast ausschliesslich durch Bevölkerungszunahme entstehe: «Pro Kopf – und das ist einzigartig – ist nicht mehr Geld da, um mehr zu konsumieren.»
Das Missverhältnis zwischen Arbeitskräftemangel und stagnierenden Löhnen sei neuartig und problematisch.
Arbeitsmarkt im Wandel
Für 2026 wird ein schwächeres Wachstum und eine Arbeitslosenquote von rund drei Prozent erwartet. Lampart hofft, dass der Höhepunkt erreicht ist, warnt aber vor Risiken wie einer Frankenaufwertung.
Minsch lenkt den Blick auf strukturelle Verschiebungen:
«Rund 40 Prozent des Stellenwachstums wurde von Staat und staatsnahen Betrieben geschaffen.» Das sei mehr als deren Anteil am Bruttoinlandprodukt und bedeute eine schleichende Verdrängung der Privatwirtschaft.
Besonders betroffen seien Exportbranchen wie Industrie, Tech oder Chemie. Dennoch betont Minsch die hohe Dynamik des Schweizer Arbeitsmarkts:
«Fast 10 Prozent aller Stellen fallen in einem Jahr weg.» Entscheidend sei jedoch, dass gleichzeitig neue Stellen entstünden.
Junge profitieren, Ältere verlieren
Beim Berufseinstieg raten beide Ökonomen klar zu Arbeit während des Studiums. Lampart kritisiert das Hochschulsystem: «Man sollte schon während dem Studium berufstätig sein.» Minsch ergänzt, berufsbegleitende Ausbildungen seien oft der bessere Start.
Für Ältere ist es zum Teil erschreckend schwierig, wieder unterzukommen.
Ein ungelöstes Problem bleibt laut Lampart der Umgang mit älteren Arbeitnehmenden: «Für Ältere ist es zum Teil erschreckend schwierig, wieder unterzukommen.»
Fazit: Die Schweizer Wirtschaft geht 2026 ohne Krise, aber auch ohne Schwung ins neue Jahr. Während Kennzahlen Stabilität signalisieren, spüren viele Haushalte realen Druck.