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Wichtige Arzneimittel Chinas Antibiotika-Subventionen werden Thema bei der EU

Die Schweiz und Europa seien viel zu abhängig von chinesischen Antibiotika, sagt der Chef des Schweizer Generika-Herstellers Sandoz. Deshalb hat er bei der EU-Kommission eine Beschwerde eingereicht. Was es damit auf sich hat, erklärt SRF-Wirtschaftsredaktorin Nora Meuli.

Nora Meuli

SRF-Wirtschaftsredaktorin

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Nora Meuli ist Wirtschaftsredaktorin und seit 2022 für Radio SRF tätig. Davor hat die Ökonomin an der Fachhochschule Nordwestschweiz geforscht (FHNW). Ihre Fachgebiete sind die Ungleichheit, das System der sozialen Sicherheit und der Arbeitsmarkt.

Worum geht es bei der Beschwerde?

Sandoz sagt, die Produktion des Breitband-Antibiotikums Amoxicillin werde von China massiv subventioniert. Laut Sandoz kostet der in China hergestellte Wirkstoff teils so wenig, dass nicht einmal die Produktionskosten in China gedeckt seien. Das verzerre den Markt. In der Tat setzen die tiefen chinesischen Preise die europäischen Hersteller unter Druck – und das könnte zu einem europäischen Versorgungsproblem führen. Schon jetzt werden 90 Prozent des europäischen Antibiotikabedarfs nicht in Europa produziert.

Was kann die EU-Kommission tun?

Die Sandoz-Beschwerde scheint bisher einmalig zu sein, was Medikamente angeht. Ähnliche Vorwürfe gegen China gibt es bei Solarmodulen oder bei der Stahlproduktion. Die EU hat in beiden Fällen eine Untersuchung eingeleitet und dann Ausgleichszölle verhängt. Der Import dieser Güter aus China wurde also teurer, und so wird die Produktion in Europa konkurrenzfähiger. Genau das hat übrigens Indien jetzt mit chinesischen Antibiotika gemacht: Es hat die Importzölle erhöht, weil durch die tiefen chinesischen Preise die Produktion in Indien gefährdet sei.

Warum ist die Antibiotika-Herstellung offenbar so unattraktiv?

Einfache Antibiotika sind Massenware, ihre Patente sind längst abgelaufen. Sie werden zwar häufig eingesetzt, aber etwa im Vergleich zu neuen Krebsmedikamenten sind sie sehr günstig. Das ist gut für die Prämienzahler, aber die Hersteller verdienen mit Antibiotika nur Geld, wenn sie sie in Massen herstellen und verkaufen. Sandoz ist eine der wenigen Firmen, die noch in Europa produzieren. Im Tirol betreibt Sandoz das letzte Werk in Europa, das den gesamten Herstellungsprozess durchführt – also bis zur Tablette oder Spritze.

Produktion in der Schweiz eingestellt

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Nahaufnahme einer Petrischale mit Bakterienkulturen.
Legende: Keystone/Armin Weigel

In der Schweiz gibt es keine Antibiotikaproduktion mehr. Anfang Jahr schloss Roche in Kaiseraugst die letzte Antibiotikaproduktionsstätte in der Schweiz. Das Bundesamt für Gesundheit hatte noch versucht, zusammen mit Roche eine Lösung für die Antibiotikaproduktion zu finden. Das BAG bot Preiserhöhungen an oder auch eine Abnahmegarantie. Doch Roche reichte das nicht. Damals hiess es vom Basler Chemiekonzern, es brauche eine europäische Lösung, die Schweiz allein sei zu klein.

Braucht es auch in Europa staatliche Subventionen?

Es gibt verschiedene Bestrebungen, die Antibiotika-Produktion in der EU zu fördern. So unterstützt Österreich zum Beispiel das Werk von Sandoz im Tirol mit Millionen. Doch ansonsten konzentriert sich die staatliche Förderung vor allem auf die Entwicklung neuer Antibiotika. Denn es braucht dringend neue solche Arzneien, weil die alten Antibiotika gegen resistente Bakterien immer öfter nicht mehr wirken. Die neuen Antibiotika sollen dann aber möglichst selten eingesetzt werden, damit die Erreger keine Resistenzen gegen sie bilden. Das wiederum macht die Entwicklung dieser Medikamente wenig attraktiv für Pharmafirmen. Da versuchen sowohl die EU als auch die Schweiz, mit höheren Preisen und finanzieller Unterstützung der Forschung gegenzusteuern.

Medikamenten-Pflichtlager in der Schweiz

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In der Schweiz gibt es Pflichtlager für zahlreiche wichtige Medikamente. Dabei bestimmt der Bundesrat, welche zu diesen gehören. Die entsprechenden Firmen werden dann dazu verpflichtet, in ihren Lagern immer genügend davon vorrätig zu haben. Diese Lager werden auch immer wieder angezapft: In den letzten Jahren bestand eine Mangellage bei Antibiotika und der Bund hat die Pflichtlager freigegeben. Derzeit ist die Versorgungssituation aber wieder besser. Laut Bund kann es aber wieder zu Mangellagen kommen, weil die Abhängigkeit von Produktionsstandorten in Asien so gross ist.

 

Rendez-vous, 28.5.2026, 12:30 Uhr ; 

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