Ohne viel Federlesens beginnt der Besuch im Polizei Hauptgebäude in Sarnen. Eine Leuchtweste, eine Schutzweste und dann noch ein Dokument unterschreiben, das besagt, dass man allfällige Geheimnisse nicht weiter verbreiten darf. Und schon kommt die erste Meldung: häusliche Gewalt.
Ich fahre mit zwei diensthabenden Polizisten an den Tatort. Dort beginnen die Befragungen. Die Frau beschuldigt den Mann gewaltsamer Übergriffe. Dieser wiederum wirft seinem Schwiegervater Drohungen und Beleidigungen vor. Später gehen die Einvernahmen auf dem Polizeiposten weiter.
Danach Protokolle schreiben. Anschliessend werden weitere Untersuchungen und am Schluss die Übergabe des Dossiers an die Staatsanwaltschaft folgen. Polizeialltag eben.
Einblick in den Polizeialltag
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Bild 1 von 5. Zentrale der Kantonspolizei Obwalden. Bildquelle: SRF.
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Bild 2 von 5. Reporter Christof Franzen im Einsatz mit der Polizei Obwalden. Bildquelle: SRF.
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Bild 3 von 5. Alle Fälle werden schriftlich protokolliert. Bildquelle: SRF.
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Bild 4 von 5. Die Einsatzzentrale behält den Verkehr im Blick. Bildquelle: SRF.
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Bild 5 von 5. Ein Polizist spricht sich mit einem Kollegen ab. Sie kontrollierten ein Fahrzeug mit Verdacht auf organisierte Kriminalität. Bildquelle: SRF.
Ein kleines Polizeikorps muss vieles von dem können, was auch grosse tun. Spuren sichern vor Ort, Einschreiten bei Gewalttaten, Verkehrskontrollen oder auch mal eine Türe aufsperren, wenn eine Seniorin oder ein Senior daheim verletzt ist. In einem Gebirgskanton wie Obwalden kommen noch Dinge hinzu wie Berg- oder Pistenunfälle.
4000 Überstunden in nur einem Jahr
Cyber- und Internetkriminalität nehmen auch stark zu. Es scheint viel Arbeit zu sein für die Polizistinnen und Polizisten, mit ihren derzeit 64 Vollzeitstellen. Zuviel Arbeit, wie sie selbst sagen. Letztes Jahr habe das Korps insgesamt um die 4000 Überstunden geleistet.
Wenn man den Strafverfolgungsbehörden die Ressourcen nicht gibt, um ihren Job zu machen, dann führt man irgendwann den Rechtsstaat ad absurdum.
«In der Prävention, also der Konfliktverhinderung, sind wir sehr schwach. Obwohl das eigentlich das oberste Ziel wäre», sagt Martin Kathriner, Leiter Verkehrs- und Sicherheitspolizei.
Eine von der Regierung in Auftrag gegebenen Studie empfiehlt, den Polizeibestand um bis zu 24 Stellen zu erhöhen. Je nach politischem Gutdünken. Aber die Studie hält ebenfalls fest, dass sich die Bevölkerung in Obwalden grundsätzlich sicher fühle.
Der politische Druck auf die Regierung, diese Anzahl Stellen zu schaffen, scheint begrenzt. Es fehlt dem Kanton unter anderem am Geld. «Wir können die Lücke nicht auf einen Schlag schliessen», sagt der Vorsteher des Sicherheitsdepartements Christoph Amstad. Das Parlament habe zwar zusätzliche Stellen gesprochen, aber: «Der Kanton Obwalden ist im Moment finanziell nicht auf Rosen gebettet.»
Zu wenig Ressourcen
Insbesondere dank dem guten Korpsgeist könne man zumindest denjenigen Fällen, die angezeigt werden, in der Regel nachgehen, heisst es bei den Polizeibeamten in Sarnen.
Heikel sei die Situation aber bei der sogenannten Holkriminalität, sagt Christoph Fries, Leiter Kriminalpolizei. Das sei Kriminalität, die nicht aktiv angezeigt werde. Zum Beispiel: Betäubungsmittelkriminalität. «Die wird selten von den Involvierten angezeigt, weil sich in der Regel ja beide Parteien strafbar machen», so Fries.
Solchen Fällen müsste man eigentlich viel öfter proaktiv nachgehen können. Schwarzarbeit, illegales Glücksspiel oder Menschenhandel gehen in die gleiche Kategorie. «Wenn man den Strafverfolgungsbehörden die Ressourcen nicht gibt, um ihren Job zu machen, dann führt man irgendwann den Rechtsstaat ad absurdum», sagt der Kripochef.