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Nächste Polizeikrise Abgangswelle und Rassismus-Vorwürfe im Kanton Jura

Kantonspolizisten im Jura berichten von Druck, viele Bussen zu verteilen. Und von rassistischen Chats einer Sondereinheit. In den letzten zwei Jahren hat mehr als jeder zehnte das Korps verlassen. Die Regierung sieht kein Problem – und will trotzdem auf einen externen Experten setzen.

Bei der Kantonspolizei Jura ist es in den vergangenen zwei Jahren zu einer regelrechten Welle von Abgängen gekommen. Jetzt sprechen Polizeibeamte gegenüber dem Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS) von Druck von oben. Konkret: von zweifelhaften Praktiken beim Bussenverteilen.

Auch von Whatsapp-Nachrichten mit rassistischem Inhalt ist die Rede.

Die Beamten redeten nur ausserhalb des Kantons (dt. Untertitel):

Mehrere Korpsmitglieder haben sich bereit erklärt, anonym vor der Kamera auszusagen. In einem mehrstündigen Gespräch berichten die Polizisten, ihre Vorgesetzten würden sie unter Druck setzen.

Hauptkritikpunkt ist die interne Politik in Sachen Bussen: «Jeder Polizist muss Bussen verteilen. Wer nicht genug einbringt, wird zu seinem Vorgesetzten vorgeladen und bekommt eine Rüge. Es werden Vergleiche zwischen den Beamten gemacht», sagt einer von ihnen gegenüber RTS.

Die befragten Polizisten erzählen auch von einer früheren Whatsapp-Gruppe mit rassistischen Äusserungen. Sie ziehen Parallelen zu einem ähnlichen Fall bei der Lausanner Polizei, der im vergangenen Jahr für Aufsehen sorgte und zu Demonstrationen führte.

Auch bei der Kantonspolizei Jura gehe der – mittlerweile geschlossene – Chat auf eine Spezialeinheit zurück. «Der Inhalt der Nachrichten war beunruhigend», erzählt ein Polizist. Man solle «sich einen N****, einen Jugoslawen oder einen Türken vornehmen», habe es da geheissen, so der Beamte.

Regierungsrat: keine «bezifferten Vorgaben»

Der Kommandant der Kantonspolizei, Damien Rérat, wollte sich auf Anfrage von RTS nicht äussern. Der zuständige Regierungsrat Valentin Zuber, seit drei Monaten im Amt, sagt: Es sei nicht möglich, «zu kontrollieren, wie das auf der unteren Führungsebene, vor Ort, abläuft». Er versichert jedoch, dass «weder der Stab noch die politische Behörde jemals Erwartungen und bezifferte Vorgaben gemacht haben».

Zu den rassistischen Chat-Nachrichten sagt Zuber, diese wären «schwerwiegend, falls sie sich bewahrheiten». Ohne Beweise könne er den Fall aber nicht weiter kommentieren.

Abgangswelle seit zwei Jahren

Zu den aktuellen Enthüllungen kommt eine regelrechte Welle von Abgängen bei der Kantonspolizei Jura. Sechs Beamte haben das Korps 2024 verlassen, dann fünfzehn im letzten Jahr – bei einem Bestand von 180 Polizisten sind das fast 12 Prozent Abgänge in zwei Jahren.

Laut einem ehemaligen Parlamentarier, der sich mit der Angelegenheit befasst hat, sind das überdurchschnittlich viele. Seine Interpellation aus dem Kantonsparlament in dieser Frage blieb ohne Folgen – die Exekutive antwortete Ende Januar, das Arbeitsklima bei der Kantonspolizei sei gut.

Gewerkschaft kritisiert – und schweigt

Anders sieht das allerdings auch die Polizei-Gewerkschaft im Kanton Jura. Die Kündigungswelle sei «das Symptom eines tiefen Unbehagens», schrieb sie in einer Mitteilung im Februar. Jetzt will sich die Gewerkschaft trotz wiederholter Anfragen nicht mehr öffentlich äussern.

Die Regierung ihrerseits hat beschlossen, einen externen Experten mit einer Untersuchung zu beauftragen und Wege zur Beruhigung zu finden.

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RTS 19h30, 2.3.2026, 19:30 Uhr;brus

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