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Besuch im zerstörten Zuhause Blatten: Mitten im Schlamm suchen sie nach ihrem alten Leben

Ihr Haus übersteht den Bergsturz – versinkt aber im Stausee. Bilder aus dem Innern zeigen, was Bellwalds verloren haben.

Mitten im neu entstandenen Stausee von Blatten ragt das Haus der Familie Bellwald aus dem Wasser. Die Lonza reicht bis unters Dach, grauer Schlamm klebt an den Fenstern, im Innern fault alles vor sich hin.

Zwei Personen sitzen auf Stühlen in einem gemütlichen Raum.
Legende: Stephanie und ihr Mann Richard Bellwald. SRF

Nach dem Bergsturz im Mai 2025 bleibt das Haus zwar stehen – gerettet ist trotzdem nichts. Wasser, Schimmel und Geruch haben das Zuhause der vierköpfigen Familie zerstört. Dort, wo früher Kinder spielten und Nachbarn vorbeikamen, liegt heute eine gespenstische Landschaft aus Schlamm und Geröll.

«Das sind meine Wurzeln»

Als Blatten wenige Tage vor dem Bergsturz evakuiert wird, nimmt die Familie Bellwald fast nichts mit. Niemand rechnet mit diesem Ausmass. Stephanie ist in Wiler und sieht von dort aus, wie der Berg ins Tal donnert. «Wir konnten live zusehen, wie der Berg runterkam. Ich glaube, das bleibt noch lange.» Kleider, Erinnerungen und persönliche Gegenstände bleiben im Haus zurück – und verschwinden wenig später im Wasser.

Als der Pegel des Stausees sinkt, darf die Familie im Oktober 2025 ihr Haus wieder betreten. Es ist ein Moment, vor dem sie sich monatelang gefürchtet hat.

Richard Bellwald ist in Blatten geboren, arbeitet seit 2011 als Wildhüter in der Region und verbindet praktisch jede Erinnerung mit dem Dorf. «Wenn man hier vorbeifährt, sieht man nicht den Schuttkegel, sondern den Ort, an dem man gelebt hat und der ein sicherer Rückzugsort war. Dann fühlt man sich immer, als würde einem ein Messer in die Seite gestossen.»

«Mein Gefühl sagt, dass ich hierher zurückmuss»

Der 51‑Jährige verliert mehr als nur sein Haus. «Das war mein Leben. Und jetzt ist nichts mehr da, wohin … man nach Hause kommen kann», sagt er mit zitternder Stimme.

Einen Plan B gibt es für ihn und seine Frau Stephanie nicht. Sie wollen zurück nach Blatten. «Das sind meine Wurzeln, das ist meine Heimat. Mein Gefühl sagt, dass ich hierher zurückmuss.»

«Perfekt, bis es ‹bumm› machte»

2017 erfüllen sich Stephanie und Richard Bellwald einen grossen Traum. Sie bauen in Blatten ihr eigenes Haus. Ein neues Zuhause, mitten im Lötschental, mit Blick auf die Berge und genügend Platz für ihre kleine Familie. «Es war ein riesiger Wunsch von uns, etwas Eigenes zu haben», sagt Richard.

«Es wäre vielleicht sogar einfacher, wenn es unter dem Schutt begraben wäre», sagt Richard. «Dann müsste man es sich nicht anschauen.» Das Schlimmste sei, dass nichts mehr übrig geblieben sei. «Es ist nicht so, wie wenn das Dorf abgebrannt wäre. Dann könnte man zu den Mauern gehen und sagen: »Hier bauen wir das Haus wieder auf›. Aber in diesem Fall ist alles weg.»

Die Hoffnung auf ein neues Blatten

Die Bellwalds wollen zurück. Doch wie dieses neue Leben aussehen wird, ist unklar. Wegen der neuen Gefahrenkarte liegen alle Grundstücke von Richard Bellwald in der roten Zone. «Vorher hatte ich 2000 Quadratmeter, jetzt habe ich gar nichts mehr», sagt er. «Das ist schon eine spezielle Ausgangslage.»

Person zeigt auf Laptopbildschirm mit Karte einer Lawinengefahrenzone.
Legende: Aktuell besitzen Richard und Stephanie Bellwald keinen Quadratmeter in der grünen Zone. SRF

Das neue Blatten soll leicht versetzt wieder aufgebaut werden. Weil künftig weniger Bauland zur Verfügung steht, müssen die Menschen enger zusammenrücken. Viele Familien verlieren nicht nur ihre Häuser, sondern auch ihr Land.

Trotzdem halten die Bellwalds an ihrer Hoffnung fest. Richard möchte irgendwann wieder frei durchs Tal gehen können, ohne Sperrzone und Kontrollen. Stephanie glaubt, dass das Heimweh vielleicht erst verschwindet, wenn sie gemeinsam wieder in Blatten leben können.

SRF 1, SRF bi de Lüt – Heimweh, 8.5.2026, 20.10 Uhr ; 

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