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Wirkung von Steuerabkommen Als Grenzgänger nach Graubünden? «Verdiene in Mailand mehr»

Die Folgen des Steuerabkommens mit Italien treffen in Graubünden nicht alle Sektoren gleich stark. Ein Überblick.

Als Grenzgänger im Graubünden zu arbeiten, ist finanziell nicht mehr so attraktiv. «Vor ein paar Monaten hat zum ersten Mal in den vier Jahren, in denen ich bei Repower arbeite, ein Mann aus dem Veltlin unser Angebot abgelehnt, weil wir weniger bezahlen würden als eine vergleichbare Stelle in Mailand», so Dario Castagnoli, Mitglied der Geschäftsleitung des Energiekonzerns mit Sitz in Poschavio GR, gegenüber dem Radio und Fernsehen für die italienischsprachige Schweiz RSI.

Der steuerliche Aspekt habe die Situation der Grenzgänger «erheblich verschlechtert», so Castagnoli weiter. Dies sei ein eindeutiges Problem. Knapp drei Jahre nach dem Inkrafttreten des neuen Steuerabkommens zwischen der Schweiz und Italien zur Besteuerung von Grenzgängern machen sich die Folgen davon auch im Puschlav bemerkbar.

Der Bericht von RSI mit deutschen Untertiteln:

Während es im Graubünden von 2002 bis 2024 einen stetigen Anstieg an Grenzgängern gab, begann anschliessend eine Verlangsamung mit lediglich 200 zusätzlichen Bewilligungen in zwei Jahren. Nun, im ersten Quartal 2026, arbeiten im Graubünden rund 10'200 Grenzgänger – rund 90 Prozent von ihnen haben einen Wohnsitz in Italien.

Unterschiede bemerkbar

Aber: Die Situation ist je nach Sektor anders. Im Gesundheitswesen könne etwa die Lohndifferenz zwischen den beiden Ländern das Arbeiten im Graubünden noch attraktiver machen, so Maurizio Michael, Präsident des Gesundheitszentrums Bergell. «Da wir in unserem Fall sehr nahe an der Grenze sind, ist das Problem viel geringer. Wenn aber die Anreise und der damit verbundene Aufwand zunehmen, werden die Leute wohl eine andere Möglichkeit in Betracht ziehen.»

Autos fahren durch eine Kontrollstelle mit einer Shell-Tankstelle im Hintergrund, flankiert von grünen Bäumen.
Legende: Der Grenzposten Campocologno, am Samstag, 9. Juni 2018. KEYSTONE/Peter Klaunzer

Anders im Baugewerbe: Hier bleibt das Engadin begehrt, so Maurizio Pirola, Präsident der Gesellschaft Bündner Bauunternehmer. «Ein Grund dafür ist, dass die Löhne ein Stück höher sind als in allen anderen Sektoren.» Doch auch in dieser Branche sind die Auswirkungen des Steuerabkommens erkennbar. «Wir haben etwas mehr Probleme mit Neuzugängen. Diese sind zurückgegangen, ebenso die Anzahl an Bewerbungen. Das Problem wird sich in ein paar Jahren wirklich zeigen, wenn alte Grenzgänger in Rente gehen und die Neuen fehlen.»

Unklarheiten bei Steuern

Ein anderes Bild zeigt sich in der Tourismusbranche, so Claudio Dietrich, Inhaber des Hotels Waldhaus in Sils Maria. Hier war es nach der Pandemie schwieriger, zu rekrutieren. «Das hat sich aber nun beruhigt. Es ist nicht so, dass es einfacher geworden wäre, aber wir erhalten mehr Bewerbungen.»

Das Unangenehmste, so Dietrich, sei die Unsicherheit über die Höhe der Steuer, welche neue Grenzgänger bezahlen müssten. «Als Arbeitgeber würde ich gerne meinen Mitarbeitenden sagen können, mit wie viel Geld sie am Monatsende nach Hause gehen.»

Laut dem Direktor des Departements für Volkswirtschaft, Marcus Caduff, ist insbesondere der Tourismussektor vom Risiko eines Personalmangels aus dem Ausland betroffen. «Die Lohndifferenz scheint immer kleiner zu werden, und ich weiss nicht, ob sie zu einer zweistündigen Anreise bereit sind, wenn diese Differenz noch geringer wird.»

Mehr Lohn als Lösung?

Und wie kann man das Problem bekämpfen? Für Dario Castagnoli von Repower gibt es nur einen logischen Schritt: «Der Markt ist von Angebot und Nachfrage getrieben. Wenn wir sehen, dass unsere Löhne in bestimmten Profilen nicht wettbewerbsfähig sind, haben wir keine andere Wahl, als sie zu erhöhen.»

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RSI Info, 08.07.2026, 20:40;liea

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