Die Zahl ist eindrücklich: Im Jahr 2000 – der Zivildienst war erst wenige Jahre alt – wurden knapp 1200 Männer neu zum Zivildienst zugelassen. Letztes Jahr, ein Vierteljahrhundert später, waren es sechsmal mehr – über 7200.
Zwar lassen sich die Zahlen nur bedingt vergleichen, denn mit der Abschaffung der Gewissensprüfung 2008 wurde der Zugang zum Zivildienst leichter. Aber unbestritten ist: Der Zivildienst ist beliebt und hat sich über die Jahre in der Gesellschaft etabliert.
Viele Einsatzgebiete – Soziales an der Spitze
Zivildienstleistende werden heute breit eingesetzt: Spitzenreiter ist das Sozialwesen mit gut der Hälfte der Zivildiensttage, gefolgt von Schulen und Spitälern.
Pflegeeinrichtungen für Betagte gehören dabei zu den klassischen Betrieben, die seit vielen Jahren fest mit Zivildienstleistenden rechnen. Dazu gehört der Selve Park in Thun, wo fast immer ein bis zwei «Zivis» im Einsatz sind. «Sie bieten einen Mehrwert», sagt Geschäftsleiter Toni Mittelbach.
«Sie können in der Betreuung ein wichtiges Extra bieten, für das dem Pflegepersonal die Zeit fehlt.» Das können laut Mittelbach Gespräche, eine Partie Schach oder Spaziergänge sein.
Zivildienst mit «mehr Sinn»
«Mir gefällt es sehr hier im Pflegeheim, weil ich wirklich nahe an den Menschen bin», sagt Micha Stoller. Der 23-Jährige aus dem bernischen Steffisburg leistet im Selve Park schon seinen dritten Einsatz, sonst arbeitet er bei einer Ausgleichskasse als kaufmännischer Angestellter.
Das, was ich mache, hilft wirklich direkt den Leuten.
«Es ist für mich auch eine willkommene Abwechslung zu meinem normalen Büroalltag – denn ich bin eigentlich ein sozialer Mensch», so Stoller. Solche Erfahrungen hat er gesucht, als er sich seinerzeit für den Zivildienst entschieden hat: «Es ist mir auch darum gegangen, dass ich beim Zivildienst etwas mehr Sinn dahinter sehe. Weil ich hier weiss: Das, was ich mache, hilft wirklich direkt den Leuten.»
Ohne Zivis wäre es nicht das Gleiche.
Zu diesen Menschen gehört Margaretha Lory. Die 96-Jährige hat schon einige Zivis kommen und gehen sehen. «Alle waren bisher sehr nett. Sie haben Zeit, sich mit uns abzugeben. Das ist wichtig. Ohne sie wäre es nicht mehr das Gleiche hier.»
Priorität für die Armee
Es sei begreiflich, dass die Unterstützung der Zivildienstler als wertvoll empfunden werde, sagt Brigitte Häberli-Koller, Mitte-Ständerätin aus dem Kanton Thurgau und Mitglied der sicherheitspolitischen Kommission. «Aber in dieser unberechenbaren sicherheitspolitischen Weltlage müssen wir unsere Armee stärken. Darum ist die Gesetzesrevision wirklich sehr, sehr wichtig.» Das bedeute, dass der Zivildienst mit weniger Leuten auskommen müsse. Aber abschaffen wolle ihn niemand.
«Heute wechseln viele junge Männer erst während oder nach der Rekrutenschule in den Zivildienst. Besonders diese Gruppe soll dem Militär erhalten bleiben», so Häberli-Koller. In diese Richtung soll besonders eine Änderung im Gesetz wirken: eine Mindestdauer von 150 Tagen Zivildienst, egal wie viel Militär jemand schon geleistet hat.
Linke, Grüne, friedenspolitische und andere Organisationen finden die geplanten Reformen ungerecht. Sie sehen darin eine unzulässige Erschwernis für all jene, die sich einen Dienst als Soldat nicht vorstellen könnten. Weil sie das Referendum ergriffen haben, liegt der Entscheid nun am 14. Juni beim Stimmvolk.