In der Schaffhauser Gemeinde Beringen entsteht ein Rechenzentrum der Superlative: Eine US-amerikanische Firma baut eine Anlage, die den Strombedarf des Kantons um rund 70 Prozent steigern dürfte.
Wir haben ein riesiges Wachstum dieser sehr energie- und ressourcenintensiven Standorte in der Schweiz.
Leute aus der Nachbarschaft stören sich. Eine Gruppierung aus der linksextremen Szene kündigt für Juli ein Protestcamp an. Und der Schaffhauser Kantonsrat fordert Effizienzmassnahmen. Der Fall Beringen zeigt: Rechenzentren werden zu einem politisch heissen Eisen. Auch national.
«Wir haben ein riesiges Wachstum dieser sehr energie- und ressourcenintensiven Standorte in der Schweiz», sagt Grünen-Nationalrätin Marionna Schlatter. Sie findet, dass die Politik hinschauen und eine Lösung finden müsse, wie damit umzugehen sei.
Die Digitalisierung schreitet voran und die Schweiz ist ein attraktiver Standort. 2024 verschlangen Rechenzentren dreieinhalb Prozent des gesamten Schweizer Stroms. Und schon bald dürften es doppelt so viele sein, schätzen Fachleute.
Abwärme als Chance
Die Rechner laufen heiss und müssen mit viel Wasser gekühlt werden. Der Ressourcenverbrauch ist hoch. Doch genau hier, bei der Abwärme, bietet sich auch eine Chance. Das erwärmte Kühlwasser kann man in ein Fernwärmenetz einspeisen.
«Hier besteht ein grosses Potenzial», sagt Jakob Rager. Er beschäftigt sich an der Fachhochschule Westschweiz im Wallis mit Energieraumplanung. Positivbeispiele gebe es: So beheizt ein Rechenzentrum in Genf mehrere Tausend Haushalte.
«Allerdings gehen wir davon aus, dass es auch viele Rechenzentren gibt, die das leider noch nicht so umsetzen.» Da gäbe es also Handlungsbedarf und Verbesserungspotenzial, sagt Rager.
Rolle des Bundes noch unklar
Diesen Handlungsbedarf sieht auch der Bundesrat. In einem neuen Bericht hält er fest: Die Kantone sollen schauen, dass Fernwärmeprojekte bei Rechenzentren mitgeplant werden. Auf eine nationale Pflicht will der Bundesrat aber verzichten.
Ich glaube, die Kantone sind hier in der Pflicht und sie haben auch die Kompetenz.
Tatsächlich tut sich etwas auf Kantonsebene. Erst letzte Woche hat der Schaffhauser Kantonsrat einen Vorstoss angenommen, der fordert, dass die Abwärme von Rechenzentren wiederverwendet werden muss. Gut so, findet der Schaffhauser Ständerat Severin Brüngger von der FDP.
«Es wäre falsch, jetzt eine Regulierungswut vom Bund aus zu starten», meint Brüngger. «Ich glaube, die Kantone sind hier in der Pflicht und sie haben auch die Kompetenz.»
Doch für Marionna Schlatter von den Grünen kann der Bund nicht ganz aus der Pflicht entlassen werden. «Es ist sicher sinnvoll, wenn die Kantone hinschauen. Aber es bräuchte nationale Regeln», sagt Schlatter. Denn es gehe nicht nur um die Abwärme, sondern es müssten auch Fragen des Stromverbrauchs – ob er erneuerbar sein muss oder nicht – und des Wasserverbrauchs geklärt werden.
Verlässliche Zahlen fehlen
Unabhängig davon, wer am Ende die Regeln macht: Eine genaue Übersicht darüber, welche Mengen an Ressourcen die Rechenzentren verbrauchen, fehlt heute. Deshalb fordert der Energieexperte Jakob Rager, dass die Betreiberfirmen verlässliche Zahlen abliefern müssen.
«Damit man besser abschätzen kann, wie gross das Problem in der Schweiz schon ist. Und dementsprechend auch Massnahmen anpassen kann», erklärt Rager. Wächst der Bereich weiter so schnell, könnte der Stromverbrauch für die Schweiz zum Problem werden.