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Experte zu PFAS-Belastung «Müssen davon ausgehen, dass jeder Boden mit PFAS belastet ist»

Die sogenannten Ewigkeitschemikalien (PFAS) kommen in Schweizer Böden fast flächendeckend vor, wie eine neue Auswertung von über 1000 Messungen zeigt. Die Ergebnisse seien zwar nicht überraschend, aber bedenklich, schreibt die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) in einer Mitteilung. Warum die Resultate beunruhigend sind und was die Studienergebnisse für die Politik bedeuten, erklärt ZHAW-Forscher Basilius Thalmann.

Dr. Basilius Thalmann

Dozent für Umweltchemie

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Basilius Thalmann ist Dozent für Umweltchemie an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften und hat an der PFAS-Studie mitgearbeitet. Bildquelle: ZVG.

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SRF News: Wieso sind die neuen Erkenntnisse bedenklich?

Basilius Thalmann: Wir haben jetzt viel mehr Proben und Messungen und darin fast überall PFAS gefunden. Bedenklich ist also, dass PFAS schweizweit vorkommen und dass wir davon ausgehen müssen, dass jeder Boden mit PFAS belastet ist.

Was sind PFAS eigentlich?

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Bei PFAS, umgangssprachlich auch Ewigkeitschemikalien genannt, handelt es sich um eine Gruppe von mehreren tausend synthetischen Chemikalien. PFAS sind fett-, schmutz- und wasserabweisend und werden seit Jahrzehnten in Produkten wie Textilien, Lebensmittelverpackungen oder Feuerlöschmitteln eingesetzt. Sie sind aber kaum abbaubar und reichern sich deshalb in der Natur und in Organismen an.

In der aktuellen Studie ist der mittlere PFAS-Wert höher als in Ihrer Untersuchung von 2022. Heisst das: Die PFAS-Belastung ist in der Zwischenzeit derart gestiegen?

Nein, das heisst es nicht. Wir haben mit der neuen Studie ein besseres Bild der Schweiz. Wir haben mehr Proben und eine bessere Abbildung der schweizweiten PFAS-Belastung. Das liegt auch daran, dass wir in der ersten Studie vor allem auf die Grundbelastung geschaut haben. Wir haben auch viele abgelegene Standorte wie zum Beispiel den Schweizer Nationalpark untersucht.

Wir sollten jetzt aktiv werden. Denn wir wollen ja nicht, dass unsere Böden noch weiter belastet werden und wir in 20 Jahren ein grösseres Problem haben.

In der aktuellen Studie haben wir mehr Proben aus dem Mittelland oder aus den Städten – wir haben also ein genaueres Bild von Orten, wo grosse Teile der Bevölkerung leben und arbeiten. Ob die PFAS-Belastung von 2022 bis 2026 zugenommen hat, das können wir aktuell nicht beurteilen.

Die wichtigsten Studienergebnisse:

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Für diese Übersicht trugen Forschende der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) und der ETH Zürich im Auftrag des Bundesamts für Umwelt (BAFU) 1070 PFAS-Bodenmessungen zusammen. Die Messungen stammen aus kantonalen Untersuchungen und der Nationalen Bodenbeobachtung.

Diese Auswertung zeigt, dass PFAS in über 99 Prozent der Bodenproben nachweisbar sind. Flächen, auf denen vermutlich Löschschaum oder Klärschlamm verwendet wurde, wiesen erhöhte PFAS-Konzentrationen auf.

Der mittlere PFAS-Gehalt liegt laut der Medienmitteilung bei 2,4 Mikrogramm pro Kilogramm und damit über dem Median von 1,4 Mikrogramm pro Kilogramm der ZHAW-Studie aus dem Jahr 2022. Der Grund dafür wird methodisch erklärt. Während die Studie von 2022 nur die Grundbelastung der Schweizer Böden erfasste, berücksichtigt die neue Auswertung zusätzlich Messungen aus kantonalen Untersuchungen zu Siedlungs- und Verdachtsflächen.



Welche nächsten Schritte sind in der Politik aufgrund Ihrer Ergebnisse nun nötig?

Unsere Studienergebnisse zeigen, dass wir genauer hinschauen müssen, wie wir unsere Böden fortan nutzen können, ohne dass eine Gefährdung für die Bevölkerung daraus resultiert. Ich sehe unsere Erkenntnisse als eine wichtige Grundlage für den Bund, um im Aktionsplan dementsprechend auch Massnahmen zu ergreifen oder auszuarbeiten.

Der Bundesrat will den Aktionsplan bis 2027 vorstellen. Reicht diese Zeit überhaupt, bis die nächsten Massnahmen beschlossen werden?  

Ich denke, ja. Wir wissen, dass Böden teilweise seit 40 Jahren bereits mit PFAS belastet sind. Das heisst, wir können jetzt aktiv werden und müssen nichts überstürzen. 

Im Alltag ist die PFAS-Belastung für uns keine direkte Gefährdung.

Aber wir sollten aktiv werden. Denn wir wollen ja nicht, dass unsere Böden noch weiter belastet werden und wir in 20 Jahren ein grösseres Problem haben.

Kühe weiden auf einem PFAS-belasteten Boden im Kanton St. Gallen.
Legende: Kühe auf der Eggersrieter Höhe in St. Gallen am 28. August 2024. Der Kanton teilte damals mit, dass es neben der bereits bekannten Eggersrieter Höhe noch weitere mit PFAS belastete Böden im Kanton gebe. Das Fleisch von dort weidenden Tieren überschritt die Grenzwerte, worauf der Kanton Vorsichtsmassnahmen einleitete. Keystone / Gian Ehrenzeller (Archivbild)

99 Prozent der Böden sind mit PFAS belastet. Was heisst das für unseren Alltag?

Im Alltag sind wir mit dem Boden nur über die Füsse in Kontakt, wir sind der PFAS-Belastung also nicht direkt ausgesetzt. Der Boden ist aber wichtig für uns als Filter fürs Trinkwasser und auch für die Lebensmittelproduktion. Wir müssen dem Boden also Sorge tragen. Aber im Alltag ist die PFAS-Belastung für uns keine direkte Gefährdung. 

Das Gespräch führte Yves Kilchör.

Hier geht's zu den Studienergebnissen

Heute Morgen, 17.3.2026, 6 Uhr ; 

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