Das Gesetz über die Individualbesteuerung will, dass Verheiratete und Unverheiratete steuerlich gleichbehandelt werden. Wenn Paare heiraten, sind finanzielle Gründe aber nur eine Überlegung. Dies zeigt die Arbeit der Forscherin Fleur Weibel.
Früher normal, heute auch mal mutig
Die Zahlen zeigen es eindeutig: Früher war es der Regelfall, dass heterosexuelle Paare geheiratet haben. So war die Reihenfolge normalerweise so, dass zuerst geheiratet und erst dann eine gemeinsame Wohnung bezogen wurde, dann kamen Kinder. In gewissen Kantonen war es früher gar verboten, als Konkubinatspaar zusammenzuleben. Heute passieren diese Meilensteine auch in anderer Reihenfolge.
Fleur Weibel hat sich in ihrer Dissertation an der Universität Basel mit dem Heiraten und den Gründen, welche die Paare haben, auseinandergesetzt. Heute sei es oft eine Mischung aus rechtlichen und emotionalen Überlegungen: «Die Ehe ist eine multifunktionale Institution. Noch immer ist sie aber stark verknüpft mit der Familiengründung.»
Viele Menschen würden heute heiraten, weil es die einfachste Möglichkeit sei, sich gegenseitig abzusichern. «Früher waren zivilrechtliche Aspekte noch wichtiger als heute. Für binationale Paare ist heiraten auch heute oft die einzige Möglichkeit, dass der Partner, die Partnerin in der Schweiz bleiben kann.» Die Ehe sei für viele ein gutes Päckli, dass man sonst nicht bekomme.
Patriarchal, bünzlig
Je nach Herkunft gehöre die Hochzeit und damit die Ehe einfach dazu, so Fleur Weibel. Das zeige sich vor allem in ländlichen Gegenden oder bei religiösen Personen.
In gewissen Milieus gelte die Ehe aber als patriarchal und bünzlig: «In linken oder urbanen Kreisen kann es auch als mutig gelten, wenn man heiratet», so Weibel weiter.
Je nachdem wer heiratet, wird die Ehe auch als mutig angesehen.
Es sei ein Zeichen: «Obwohl viele Ehen heute wieder geschieden werden, wagen wir diesen Schritt.» Ehe wird häufig auch mit Familie gleichgestellt. Es ist ein Signal gegen aussen für die Zusammengehörigkeit der Ehepartner und Ehepartnerinnen.
Hochzeit als Höhepunkt
Die Hochzeit werde heute oft gross gefeiert. «Die Ehe ist etwas, das man erreicht. Die Hochzeit gilt als Höhepunkt der romantischen Beziehung und dürfte nicht zuletzt auch entscheidend zur Attraktivität der Ehe beitragen», so Fleur Weibel. Vor allem für Frauen werde die Hochzeit weiterhin als Mädchentraum beworben – von jenen, die vom Hochzeitsfest profitieren.
Die Gründe, weshalb Paare den Schritt in die Ehe wagen, sind heutzutage unterschiedlich. Romantische, rechtliche und finanzielle Fragen spielen eine Rolle. Am 8. März steht mit der Vorlage der Individualbesteuerung die finanzielle Frage im Zentrum.