Die Treffen am WEF in Davos sind manchmal sehr kurz, aber hochkarätig: Bundespräsident Guy Parmelin konnte sich am Dienstag mit dem französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron und der EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen unterhalten.
Die für den Bundesrat wichtigsten Treffen stehen aber in den kommenden beiden Tagen noch bevor: Gespräche mit der Delegation aus den USA. Der Bundespräsident möchte bis Ende März das Zollabkommen über 15 Prozent unter Dach und Fach bringen. «Wir wollen dieses Abkommen verhandeln, um eine gewisse Sicherheit zu haben», erklärte Guy Parmelin an einer Medienkonferenz in Davos. «Jetzt sind wir bereit zu verhandeln und wir wollen sehen, ob die USA auch bereit sind.»
US-Finanzminister Scott Bessent, der am Dienstag in Davos auftrat, äusserte sich kurz zum Zollabkommen mit der Schweiz: «Das Handelsabkommen zwischen der Schweiz und den USA ist auf einem guten Weg und kommt sehr gut voran.» Bessent gab sich also optimistisch.
Könnten auch der Schweiz höhere Zölle drohen?
Edward McMullen war in Trumps erster Amtszeit US-Botschafter in der Schweiz und ist zurzeit ebenfalls in Davos. Er erklärt gegenüber SRF News, die meisten Punkte für ein Zollabkommen seien eigentlich verhandelt. So die Investitionsversprechen von Schweizer Unternehmen in den USA im Umfang von 200 Milliarden Dollar.
Doch besteht nach Trumps Zolldrohungen gegen die wichtigsten EU-Länder ein Risiko, dass auch die 15 Prozent für die Schweiz plötzlich nicht mehr gelten könnten? «Ich hoffe nicht. Denn die Schweiz ist ein neutrales Land, das sich nicht in die Grönland-Debatte einmischt», erklärt McMullen. Und fügt an: «Grönland ist eine extrem schwierige Frage.»
Economiesuisse-Präsident ist skeptisch
Christoph Mäder, Präsident des Wirtschaftsdachverbands Economiesuisse, hat in Davos mit vielen Unternehmern und Unternehmerinnen gesprochen. Die Stimmung sei eher schlecht, seit Trump mit Zusatzzöllen gegen Länder wie Deutschland oder Frankreich droht.
Dass die Schweiz bald ein Abkommen mit den USA habe, sei nach Trumps jüngsten Drohungen nicht mehr so sicher, meint Mäder. Die möglichen Zusatzzölle ab Februar könnten auch Schweizer Zulieferer von Firmen in Deutschland und anderen betroffenen EU-Staaten treffen. «Es kann uns aber möglicherweise auch direkt treffen, wenn die allgemeine Zoll-Stimmung in Washington kippen sollte. Die Entwicklung ist sicher nicht gut», sagt der Economiesuisse-Präsident.