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Neue Kampagne gegen Gewalt Zürichs Appell an die Männer: Wahre Stärke braucht keine Fäuste

Die Stadt Zürich fordert Männer auf, zuzuhören statt zuzuschlagen und so zur Lösung von häuslicher Gewalt beizutragen.

Mit verschränkten Armen steht eine junge Frau auf dem Sechseläutenplatz in Zürich. Sie stellt sich als Sonja vor. Die Mimik: ernst, bestimmt. Die Botschaft ist es auch. Sie lässt sich für eine neue Kampagne der Stadt Zürich gegen häusliche Gewalt fotografieren.

«Ich lasse mich ehrlich gesagt nicht gerne fotografieren, ich gebe auch nicht gerne Interviews», sagt sie. «Aber ich finde es verdammt wichtig, für diese Sache einzustehen.» Deshalb zeige sie Präsenz.

Fotoshooting vor historischen Gebäuden im Freien.
Legende: Sonja will ein Zeichen setzen gegen Gewalt, die von Männern ausgeht, und lässt sich für die Zürcher Kampagne ablichten. SRF/Damian Grunow

Sie erlebe im Alltag immer wieder, dass sie als Frau abgewertet oder eingeschüchtert werde, sagt Therese, die ebenfalls für die Kampagne gegen häusliche, sexuelle oder geschlechterspezifische Gewalt vor der Kamera steht. Manchmal sei es einfach eine freche Antwort nach dem Motto: «Du bist zweitrangig.»

Drei von vier Opfern sind Frauen

Gerade häusliche Gewalt ist in der Schweiz weit verbreitet. Im Kanton Zürich muss die Polizei im Schnitt 21 Mal pro Tag wegen solcher Fälle ausrücken, in der Stadt Zürich ist es sechsmal pro Tag. Die Einsätze zeigen: Gewalt findet häufig im privaten Umfeld statt – dort, wo Menschen eigentlich Schutz und Sicherheit erwarten.

Gewalt oder schwere Konflikte in Partnerschaft, Familie oder Verwandtschaft können auch tödlich enden. In der Schweiz stirbt etwa alle zwei Wochen eine Person infolge häuslicher Gewalt, insgesamt rund 25 Menschen pro Jahr. Rund 75 Prozent der Opfer sind Frauen und Mädchen.

Männer sollen für das Thema sensibilisiert werden

Mit der neuen Kampagne möchte die Stadt Zürich sensibilisieren. Die Kampagne «Gewalt macht dich nicht zum Mann. Zuhören schon.» zielt bewusst direkt auf Männer, sagt die Zürcher Stadtpräsidentin Corine Mauch. «Der Grossteil der häuslichen Gewalt geht von Männern aus. Und statistisch ist es so, dass die grosse Mehrheit der Opfer Frauen und Mädchen sind.»

Frau posiert für Foto auf Platz mit alten Gebäuden.
Legende: Die Bilder gegen Männergewalt – auch von Corine Mauch – werden Teil einer Kampagne in den sozialen Medien. SRF/Damian Grunow

«Es geht darum, Männer durch diese Sensibilisierungskampagne zu einem Teil der Lösung dieses Problems zu machen», sagt Corine Mauch weiter. Deshalb lässt auch sie sich vor der Kamera ablichten. Die Bilder werden dann auf einer Website und in den sozialen Medien geteilt.

Nicht nur Frauen, auch Männer setzen ein Zeichen

Die neuste Botschaft von Zürich knüpft an die allererste Kampagne der Stadt zu diesem Thema an. Diese wurde 1995 von der Organisationsberaterin und Frauenrechtsaktivistin Zita Küng lanciert. Dass man mehr als 30 Jahre später noch nicht viel weiter sei, enttäusche sie – umso wichtiger sei die neue Kampagne jetzt.

Ältere Frau neben Plakat gegen Gewalt auf Platz mit Passanten.
Legende: Zita Küng hat 1995 die erste Kampagne gegen Männergewalt lanciert und macht sich heute noch stark für das Thema. SRF/Damian Grunow

«Gewalt ist nicht alternativlos. Man kann auch schwierige Situationen anders lösen», sagt sie. «Aber das muss man entwickeln, das fällt einem nicht einfach so zu.» Einfach so die Faust zu ballen, könne eine einfache Antwort sein. «Wir aber müssen sagen: Versuch noch einmal nachzudenken.»

Gewalt ist nicht alternativlos.
Autor: Zita Küng Frauenrechtsaktivistin

Zwar lassen sich auf dem Sechseläutenplatz mehr Frauen fotografieren, aber es gibt auch Männer, die bei der Kampagne mitmachen. Zum Beispiel Janis, der im Drogeninformationszentrum arbeitet und viel mit dem Nachtleben zu tun hat.

«Auch dort hören wir in den Rückmeldungen, dass Gewalt eine Thematik ist. Deshalb finden wir es auch als Team umso wichtiger, dass wir hier ein Zeichen setzen.» Ein Zeichen setzen mit dem eigenen Gesicht – im Kampf gegen Gewalt.

Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 11.03.2026, 6:31 Uhr ; 

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