Das ist passiert: Die SVP Zürich hat sich zur Bewerbung der Neutralitätsinitiative eines offensichtlich KI-generierten Bildes bedient. Darauf sind Berge und mutmasslich ein Grossvater mit seinem Sohn und seinen zwei Kindern zu sehen. Der Knackpunkt: Die Männer tragen Lederhosen, wie es bei der bayerischen Tracht üblich ist, nicht aber bei der schweizerischen. Das berichtete der «Tagesanzeiger».
Das sind die Kommentare: Bereits 55 Mal kommentiert wurde der Post der SVP Zürich. Die Partei erntet dabei viel Spott. «Ziemlich schwachsinnige Werbung. Kommt davon, wenn's im Ausland billiger ist. Nichts von ‹eusi Lüüt›. Des san boarische Leit», heiss es etwa auf X. «Gehört das Oktoberfest bei der SVP nun schon zur CH-Tradition?», fragt eine weitere Person – und eine andere: «Wurde die SVP Zürich von der CSU übernommen?»
Auch politische Akteure äusserten sich dazu – etwa Mitte-Nationalrat Gerhard Pfister. Bayerische Trachten in einem Schweizer Abstimmungskampf einzusetzen, sei das Gegenteil von neutral, wie es die Initiative forderte, schreibt Pfister auf X. Und Grünen-Nationalrätin Meret Schneider schreibt: «Freunde, wenn ihr schon mit KI eure Älpler bastelt, dann zieht ihnen doch bitte Schweizer Trachten statt bayerische Lederhosen an, ja?»
Reputationsschaden unwahrscheinlich: Laut Anne Schulz, Professorin für Politische Kommunikation an der Universität Zürich, generiert der Post für die Partei eine grosse Angriffsfläche für politische Gegner. Die spannende Frage sei jedoch, was bei der Anhängerschaft der SVP passiere. Es sei grundsätzlich so, dass es Leuten nicht egal sei, ob Inhalte KI-generiert seien oder nicht, sagt die Professorin. Jedoch erwartet sie nicht unbedingt einen Reputationsschaden für die SVP. «Wenn man eine Botschaft für wichtig hält und sich damit gut identifizieren kann, sind die Mittel, mit denen diese Botschaft kommuniziert wird, oft weniger wichtig», sagt Schulz. «KI wird dann als Mittel zum Zweck toleriert.»
So reagiert die SVP: Die SVP Zürich reagiert verteidigend und hält an dem Bild fest. «Die Darstellung soll den länderübergreifenden Frieden im Alpenraum symbolisieren. Die gewählte Kleidung ist deshalb bewusst alpenländisch gehalten und nicht als Abbildung einer bestimmten regionalen oder nationalen Tracht gedacht», schreibt die Partei auf X. Es sei bezeichnend, dass einzelne Kreise lieber über die Kleidung einer Illustration diskutierten als über die eigentliche Botschaft.
Vertrauen in Demokratie betroffen: Wenn Inhalte immer häufiger durch KI generiert werden, kann das laut Professorin Anne Schulz allgemein zu einem Vertrauensverlust in Informationen führen. Bei jeder Information frage man sich dann: Ist das jetzt noch wahr oder falsch? «Das kann dann zu einer Art Dominoeffekt führen, sodass man der Demokratie selbst nicht mehr so richtig vertraut», sagt Anne Schulz. Es brauche verlässliche Informationen, damit eine Demokratie funktioniere. Wirklich problematisch werde es, wenn mit der KI willentlich getäuscht werde – etwa als im US-Wahlkampf die Stimme von Joe Biden imitiert wurde und ihm bestimmte Botschaften in den Mund gelegt wurden, sagt Schulz.