- Der Bundesrat hat die Leitlinien für die Verteidigung verabschiedet und richtet die Armee neu aus.
- Im Fokus stehen hybride Bedrohungen und Angriffe aus der Distanz sowie der Schutz kritischer Infrastruktur.
- Geplant sind neue Führungsstrukturen, ein Drohnenbataillon bis 2028 und weniger Stäbe.
Vor den Medien in Bern erklärte Verteidigungsminister Martin Pfister den Handlungsbedarf für die Neuausrichtung: «Das Sicherheitsumfeld der Schweiz hat sich in den vergangenen Jahren markant verschlechtert. Gestützt auf dieses Umfeld muss die Armee konsequent auf die Verteidigung ausgerichtet werden.»
So müssten eine Neuausrichtung der Einsatzkonzeption, Anpassungen in der Organisation und eine vorausschauende Rüstungsplanung vorgenommen werden, teilte der Bundesrat weiter mit. Bereits im Frühling hatte der Bundesrat dafür unter anderem eine befristete Mehrwertsteuererhöhung und einen Rüstungsfonds vorgeschlagen.
Von der Ausbildungs- zur Einsatzarmee
Die Armee soll sich von einer primär auf Ausbildung ausgerichteten Organisation wieder zu einer Einsatzarmee entwickeln. Dafür sind Anpassungen in Einsatzkonzeption, Organisation und Finanzierung vorgesehen.
Künftig werden sämtliche Einsätze am Boden durch Einsatzdivisionen geführt. Damit soll sichergestellt werden, dass unterschiedliche Einsatzarten – von Unterstützung ziviler Behörden bis hin zur Abwehr militärischer Angriffe – einheitlich geleitet werden. Ziel ist eine klarere Verantwortlichkeit und stärkere Führungsfähigkeit.
Neue Führungsstrukturen und schlankere Organisation
Ein zentraler Punkt der Reform betrifft die Führungsstrukturen. Diese werden neu organisiert und verschlankt. Die Armee gliedert sich künftig in den Chef der Armee mit Armeestab, die Ausbildungssteuerung, das Kommando Operationen sowie die Domänen Heer, Luftwaffe und Cyber.
Auch das Kommando Support bleibt Teil der Struktur. Insgesamt führt die Reform zu einer Reduktion der Stäbe und der Zahl Höherer Stabsoffiziere. Die neuen Strukturen sollen eine kontinuierliche Führung in allen Lagen ermöglichen.
Die notwendigen gesetzlichen Anpassungen will der Bundesrat bis 2029 dem Parlament vorlegen.
Drohnenbataillon als Teil der Modernisierung
Auch soll die Armee bis 2028 ein erstes Drohnenbataillon aufstellen. Dieses bilde den Kern für die systematische Einführung unbemannter Systeme. Vor den Medien in Bern sagte Verteidigungsminister Pfister: «Die Armee muss Schritt halten mit der technologischen Entwicklung von Kriegen und Konflikten.»
In der Zusammenarbeit mit zivilen Partnern sieht Verteidigungsminister Pfister grosses Potenzial: «Ich bin überzeugt, dass unser Milizsystem eine Stärke darstellt. Bürgerinnen und Bürger, die Know-how aus der Privatwirtschaft mitbringen, können die Verteidigungsfähigkeit unseres Landes stärken.»
Rüstungsplanung mit klarem Schwerpunkt
Die aktualisierte Rüstungsplanung sieht vor, dass bis 2039 rund 80 Prozent der Investitionen in die Abwehr der wahrscheinlichsten Bedrohungen fliessen. Dazu zählen insbesondere die Stärkung der Luftverteidigung, der Schutz der Truppe sowie der Umgang mit Drohnen.
Die restlichen 20 Prozent sind für die Abwehr eines umfassenden militärischen Angriffs vorgesehen. Dabei sollen klassische Systeme zunehmend durch moderne und kostengünstigere Technologien ergänzt werden.
Mit den Leitlinien und der Rüstungsplanung legt der Bundesrat damit seinen Fahrplan für eine modernisierte und einsatzfähige Armee vor.