Fast 56 Euro hat die Megawattstunde Gas auf dem europäischen Markt am Montag gekostet. Das ist doppelt so viel wie Anfang Jahr – aber immer noch deutlich weniger als nach Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine im März 2022.
Und so relativiert Robert Itscher, Chef des Energiekonzerns BKW – er ist an verschiedenen Gaskraftwerken in Europa beteiligt –, dass der Gaspreis derzeit ja nicht ungebremst weiter in die Höhe schiesse. «Man ist zuversichtlich, dass man andere Quellen erschliessen kann, ausserdem wird es Frühling, der Gasverbrauch geht zurück.» Deshalb rechnet Itscher nicht mit einer Gaskrise wie im Jahr 2022.
BKW-Strom nur im Ausland teurer
Trotzdem ist klar: Wenn der Gaspreis steigt, steigt auch der Preis des Stroms, der in Gaskraftwerken produziert wird. Doch Itscher geht nicht davon aus, dass der Gas-Strom längerfristig so teuer bleibt. «Allerdings können wir nicht beurteilen, wie lange diese geopolitische Störung noch anhalten wird», schränkt der BKW-Chef ein.
Den Strom, den die BKW in Gaskraftwerken im Ausland produziert, verkauft sie ausschliesslich dort. Die Schweizer Privatkunden, die an die BKW gebunden sind, würden die höheren Gaspreise nicht spüren, versichert Itscher. Denn schliesslich produziere und liefere die BKW in der Schweiz keinen Strom, der mit Gas produziert werde.
Manche Energieversorger bezahlen jetzt mehr
Anders sieht es bei Energieversorgern aus, die den Strom nicht vollständig selbstständig produzieren, sondern auf dem freien Markt kaufen müssen: Sie haben dort für ihre Kunden auch schon günstiger Strom besorgen können, als es die BKW konnte.
Kohle ist noch viel schädlicher. Ausserdem hoffen wir, dass wir die Gaskraftwerke mittelfristig mit grünem Gas betreiben können.
Doch jetzt müssen sie Stromlieferungen absichern für die kommenden Jahre. Und wenn die Krise wegen des Iran-Kriegs nicht bald zu Ende geht, werden sie künftig entsprechend höhere Preise von ihren Kundinnen und Kunden verlangen müssen.
Hoffen auf grünes Gas für Kraftwerke
Trotz der Unsicherheiten auf dem Gasmarkt und obwohl Gas sehr klimaschädlich ist, will die BKW weiterhin und noch vermehrt auf Gas setzen. Neben Beteiligungen an Gaskraftwerken in Italien ist sie in ein Neubauprojekt in Deutschland involviert.
«Kohle ist noch viel schädlicher. Ausserdem hoffen wir, dass wir die Gas-Kraftwerke mittelfristig mit grünem Gas betreiben können – etwa mit Wasserstoff», rechtfertigt der Chef das Engagement der BKW.
Vorläufig aber bleibt Gas klimapolitisch höchst problematisch. Und weil es aus geopolitisch unsicheren Weltgegenden kommt, ist es auch fürs Geschäft mit Risiken behaftet.