Die grösste Gefahr für den Schweizer Finanzsektor kommt von aussen. Das steht im neuen Bericht zur Finanzmarkt-Stabilität der Schweizerischen Nationalbank SNB. Den Bericht gelesen hat SRF-Wirtschaftsredaktor Sven Zaugg.
Wie geht es dem Finanzsektor in der Schweiz?
Die SNB kommt zum Schluss: Der Bankensektor ist gesund, robust und profitabel – mit ganz kleinen Abstrichen. Diese betreffen die tiefen Zinsen und Margen. Das positive Bild gilt grundsätzlich für die Grossbank UBS sowie für alle inlandorientierten Finanzinstitute wie die Zürcher Kantonalbank, die Postfinance oder Raiffeisen. Die grössten Risiken für das Schweizer Finanzsystem lauern laut SNB nicht im Inland, sondern im Ausland. Gemeint sind damit geopolitische Spannungen, Handelskonflikte oder die grosse Unsicherheit, wie sich die Weltwirtschaft entwickelt. Letztere ist derzeit eher schwach unterwegs. Verschärft sich die Lage, bedeutet das Stress – womöglich auch für den Schweizer Finanzplatz.
Bericht zur Finanzstabilität 2026
Gibt es auch Warnhinweise der SNB?
Tatsächlich hebt sie den Mahnfinger – wie in der Vergangenheit immer wieder – bei den Immobilien und bei der UBS. Beim Immobilienmarkt verweist die SNB auf die hohe Verschuldung der Haushalte und die weiterhin hohen Immobilienpreise. Dadurch sei das Finanzsystem anfällig. Bei der UBS geht es natürlich ums Eigenkapital. Die Grossbank sei systemrelevant, betont die SNB einmal mehr. Die schiere Grösse der UBS sei ein mögliches Risiko für die Schweizer Volkswirtschaft. Die Nationalbank bekräftigt in ihrem Bericht zudem, die vom Bundesrat im April vorgeschlagene vollständige Kapitalunterlegung der ausländischen Töchter sei «zielgerichtet und verhältnismässig». Laut jüngsten Berechnungen des Bundes und der Nationalbank habe die UBS das nötige Kapital bereits beisammen. Die Bank selbst bezeichnet solche Aussagen in einem Communiqué als «irreführend».
Gibt es auch neue Risiken am Horizont?
Die Nationalbank sieht neue Risiken zunehmend ausserhalb des Bankensektors – bei Finanzakteuren wie Fonds, Pensionskassen oder Versicherungen. Diese Akteure haben zunehmend Gewicht und bewegen inzwischen viel Geld und noch mehr Wertschriften. Weil sie in denselben Finanzmärkten agieren wie traditionelle Banken, warnt die SNB nun vor sogenannten Übertragungseffekten. Das heisst: Wenn dort Probleme auftauchen und alle gleichzeitig verkaufen oder viel Geld abziehen, könnten die Werte an den Finanzmärkten stark einbrechen. Wegen der engen Verflechtung im Finanzsystem könnten sich solche Schocks schnell auf Banken übertragen. Die Nationalbank sieht zwar keine akute Krise am Horizont, doch ihrer Ansicht nach wächst das Risiko damit, dass sich Stress im System schneller und umfassender ausbreitet als früher.