Was Badegäste freut, kann für viele Fischarten lebensgefährlich werden. Besonders hohe Wassertemperaturen setzen die Ökosysteme der Seen und Flüsse unter Stress. Temperaturen von 26 Grad und mehr belasten Fische und andere Wasserlebewesen erheblich.
Noch nie stand es so früh im Jahr so ernst um viele Gewässer und ihre Bewohner.
Die aktuellen Bedingungen seien kritisch, sagte Alexander Roschi vom Schweizerischen Fischereiverband Anfang Juli gegenüber SRF. Sein Fazit fällt alarmierend aus: «Noch nie stand es so früh im Jahr so ernst um viele Gewässer und ihre Bewohner.»
Langanhaltend hohe Wassertemperaturen wirken sich auf die Fangzahlen aus. Das bestätigt Andrin Krähenbühl, Leiter der Fischereiberatungsstelle Fiber, gegenüber SRF: «Wenn diese Hitzewellen länger anhalten, sehen wir, dass sich die Fische in tiefere, kühlere Seebereiche zurückziehen. Dauert dieser Zustand über längere Zeit an, verändert sich auch die Zusammensetzung der Fänge.»
Während im Flachwasser zunehmend wärmeliebende Arten vorkommen, ziehen sich Kaltwasserfische in tiefere Schichten zurück. Dort sind sie für Fischer deutlich schwieriger zu finden und zu fangen.
Sensible Felchen und Seeforellen
Auch typische Schweizer Seefische wie Felchen und Seeforellen reagieren empfindlich auf steigende Wassertemperaturen. Noch stärker betroffen ist die Trüsche, die als eine der hitzeempfindlichsten Fischarten der Schweiz gilt. Überleben kann sie vielerorts nur, weil sie sich in die kalten Tiefenzonen der Seen zurückzieht.
Es ist noch ein Drittel von dem, was wir vor fünf Jahren gefangen haben.
Für andere Arten sind die höheren Temperaturen hingegen weniger problematisch. Dazu zählen etwa Welse, Karpfen und Rotaugen. Gerade der Wels habe seinen Bestand in den vergangenen 25 Jahren verzehnfacht, sagt Krähenbühl: «Das merken auch die Berufsfischer. Umso wichtiger ist es, dass sie ihre Fangmethoden an die veränderten Bedingungen anpassen.»
«Massiver Rückgang»
In Gefahr geraten Fische in Seen, die nicht besonders tief sind – etwa im Murtensee oder im Greifensee. Besonders kritisch wird es auch in Seen, in deren Tiefen Sauerstoffmangel herrscht. «Das kann den Lebensraum insbesondere für Kaltwasserfische stark bedrohen», erklärt Krähenbühl. Dieser werde von oben durch die Wärme und von unten durch den verfügbaren Sauerstoff begrenzt.
Für die Berufsfischerinnen und -fischer wird die Lage zunehmend ungemütlich. «Vor fünf Jahren hatte es schon weniger Felchen, aber heute fangen wir vor der Schonzeit nur noch rund einen Drittel der Menge von damals. Der Rückgang ist inzwischen massiv», sagt Reto Leuch, Präsident des Berufsfischereiverbands und Berufsfischer auf dem Bodensee. Wegen des Klimawandels bestehe das Problem auch im Winter, wenn die Temperaturen nicht mehr tief genug sinken. «Der See durchmischt sich nur im Winter, wenn es wirklich kalt wird. Und das ist nicht mehr der Fall», führt er aus.