Stimmung in der Branche: Die Industrie steht unter Druck, wegen der Unsicherheit um die US-Zölle, aber auch durch den Krieg in Nahost. Die Branche generiert rund 10 Prozent des Umsatzes in der Region. Im vergangenen Jahr hat sich die Branche mit Exporten von mehr als 25 Milliarden Franken insgesamt zwar erstaunlich robust gehalten. Doch die Entwicklungen in den vergangenen Monaten sind insbesondere mit Blick auf die USA schwankend. In den ersten fünf Monaten des Jahres gingen die Exporte in die USA um rund ein Fünftel zurück. Zudem gelten die aktuellen Zölle bis zum 24. Juli. Ob US-Präsident Trump dann erneut einen Versuch unternimmt, um Zusatzzölle zu verhängen, ist offen.
Im Luxussegment ist die Resilienz gegenüber wirtschaftlichen Krisen grösser, aber auch Uhren in anderen Segmenten schlagen sich gut
Der Zoff um die Daten: Einzelne Unternehmen veröffentlichen Zahlen. Der Verband publiziert jeweils Export-Entwicklungen. Doch mit der Branche vertraute Experten zeichnen ein weitaus differenzierteres, düstereres Bild. Der viel beachtete Branchenreport von Morgan Stanley etwa kommt zum Schluss, dass die guten Umsätze im Export gestützt werden von einzelnen grossen Luxus-Marken. Uhren in tieferen Preissegmenten hätten es schwer. Die Branche stehe vor einem tiefgreifenden Strukturwandel. Swatch kritisierte diesen Bericht öffentlich und forderte Korrekturen. Yves Bugmann, Präsident des Verbands der Schweizer Uhrenindustrie FH, sagt, die Branche überlege sich darum einen eigenen Report. Zur Gesamtsituation sagt er: «Ich sehe die Lage nicht so pessimistisch. Im Luxussegment ist die Resilienz gegenüber wirtschaftlichen Krisen grösser, aber auch Uhren in anderen Segmenten schlagen sich gut.»
Forderungen der Branche: Die Uhrenindustrie sei belastbar und innovativ, sagen ihre Vertreter. Doch die wirtschaftlichen Rahmbedingungen seien eine wichtige Voraussetzung. So steht der Industrie-Verband hinter dem Freihandelsabkommen Mercosur und hofft, dass der Widertand im Parlament aufgegeben wird. Auch das Freihandelsabkommen mit Indien, das im vergangenen Jahr beschlossen wurde, sei wichtig, denn damit eröffne sich ein riesiger Markt mit 1.4 Milliarden Menschen, wobei die Mittelschicht wächst.
Eckwerte: Die Branche gehört nach Chemie- und Pharmaindustrie sowie der Maschinenindustrie mit rund 25 Milliarden Franken zur wichtigsten Export-Industrie. Fast die Hälfte der Uhren werden in asiatische Länder exportiert, aber auch in die USA und nach Europa. Die Branche besteht aus rund 500 Uhren- und Mikrotechnik-Firmen mit rund 55'000 Personen. Die Branche war die erste, die 1937 einen Gesamtarbeitsvertrag hatte.
Die grösste Krise: Die wohl grösste Krise war die sogenannte Quarzkrise in den 1970er und 1980er Jahren, als günstige Quarzuhren aus Japan die Schweizer Mechanik fast verdrängten. Zugleich dämpfte die Weltwirtschaftskrise die Nachfrage. Der Unternehmensberater und Insolvenzverwalter Nicolas Hayek (später Patron des Uhrenherstellers Swatch) fusionierte die damals dominierenden beiden Unternehmen, verlieh der Branche mit Automatisierung und den unkonventionellen Swatch-Uhren neuen Schwung. Aus heutiger Sicht habe diese Krise die Industrie geprägt, sagt Yves Bugmann. Die Uhrenunternehmen hätten daraus gelernt. «Sie haben gemerkt, dass sie Produkte anpassen und innovativ bleiben müssen», sagt Uhrenverbandspräsident Yves Bugmann.