Knapp ein Monat ist vergangen, seit die Brandkatastrophe von Crans-Montana das Land in einen Schockzustand versetzt hat. Der Start ins zweite Jahr als Bundespräsident hätte für Guy Parmelin schwieriger kaum sein können.
Die Schweiz müsse die betroffenen Familien weiterhin begleiten, sagt Parmelin in der «Arena». Zudem müsse man rasch Transparenz über die Vorgänge schaffen und die Verantwortlichen identifizieren – das sei auch die Mission der Walliser Staatsanwaltschaft.
Zur Kritik aus Italien an den Schweizer Behörden sagt Parmelin: «Man kann verstehen, dass in Italien die Emotionen sehr gross sind.» Doch Italien habe nicht dieselben Gesetze wie die Schweiz. Er hoffe, dass die Spannung zwischen den beiden Ländern rasch zurückgehe.
Trump spaltet die Schweizer Jungparteien
Für heftige Kritik sorgte zuletzt auch der Umgang der Schweiz mit US-Präsident Donald Trump. Die Welt habe sich verändert, sagt Parmelin, der Protektionismus kehre zurück. «In gewissen Milieus hat man das noch nicht gespürt. Das beunruhigt mich.» Gerade für kleine, exportorientierte Länder würden die nächsten Monate nicht einfach.
Besorgt zeigt sich auch die 24-jährige Anja Gada. Die SP-Politikerin kritisiert die Zurückhaltung der Schweiz: «Wir müssen Widerstand leisten gegen jene, die das Völkerrecht brechen.» Anstatt Wirtschaftsbosse ins Oval Office zu schicken, müsse die Schweiz klar Haltung zeigen gegenüber Autokratien und sich für internationale Regeln einsetzen, so die Zürcherin.
Ganz anders sieht das Sandra Schneider aus Biel. Die 34-jährige SVP-Politikerin würde sich gar wünschen, dass der Bundesrat manchmal ein bisschen mehr wie Trump agieren und mehr Mut zeigen würde. Schneider plädiert für «Switzerland first» und eine Rückkehr zur strikten Neutralität.
Die 22-jährige Alessia Wehrli erinnert derweil an die Bedeutung der USA für den Schweizer Export. Die Präsidenten der Bündner Jungfreisinnigen sagt: «Wir brauchen gute Beziehungen zu den USA.» Wichtig sei zudem, dass die Schweiz «glaubwürdig verteidigungsfähig» sei.
Das sieht Mitte-Jungpolitiker Gregorio Aostalli ähnlich. Er betont allerdings auch: «Wir dürfen uns nicht isolieren.» In den vergangenen Jahren seien die UNO-Prinzipien kontinuierlich angegriffen worden, so der Tessiner. Die Schweiz müsse versuchen, weiterhin mit allen zu reden. Denn: «Neutralität heisst nicht, dass uns egal ist, was passiert.»
Angst vor einer unsicheren Zukunft
Die geopolitischen Verwerfungen lösen Verunsicherung aus bei der jungen Generation, sagt Alessia Wehrli. Und SP-Politikerin Gada ergänzt: «Ich habe Angst, weil Autokraten und Neofaschisten im Aufschwung sind. Das stellt alles in Frage, was wir kennen.»
Diese Besorgnis spürt auch Bundespräsident Guy Parmelin. Auch er sei beunruhigt, wenn er auf die aktuelle geopolitische Situation blicke. Der Bundesrat beobachte diese und versuche zu überlegen, was passieren könnte und wie sich die Schweiz positionieren soll.
In diesen Zeiten sei die Neutralität unabdingbar, findet Schneider. Die Schweiz dürfe sich nicht auf eine Seite schlagen, sonst werde sie zur Konfliktpartei. Anders sieht das Mitte-Politiker Aostalli: Die Schweiz könne die aktuelle Situation nicht alleine bewältigen, sie brauche Verbündete, die ihre Werte teilen.