Nur wenige Tage nach der tragischen Brandkatastrophe in Crans-Montana hat eine Gruppe von betroffenen Eltern Swisshearts gegründet. Der Verein soll dazu dienen, betroffene Familien finanziell zu unterstützen, wie der Vereinswebsite zu entnehmen ist. Das Logo der Organisation ist ein Mosaik aus 116 Herzen, entsprechend der Anzahl der bei dem Brand verletzten Personen.
Stéphane Buchs, Mitgründer des Vereins, ist der Stiefvater eines Opfers aus Lutry. Sein Stiefsohn liegt seit einem Monat im Koma im Universitätsspital Lausanne. Den Angehörigen ist bewusst, dass der 18-Jährige jederzeit seinen Kampf verlieren könnte.
Besonders in Lutry und Umgebung ist die Betroffenheit gross. Die Brandkatastrophe von Crans-Montana traf auch eine Gruppe rund um den FC Lutry. Am Samstag gab es dort eine grosse Solidaritätswelle mit einem Gedenkmarsch für die Opfer und ihre Familien.
Auch in finanzieller Hinsicht braucht es Unterstützung, besonders für Betroffene, deren Kinder in einem anderen Kanton oder im Ausland im Spital sind.
Transport und Unterbringungskosten
Die Hilfe des Vereins Swisshearts kann laut eigenen Angaben Transport- oder Unterbringungskosten sowie logistische Kosten im Zusammenhang mit einem Spitalaufenthalt umfassen. Viele Familien könnten nur ein paar Wochen durchhalten, sagt ein weiterer Mitbegründer gegenüber «Le Matin Dimanche».
Der Verein betont aber, dass er nicht darauf abziele, Versicherungen sowie bereits bestehende öffentliche und private Fonds zu ersetzen, wie beispielsweise den Pauschalbetrag von 10’000 Franken, den der Kanton Wallis für jedes hospitalisierte oder verstorbene Opfer bereitstellt.
Direkte und schnelle Hilfe
Mit seiner Stiftung Swisshearts hilft Stéphane Buchs an vorderster Front. «Wir stellten fest, dass einige Familien aus der Region nach Deutschland oder Zürich pendeln müssen oder jetzt sogar dort leben. Sie brauchen direkte und schnelle Hilfe und können nicht warten, bis eine Versicherung zahlt.» Zudem helfe der Verein Stéphane Buchs, die Bilder vom 1. Januar zu vergessen und etwas Sinnvolles zu tun.
In der Nacht, kurz nach der Brandkatastrophe, fuhr die Familie nach Crans-Montana, um ihren Sohn zu suchen. «Er hatte unglaublich starke Schmerzen und schrie immer wieder. Er hat trotz sieben Rettungsdecken stark gefroren.» Später kam raus, dass 55 Prozent seiner Haut verbrannt sind. Seither liegt er im Koma und seine Augenlider sind zugenäht, um eine Hornhautinfektion zu vermeiden.
Die Zeit vergeht, der Schockzustand lässt langsam nach, doch die Erinnerungen an diese Horrornacht sind noch präsent. Autofahrten nach Lausanne ins Spital gehören jetzt zum Alltag der Eltern. «Wir haben seine Freunde darum gebeten, ihm eine Playlist mit seiner Lieblingsmusik zusammenzustellen. Neben dem Musikhören lesen wir ihm auch Geschichten vor», sagt Stéphane Buchs. Die Eltern hoffen, dass es der 18-Jährige hört und sich diese Dinge positiv auf seine Gesundheit auswirken.
Der Stiefvater erinnert daran, dass man die Verstorbenen nicht vergessen dürfe. «Aber man muss auch an diejenigen denken, die noch einen jahrelangen Kampf zurück in ein normales und würdevolles Leben haben werden.»