Wahrscheinliche Brandursache: Der Staatsanwaltschaft zufolge deutet alles darauf hin, dass das Feuer von Bengalkerzen ausging, die auf Champagnerflaschen angebracht waren und zu nahe an die Decke kamen. So habe sich das Feuer sehr schnell zu einem Brand entwickelt, sagte Generalstaatsanwältin Béatrice Pilloud vor den Medien in Sitten. Vor Ort habe man Spuren gesichert. Zudem hätten die Ermittler Videoaufnahmen erhalten und analysiert und mehrere Personen befragt – darunter die beiden französischen Barbetreiber.
Fortschritt der Ermittlungen: Laut Pilloud wird nun ermittelt, wie viele Personen tatsächlich in der Bar anwesend waren und wie viele es der Genehmigung zufolge hätten sein dürfen. Auch die Einrichtung des Lokals, die Evakuierungswege, Betriebsgenehmigungen, Sicherheitsvorkehrungen und der allgemeine Zugang würden untersucht. Es gebe die Möglichkeit einer strafrechtlichen Verfolgung, sagte die Generalstaatsanwältin weiter. Wenn es um die Verantwortung von noch lebenden Personen gehe, könnte eine strafrechtliche Untersuchung wegen fahrlässiger Brandstiftung, fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung eingeleitet werden.
Informationen zu Verletzten: Von den 119 Verletzten waren am Freitagnachmittag 113 identifiziert, wie der Walliser Polizeikommandant Frédéric Gisler bekanntgab. 71 von ihnen stammen aus der Schweiz, 14 aus Frankreich, 11 aus Italien, 4 aus Serbien. Aus Bosnien, Polen, Belgien, Luxemburg und Portugal stammt je eine verletzte Person. In den übrigen Fällen ist die Nationalität noch nicht bekannt. Die Behörden gehen laut Gisler weiterhin von 40 Todesopfern aus. Rund 60 Patientinnen und Patienten befinden sich in Walliser Spitälern, 60 weitere in anderen Schweizer Spitälern, darunter in den beiden Spezialkliniken für Brandverletzungen in Zürich und Lausanne. Rund 50 Patientinnen und Patienten mit schweren Verbrennungen sollen in den nächsten Tagen aus der Schweiz ausgeflogen und zur Behandlung in Nachbarländer gebracht werden.
Identifizierung der Opfer: Die Identifikation der Verstorbenen laufe weiter auf Hochtouren, sagte Gisler. Ziel sei es, möglichst schnell Klarheit zu schaffen. Zu diesem Zweck stehe eine 30-köpfige Spezialeinheit zur Identifizierung von Katastrophenopfern im Einsatz, ein sogenanntes DVI-Team (Disaster Victim Identification), ergänzte Kripo-Chef Pierre-Antoine Lengen. Diese Einheit sei nach der Tsunami-Katastrophe 2004 in Asien aufgebaut worden und arbeite nach internationalen Standards. Bei der Opferidentifizierung dürften sich die Behörden keine Fehler erlauben, betonte Lengen. Im Übrigen könne die Walliser Polizei auf die Unterstützung aus anderen Kantonen, der Bundesbehörden sowie weitere Partner im In- und Ausland zählen.
Lage in den Walliser Spitälern: Laut Eric Bonvin, Generaldirektor des kantonalen Spitalverbunds Spital Wallis, hat die Erstversorgung der Verletzten gut funktioniert. Wegen der Feiertage mit vielen Feriengästen sei das Personal ohnehin aufgestockt worden. «Wir waren also in der Silvesternacht gut aufgestellt.» Nun stünden die Familien in Kontakt mit ihren verletzten Angehörigen. Das sei ein heikler Moment. Bonvin appellierte zudem an die Medienschaffenden, die Privatsphäre der Menschen einzuhalten. Einige Journalisten hätten versucht, ins Spital zu gelangen.