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«Ewigkeitschemikalie» PFAS Tests zeigen belastete Milch in Appenzell Ausserrhoden

  • Der Kanton Appenzell Ausserrhoden hat zwischen Oktober 2025 und März 2026 eine freiwillige PFAS-Untersuchung durchgeführt.
  • Die Ergebnisse zeigen, dass bei rund einem Drittel der getesteten Betriebe die PFAS-Werte in der Milch erhöht sind.
  • Werden die EU-Höchstwerte auch in der Schweiz übernommen, könnten die betroffenen Betriebe in ihrer Existenz bedroht sein.

Auslöser für die aktuellen Untersuchungen in Appenzell Ausserrhoden war unter anderem der sogenannte «Amcor-Fall» im Nachbarkanton St. Gallen. Dort gelangten PFAS-haltige Stoffe aus Löschschaum vom Gelände eines Verpackungskonzerns in die Umwelt. In der Folge wurden im Nordosten erhöhte Belastungen festgestellt – auch nahe der Grenze zu Appenzell Ausserrhoden.

Deshalb startete der Kanton im Oktober eine Untersuchung und rief Landwirtschaftsbetriebe dazu auf, freiwillig Milch und Tränkwasser, also Wasser, das Nutztiere zum Trinken erhalten, analysieren zu lassen. Die Auswertung lief über das interkantonale Labor in Schaffhausen. Nun liegen die Ergebnisse vor.

Das hat es mit der PFAS-Thematik auf sich

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PFAS sind eine Gruppe von chemischen Stoffen, die lange in der Umwelt bestehen bleiben und sich kaum abbauen. Deshalb werden sie oft als «Ewigkeitschemikalien» bezeichnet. Verwendet wurden sie über Jahrzehnte in zahlreichen Alltagsprodukten, etwa in wasserabweisender Kleidung wie Regenjacken, in beschichteten Pfannen (Teflon) oder in Löschschaum.

Ein Teil dieser Stoffe gelangte über industrielles Abwasser in Kläranlagen. Vor rund 40 Jahren wurde der dabei anfallende Klärschlamm als Dünger auf landwirtschaftlichen Flächen verteilt. So konnten PFAS in Böden gelangen und werden heute über Gras oder Trinkwasser von Tieren aufgenommen – und damit letztlich auch in die menschliche Nahrungskette weitergegeben.

Bei 58 Betrieben wurden PFAS-Werte in der Milch gemessen, die über dem derzeitigen EU-Richtwert von 0.02 Mikrogramm pro Kilogramm liegen. Teilweise sind die Werte leicht höher, in anderen Fällen wurden sie massiv überschritten. Milch eignet sich dabei besonders als Indikator, da Kühe die Stoffe über das Futter aufnehmen und so Rückschlüsse auf die Belastung eines ganzen Betriebs möglich sind.

Bei neun Betrieben ohne Milchproduktion wurden erhöhte Werte im Tränkwasser festgestellt. Insgesamt nahmen 169 Betriebe teil.

Belastung auf zwei Regionen konzentriert

Von einem flächendeckenden Problem kann nach der Untersuchung dennoch nicht gesprochen werden. Die Daten zeigen deutlich erhöhte Belastungen in zwei Regionen: im Vorderland nahe der St. Galler Grenze und im Mittelland rund um Bühler AR.

Als wahrscheinliche Ursachen werden lokale Altlasten identifiziert, also zum Beispiel Abwasser, das aus der Industrie in die Abwasserreinigungsanlage floss.

Keinen Höchstwert für Milch in der Schweiz

Die Situation ist heikel, auch wenn es in der Schweiz derzeit noch keinen gesetzlichen Höchstwert für PFAS in Milch gibt. Für die Untersuchung wurde deshalb der EU-Richtwert herangezogen.

Ab 2027 ist damit zu rechnen, dass die EU verbindliche PFAS-Höchstwerte in Lebensmitteln einführt, die voraussichtlich auch für die Schweiz gelten.

Das könnte zur Folge haben, dass belastete Schweizer Milch oder andere Produkte wie Käse, die einen EU-Höchstwert überschreiten, künftig nicht mehr verkauft oder exportiert werden können.

Milch wird von einem Gefäss in ein anderes geschüttet.
Legende: Im Kanton Appenzell Ausserrhoden gibt es etwas mehr als 500 landwirtschaftliche Betriebe. Symbolbild/Getty Images/iStockphoto iStock

Die betroffenen 67 Betriebe sollen nun die Ursachen für die erhöhten PFAS-Werte genauer klären. Der Kanton führt dafür vertiefte Untersuchungen durch, etwa Bodenproben oder Kontrollen des Quellwassers. All dies ist für die Betriebe kostenlos und wird vom Kanton übernommen. Die Regierung stellt dafür mehr als 700'000 Franken zur Verfügung.

Wie problematisch sind PFAS für den Menschen?

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Einige der Chemikalien gelten als chronisch giftig und reichern sich im menschlichen Körper an. Wie sich die Stoffe auf den menschlichen Organismus auswirken, wird laufend untersucht. Stand heute gelten einige als krebserregend oder möglicherweise krebserregend. Trifluoressigsäure, die mittlerweile überall im Trinkwasser entdeckt wurde, ist vermutlich fortpflanzungsgefährdend. 

Der Kanton und die Betriebe appellieren nun an den Bund: Es brauche praxisnahe Lösungen – keine vorschnellen Verbote, sondern ausreichend Zeit für Anpassungen. Denn für manche Betriebe im Appenzellerland steht tatsächlich die Existenz auf dem Spiel. Man will lieber jetzt wissen, ob ein Problem besteht, und die Zeit nutzen, um die Höchstwerte ab 2027 möglichst PFAS-frei einzuhalten oder die Betriebe entsprechend umzustellen.

So sieht es in anderen Kantonen aus

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Auch in Zürich und Appenzell Innerrhoden konnten Landwirtschaftsbetriebe freiwillig ihre Milch testen lassen.

In Zürich hätten fast alle dieses Angebot genutzt. In 90 Prozent der Fälle seien keine oder kaum PFAS nachweisbar, meldet der Kanton heute. Es bestehe keine akute Gesundheitsgefährdung.

In Appenzell Innerrhoden wurde 91 Mal getestet. Bei rund einem Viertel der Betriebe wurden erhöhte Werte in der Milch festgestellt. Der Kanton stellt für zusätzliche Abklärungen 145'000 Franken zur Verfügung.

Hier geht's zu den nationalen Studien

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SRF 4 News, 26.3.2026, 10 Uhr ; 

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