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Für die Watchlist Drei Filme für ein Wochenende im Schatten

Eine Kriegsfotografin auf der Suche nach der Wahrheit, ein verliebter Shakespeare mit Schreibblockade und ein Geheimkommando auf einer moralisch heiklen Mission. Auf den ersten Blick haben diese Filme nichts gemeinsam. Auf den zweiten erzählen sie überraschend dieselbe Geschichte.

Dieses Listicle ist ein bisschen wie Samstagvormittag im Baumarkt: Man fährt wegen einer Glühbirne hin und kommt mit einem Grill, drei Orchideen und einem schlechten Gewissen wieder heraus.


Liebe, Leica und Geheimdienst: Drei Filme, eine Verbindung

Auf den ersten Blick haben sie ungefähr so viel gemeinsam wie eine Leica-Kamera, ein Theaterstück und der israelische Geheimdienst.

Auf den zweiten Blick erzählen sie jedoch dieselbe Geschichte. Alle handeln von Menschen, die versuchen, Ordnung in eine Welt zu bringen, die sich hartnäckig weigert, ordentlich zu sein.

«München»: Wenn Steven Spielberg einen Thriller dreht, in dem Daniel Craig auftaucht, ist das Popcorn plötzlich moralisch kompliziert.

Steven Spielberg kann vieles.

Er kann Dinosaurier glaubwürdig erscheinen lassen.

Er kann Ausserirdische sympathisch machen.

Und er kann einen Politthriller drehen, bei dem man sich selbst nach dem Abspann noch fragt, ob irgendeine Entscheidung wirklich richtig war. «München» gehört zu den Filmen, die einen nicht mit einem klaren Helden entlassen. Stattdessen nimmt der Film jede einfache Antwort, schaut sie kurz an und legt sie höflich wieder zurück.

Daniel Craig war hier bereits jener Schauspieler, der später James Bond werden sollte: ein Mann, dessen Gesicht permanent den Eindruck vermittelt, dass er gerade etwas sehr Schwieriges denkt oder jemanden sehr Präzisen verprügeln muss. Das Beeindruckende ist aber, dass Spielberg Action nicht als Belohnung inszeniert, sondern als Belastung. Selten fühlt sich Spannung so nach Verantwortung an.

«Die Fotografin»: Kate Winslet beweist, dass Hinsehen manchmal mutiger ist als Handeln.

Es gibt Menschen, die eine Kamera in die Hand nehmen, um schöne Sonnenuntergänge zu fotografieren. Und dann gibt es Menschen, die sie dorthin richten, wo andere lieber wegschauen.

Genau davon erzählt «Die Fotografin». Nicht von perfekten Bildern, sondern vom Mut, den Auslöser genau in dem Moment zu drücken, in dem Geschichte entsteht oder auseinanderfällt.

Kate Winslet spielt ihre Figur mit dieser seltenen Mischung aus Entschlossenheit und Verletzlichkeit, die sie seit Jahren zu einer der spannendsten Schauspielerinnen ihrer Generation macht. Sie wirkt nie wie jemand, der Heldin sein möchte. Eher wie jemand, der einfach nicht akzeptieren kann, dass man die Wahrheit unscharf werden lässt.

Das Faszinierende an Fotografie ist ja, dass sie gleichzeitig lügt und die Wahrheit sagt. Jeder Bildausschnitt entscheidet, was wir sehen und was für immer ausserhalb des Rahmens bleibt. Genau mit diesem Gedanken spielt der Film. Er fragt nicht nur, was eine Kamera zeigen kann, sondern auch, welche Verantwortung der Mensch hinter dem Sucher trägt. Und plötzlich merkt man: Das wirklich Schwere ist nicht, den perfekten Moment einzufangen. Sondern den Mut zu haben, überhaupt hinzusehen.

«Shakespeare in Love»: Weil Liebeskummer manchmal die beste Karriereberatung ist.

Man könnte behaupten, dies sei ein Film über William Shakespeare.

Man könnte aber auch behaupten, Fussball sei eine Veranstaltung, bei der 22 Personen gemütlich spazieren gehen.

In Wahrheit geht es um den herrlichen Irrsinn kreativer Menschen. Nichts funktioniert. Das Theater droht zu scheitern. Alle improvisieren. Jeder verliebt sich in die falsche Person. Und irgendwie entsteht dabei Weltliteratur.

Gwyneth Paltrow besitzt genau die Mischung aus Eleganz und Schalk, die verhindert, dass die Romanze jemals kitschig wird. Und Colin Firth beherrscht jene seltene Kunst, gleichzeitig geschniegelt und latent genervt auszusehen, als hätte das Universum beschlossen, ihn ausschliesslich mit den Unzulänglichkeiten anderer Menschen zu beschäftigen. Der eigentliche Star bleibt allerdings die Idee, dass grosse Kunst oft aus völlig chaotischen Umständen entsteht.

Das ist beruhigend für alle, deren Schreibtisch aussieht wie eine archäologische Ausgrabungsstätte.

«Shakespeare in Love»; SRF 1; 5.07.2026

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