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78. Filmfestspiele von Venedig mit vielen Stars eröffnet
Aus 10 vor 10 vom 01.09.2021.
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78. Filmfestival von Venedig Grosses Kino mit Penelope Cruz an der Venedig-Eröffnung

Penelope Cruz war der grosse Star bei der Eröffnung des Filmfestivals von Venedig – nicht nur auf dem roten Teppich, sie brillierte im Eröffnungsfilm «Madres paralelas» von Pedro Almodóvar. Darin geht es – nicht nur – um zwei ganz unterschiedliche Singlefrauen, die gleichzeitig ein Kind bekommen.

Es gibt im aktuellen Kino keinen grösseren spanischen Regisseur als Pedro Almodóvar. Seit über 40 Jahre dreht er – mittlerweile mit schlohweissem Wuschelkopf – Filme, und seit im Jahr 2000 sein Werk «Todo sobre mi madre» einen Oscar gewann, ist er auch international einer der ganz Grossen.

Almodovars Filme sind immer Wundertüten, manche sind besser, manche etwas schwächer, aber sie alle zeichnet eine immense Lust am Erzählen und tolle Schauspielensembles aus – auch den neuen Film «Madres paralelas» (übersetzt: «Parallelmütter»).

Eine Geschichte mit vielen Twists

Die Hauptrolle spielt Penélope Cruz, die seit über 20 Jahren eine der Stammspielerinnen bei Almodóvar ist. Hier spielt sie Janis, eine knapp 40-jährige Fotografin, die von einer Affäre schwanger geworden ist und das Kind allein bekommen möchte.

Auf der Gebärstation lernt sie die noch minderjährige Ana (Milena Smit) kennen, sie wird ebenfalls Singlemutter. Die beiden gebären gleichzeitig – und schon bald werden ihre Lebensläufe miteinander verstrickt.

Das läuft zunächst fast nach Schema X ab, absehbar, glaubt man – aber Almodóvar wäre nicht der Meister, der er ist, würde er es dabei belassen. Er verpasst der Geschichte immer hier noch einen Twist, da noch eine Wendung, dort noch einen Dreh.

Legende: Zwei «parallele» Mütter: Ana (Milena Smit) und Janis (Penelope Cruz). El Deseo D.A. S.L.U.

Familiengeschichten und spanischer Bürgerkrieg

Und als wäre das nicht genug – zwei junge Frauen, die sowohl mit ihrem Muttersein als auch mit ihrer Stellung im Leben ringen – gibt es in «Madres paralelas» noch eine zweite Ebene: die Aufarbeitung des spanischen Bürgerkriegs.

Janis bittet nämlich ganz zu Beginn des Films den späteren Kindsvater um Hilfe. Der ist forensischer Anthropologe und soll ein Massengrab in Janis’ Dorf ausheben: Dort sind ihr Ur-Grossvater und neun andere Männer begraben, die von den spanischen Faschisten ermordet wurden.

Dieser Nebenstrang ist nicht nur Geschichtsverarbeitung, sondern Teil des ganzen Filmplots – denn dort in diesem Dorf beginnt die Familiengeschichte Janis’, die mit der Geburt ihrer Tochter weitergeht.

Penélope Cruz spielt grossartig

Mit Janis hat Pedro Almodóvar eine seiner komplexesten Filmfiguren bisher geschaffen: engagiert, sympathisch, emotional, zerbrechlich und manchmal auch zwiespältig in ihren Handlungen. Penélope Cruz spielt diese Janis sensationell gut – wahrscheinlich ist das ihre beste Schauspielleistung bisher.

Umso mehr ist es eine unglaubliche Leistung, dass die junge Milena Smit als Ana nicht untergeht neben dieser entfesselten Penélope Cruz, sondern ihre ganz eigene Persönlichkeit auf die Leinwand bringt.

Audio
Das Universum des Pedro Almodóvar - Im Labyrinth der Leidenschaften
55:04 min, aus Passage vom 27.09.2019.
abspielen. Laufzeit 55:04 Minuten.

Die Inszenierung immer mitgedacht

Diese ganze komplexe Geschichte inszeniert Almodóvar mit seiner ureigenen Handschrift – immer etwas zu überinszeniert, etwas zu viel Musik – und immer auf der Kippe von Drama zu Melodrama.

Auch die Figuren im Film sind immer hart am Rand der Überzeichnung. Aber eben nur am Rand. Immer grad soviel, dass sein Film auch als Film, als inszeniertes Kino wahrgenommen wird. Denn Almodóvar erzählt gern und gut Geschichten. Aber vor allem macht er eines: grosses Kino.

Tagesschau, SRF 1, 1.9.2021, 19.30 Uhr

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