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Neu im Kino Wie ein unbekannter Däne das Gesicht des modernen Paris prägte

1983 wird ein nahezu Unbekannter mit dem Bau der Grande Arche in Paris beauftragt. Der Film «L’Inconnu de la Grande Arche» stellt ihn vor – in einem packenden Drama um Kunst, Politik und sensible Egos alter Herren.

Wer soll das neue internationale Kommunikationszentrum in Paris entwerfen? 1983 verkündet der französische Präsident François Mitterrand den Gewinner eines prestigeträchtigen Architekturwettbewerbs. Um ihn herum scharen sich emsige Beamte wie an einem Königshof.

Der Sieger heisst Johan Otto von Spreckelsen. Das Problem: Niemand weiss, wer der Däne ist.

König Mitterrand und der unbekannte Däne

Mit feinem Humor nimmt Regisseur Stéphane Demoustier das politische Umfeld von François Mitterrand ebenso aufs Korn wie den Personenkult rund um den Präsidenten.

Grosser moderner Torbogen in einer urbanen Umgebung mit vielen Menschen auf dem Platz.
Legende: Die Grande Arche wurde zwischen 1984 und 1989 im Pariser Geschäftsviertel La Défense erbaut. Der monumentale Kubus steht auf derselben historischen Achse wie der Louvre, die Champs-Élysées und der Arc de Triomphe. IMAGO / YAY Images

Besonders komisch wird es, als Mitterrands Berater Subilon (ein grossartig dauergestresster Xavier Dolan) nach Dänemark reisen muss, um von Spreckelsen persönlich die Nachricht des Gewinns zu überbringen. Der ist dabei gerade gemütlich am Fischen.

Auch bei der Pressekonferenz in Paris wirkt der Architekt wie eine Fehlbesetzung. In gebrochenem Französisch erklärt er die Vision für «seinen Kubus» – und dass er bisher lediglich vier Kirchen und sein eigenes Haus gebaut hat.

Plötzlich ein selbstüberzeugter Perfektionist

Doch kaum beginnt die eigentliche Planung des Gebäudes, zeigt sich eine ganz andere Seite. Von Spreckelsen duldet keine Kompromisse. Niemand genügt seinen Ansprüchen, jede Entscheidung muss seinen Ideen entsprechen.

Dieser Wandel kommt überraschend. Anstatt, dass ihn das mysteriös oder vielschichtig macht, wirkt die Figur hier eher inkonsequent gespielt. Und plötzlich ist auch der reizende Humor des Anfangs weg.

Vergisst man aber irgendwann, dass der Protagonist anfangs noch ruhig und schüchtern war, entwickelt gerade die Getriebenheit von Spreckelsens eine erzählerische Kraft.

Um den perfekten Marmor zu finden, reist von Spreckelsen etwa nach Italien – obwohl der Zeitdruck auf der Baustelle immer grösser wird.

Architekt vs. Bauleiter

Zwischen dem Architekten und Bauleiter Paul Andreu entsteht zunehmend ein Machtkampf. Wer entscheidet am Ende über ein Bauwerk? Derjenige, der es entwirft? Oder derjenige, der dafür sorgen muss, dass es tatsächlich gebaut werden kann? Regisseur Demoustier zwingt sein Publikum dabei nie auf eine Seite – und das ist gut so.

Drei Männer in Anzügen gehen in einem Korridor.
Legende: Kunst, Politik und Egos: Bauleiter Paul Andreu (gespielt von Swann Arlaud), Mitterand-Berater Jean-Louis Subilon (Xavier Dolan) und Johan Otto von Spreckelsen (Claes Bang) (v.l.n.r.). AGAT FILMS, LE PACTE

Man kann selbst entscheiden, ob man Otto von Spreckelsen einen kompromisslosen Egomanen oder ein idealistisches Genie findet.

Ein Gegengewicht in die Männer-Runde bringt von Spreckelsens fiktionale Frau Liv. Dass genau das der Grund war, warum man sie in die Geschichte hineingeschrieben hat, ist leider offensichtlich.

Spannend bis zu den Baumaterialien

Das Bemerkenswerteste an «L’Inconnu de la Grande Arche» ist, wie packend Stéphane Demoustier den historischen Stoff erzählt. Selbst bei einem Gespräch über Verbundglas hört man den Figuren gebannt zu.

Eine Person in einem dunklen Anzug vor einem unscharfen Hintergrund mit Pflanzen.
Legende: Stéphane Demoustier an den Filmfestspielen in Cannes 2025 anlässlich der Premiere seines Films. EPA/MOHAMMED BADRA

«L’Inconnu de la Grande Arche» verwebt verschiedene Themen, wie Politik, wirtschaftliche Interessen und künstlerische Ambitionen zu einem dichten Drama. Ein Drama, das dazu auch noch hervorragend aussieht.

Dass Stéphane Demoustier seine Karriere mit Auftragsfilmen für die Cité de l’Architecture begann – das sieht man. Die Inszenierung des Films ist visuell genauso eindrücklich, wie das Bauwerk, von dessen Entstehung er erzählt.

Kinostart am 9. Juli 2026.

Radio SRF 2 Kultur, Kultur-Aktualität, 9.7.2026, 7:06 Uhr

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