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Der Fall Danger Dan Wie es zur ZDF-Ausladung kam – und wie es weitergeht

Nach der Absage von Danger Dans Auftritt räumt ZDF-Intendant Norbert Himmler inzwischen Fehler ein, verteidigt aber auch die Entscheidung. Ein Überblick.

Was ist passiert? Der deutsche Rapper Danger Dan sollte gemeinsam mit Starpianist Igor Levit sein neues Lied «Keine Angst» bei der 100. Ausgabe der ZDF-Satiresendung «Die Anstalt» aufführen. Kurz vor der Aufzeichnung sagte das ZDF den Auftritt überraschend ab. Danger Dan machte die Ausladung daraufhin in einem Instagram-Beitrag öffentlich und kritisierte die Absage als «Eingriff in die Meinungs- und Kunstfreiheit». Der Beitrag löste in der Folge eine Welle der Entrüstung aus. Auch «Die Anstalt» kritisierte den Sender. Nun hat sich ZDF-Intendant Norbert Himmler in der «Süddeutschen Zeitung» geäussert: Er verteidigte die Entscheidung, gestand aber auch Fehler ein.

Wie begründet das ZDF die Ausladung? Man habe sich intensiv mit dem Song beschäftigt, auch die Geschäftsleitung sei involviert gewesen, sagte das ZDF gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Schliesslich sei man zu dem Schluss gekommen, dass die Live-Performance im Widerspruch zu den Programmrichtlinien stehe. «Wir hätten früher die Grundsatzfrage stellen müssen», räumte ZDF-Intendant Himmler gegenüber der «Süddeutschen Zeitung» ein. Inhaltlich stehe er weiterhin zur Ausladung. Der Darstellung Danger Dans, wonach der Songtext bereits von der Rechtsabteilung bewilligt worden sei, widerspricht Himmler indes. Die Beratung habe ergeben, «dass das Dilemma im Format ‹Die Anstalt› nicht zu lösen war».

Person in Anzug vor unscharfem Hintergrund mit bunten Lichtern.
Legende: «Die Kurzfristigkeit der Ausladung müssen wir uns vorwerfen lassen», gibt ZDF-Intendant Norbert Himmler gegenüber der «Süddeutschen Zeitung» zu. «Wir hätten früher die Grundsatzfrage stellen müssen, am besten schon vor der eigentlichen Einladung.» (Foto: 22.04.2026) IMAGO/epd

Worum genau geht es im Song «Keine Angst»? Das Lied ruft im Kern zum Kampf gegen Nazis und Faschismus auf, denen man sich laut Danger Dan in den Weg stellen müsse. Es gehe darum, wie wirksame antifaschistische Strukturen aufgebaut werden können – nicht um einen Aufruf zu Gewalt, die er verabscheue. ZDF-Intendant Norbert Himmler sieht das anders: Man habe es «unzweifelhaft mit einer Gebrauchsanweisung zum linken, gewaltbereiten Widerstand zu tun, der in ‹freundliche Grüsse› an linksextreme, zum Teil rechtskräftig verurteilte Gewalttäter mündet». Die Meinungen gehen entsprechend auseinander.

Offener Brief an ZDF-Intendant Himmler

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Mitglieder des ZDF-Fernsehrats kritisierten die Ausladung in einem offenen Brief an Norbert Himmler. Das ZDF habe eine Gelegenheit verpasst, eine Debatte über Rechtsextremismus in Deutschland und die vielfältigen Möglichkeiten seiner Bekämpfung anzustossen, heisst es darin.

Die Absage des Auftritts von Danger Dan und Igor Levit zeuge nicht nur von fehlendem Mut, sondern auch von fehlendem Vertrauen in die Redaktion der Sendung «Die Anstalt», sich angemessen mit dem Lied auseinanderzusetzen, heisst es in dem von acht Mitgliedern des Gremiums unterschriebenen und auf «netzpolitik.org» veröffentlichten Schreiben.

Wie geht «Die Anstalt» mit der Absage um? Das Team von «Die Anstalt» hat die Absage als mutlos kritisiert. «Wir distanzieren uns von dieser Entscheidung des ZDF», schrieb das Team um die Moderatoren Claus von Wagner, Max Uthoff und Maike Kühl auf Instagram. Sie hätten es als öffentlich-rechtliche Pflicht gesehen, das Lied zu präsentieren und zu diskutieren. Gerade in Zeiten, in denen rechtsextreme Gewalt wieder stark zunehme. Auch die Jubiläumssendung selbst, die nach viel Verzögerung in der Nacht von Samstag auf Sonntag in die Mediathek gestellt wurde und am 21. Juli im TV ausgestrahlt wird, greift die Absage erneut auf.

Wie geht es weiter? Danger Dan hat ein Ersatzkonzert angekündigt. Dass die Intendanz des ZDF ihr Veto eingelegt habe, mache ihm Angst und sei eine Bestätigung dafür, dass ein Lied wie «Keine Angst» genau im richtigen Moment komme. Am 21. Juli tritt er daher zusammen mit Levit im Berliner Columbia Theater auf. Der Auftritt mit dem Titel «Die keine Angstalt» werde auch auf Youtube übertragen. Die Konzerteinnahmen wollen die Musiker an den Verein Opferperspektive spenden, «die zentrale Anlaufstelle in Brandenburg für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt».

Radio SRF 2 Kultur, Kultur-Aktualität, 16.7.2026, 17:30 Uhr.

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