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Fussballweltmeisterschaft War das die religiöseste WM aller Zeiten?

Ein Gebetskreis vor dem Spiel, Bekreuzigungen überall und ein Halleluja-Song in der Final-Show. Die Religion war omnipräsent an der WM. Wird der Fussball immer religiöser?

Lamine Yamal, spanischer Jungstar, kniet auf dem Rasen. Um ihn herum Getümmel, spanische Spieler, die sich in den Armen liegen und den WM-Titel feiern. Doch Yamal kniet einfach da – und dankt Gott.

Es ist nur eine von vielen Szenen offen gelebter Religion an dieser Fussballweltmeisterschaft: Johan Manzambi, Schweizer Überflieger an dieser WM, formt mit den Fingern ein Kreuzzeichen in die Kamera. Ruben Vargas betet vor dem entscheidenden Penalty gegen Kolumbien und sagt danach: «Das Gebet hat mir Mut gemacht.» Der deutsche Spieler Felix Nmecha steht vor dem Match mit Spielern der gegnerischen Mannschaft zusammen und formt einen Gebetskreis.

Seine Religion offen zu zeigen, scheint salonfähig. Doch ist diese WM damit die religiöseste aller Zeiten?

Das Stadion als Kirche

Religion und Fussball gehören schon lange zusammen. Es gibt wissenschaftliche Untersuchungen über das Gemeinschaftsgefühl im Fussballstadion, das jenem in der Kirche gleicht. Über Fangesänge als religiöse Choräle. Und dass sich Spieler bekreuzigen – vor dem Spiel, beim Einwechseln, vor dem Penalty, nach dem Sieg – ist nichts Neues. In weiten Teilen der Welt, in den Ländern Lateinamerikas und Afrikas, ist diese Geste etwas Alltägliches. Und wer hat nicht schon von der Hand Gottes gehört, bei Diego Maradonas irregulärem Tor an der WM 1986?

Doch warum fallen uns diese Glaubensbezeugungen an dieser WM besonders auf? Gerade junge Spieler scheinen ihre Religion selbstbewusst zu zeigen. Und haben mit den sozialen Medien auch eigene Plattformen, um sich als gläubige Christen – oder im Falle von Lamine Yamal als gläubige Muslime – darzustellen und gegenseitig darin zu bekräftigen.

Im immer säkulareren Europa stösst dies auf Skepsis. Offen gelebte Religion scheint verdächtig. Der «Sonntagsblick» berichtet vom evangelikalen Netzwerk «Fussball mit Vision», das auf und neben dem Fussballplatz für das Christentum missioniert.

41 Mal Halleluja in der Halbzeitshow

Und dann ist da noch der Austragungsort. Religion ist in den USA so politisch wie nie. Die Trump-Administration propagiert ein nationalkonservatives Christentum und will die USA zu dieser «wahren» Form des Glaubens «zurückführen». Kein Wunder also schaut man genau hin, wenn der bekennende Christ Justin Bieber in der Halbzeitshow des WM-Finales sein «Everything Hallelujah» singt. 41 Mal Halleluja in einem Song. Ein Lobpreis Gottes, zu bester Sendezeit. Hatte da die Trump-Administration ihre Finger im Spiel?

Dass Trump Einfluss nimmt, wo immer er kann, hat er bewiesen, als er sich bei Fifa-Chef Gianni Infantino dafür einsetzte, dass die Rote Karte für Stürmer Folarin Balogun ausgesetzt wird. Mit Erfolg. Andererseits ist dieser Auftritt von Justin Bieber sehr gemässigt, anschlussfähig für viele in den USA, wo Religion noch immer zum Alltag gehört.

Der Eindruck täuscht also nicht: Religion war sehr präsent an dieser Fussball-WM. Oder besser gesagt: religiöse Gesten. Von den Werten, die dahinterstehen, Werten wie Nächstenliebe oder Solidarität mit den Schwachen, hat man an dieser WM hingegen eher wenig gesehen.

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SRF4 News, 21.7.2026, 7:20 Uhr

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