Irgendwann zwischen 1200 und 500 vor Christus gab es im Gebiet des heutigen Iran einen gewissen Zarathustra, der nicht nur eine Religion begründete, sondern viel später Friedrich Nietzsche und Richard Strauss zur philosophischen respektive musikalischen Inspiration diente. Das ist historisch gesichert. Doch wann genau dieser Ritualpriester lebte und wo er wirkte, ist nur mündlich überliefert.
Aus diesen Geschichten und Mythen lässt sich herauslesen, dass Zarathustra an einen ewigen Kampf zwischen Gut und Böse glaubte. Und dass der Mensch darin eine aktive Rolle spielt, was in der Kernbotschaft des Zoroastrismus zum Ausdruck kommt: Gute Gedanken, gute Worte und gute Taten.
Was genau Zoroastrier glauben, sei nicht ganz einfach auf den Punkt zu bringen, erklärt Religionswissenschafterin Dorothea Lüddeckens von der Universität Zürich: «Wie in allen grossen religiösen Traditionen gibt es auch hier eine Vielfalt. Eine wichtige Rolle spielt ‹Asha›, ein kosmisches Prinzip, das man mit ‹Wahrheit› oder ‹Ordnung› übersetzen kann. Zugleich ist es eine göttliche Figur und das Gegenteil von ‹Druj›, der Lüge».
Türme des Schweigens
Ausserdem betont der Zoroastrismus die Reinheit. Als unrein gilt alles, was vom Körper abfällt: Haare, Exkremente, Menstruationsblut. Das Unreinste ist der tote Körper. Deshalb werden Tote aus orthodoxer Sicht idealerweise weder verbrannt noch in die Erde gelegt, sondern in sogenannten Türmen des Schweigens abgelegt, wo sie von Vögeln gefressen werden.
Diese Türme gibt es heute nur noch im indischen Mumbai, wo die Gläubigen Parsen genannt werden. In der Heimat der Zoroastrier, im Iran, ist das Ritual verboten. Der Zoroastrismus ist jedoch eine von der Islamischen Republik anerkannte Religion, deren Zentrum die Stadt Yazd ist. Dort steht einer von weltweit nur neun Feuertempeln höchsten Grades, die anderen befinden sich in Indien.
Feuer, so Priesterin Fariba Mali im Dokfilm «Die leuchtende Inbrunst des Zoroastrismus», sei den Gläubigen heilig: «Feuer ist das Symbol unserer Identität. In 700 Jahren wurde dieses Feuer von Dorf zu Dorf und von Grotte zu Grotte weitergereicht. Auf diese Weise haben wir es am Brennen gehalten.»
Das Feuer ist ein Symbol für die Beständigkeit dieser sehr alten monotheistischen Religion. Ob sie wirklich die älteste ist, sei schwierig zu beurteilen, sagt Lüddeckens. Auch das Judentum sei sehr alt. Es ist davon auszugehen, dass Judentum und Zoroastrismus sich gegenseitig beeinflusst haben, da beide in derselben Region entstanden seien.
Spiritueller Umweltschutz?
Zoroastrierinnen und Zoroastrier gibt es überall auf der Welt, vor allem in Indien und Kanada. Es sind jedoch nur etwas über 130'000. Es sei auch sehr schwierig, belastbare Zahlen zu finden, so Lüddeckens. Nach strenger Auslegung können nur ein Sohn oder eine Tochter eines zoroastrischen Vaters der Religion angehören. Konvertieren kann man nicht. Es gibt aber liberalere Gemeinschaften, vor allem in Kanada, die Konversionen zulassen.
«Dies wird jedoch wohl insgesamt nichts an der sinkenden Anzahl von Zoroastrierinnen und Zoroastriern ändern», vermutet Lüddeckens. Doch noch brennt das Feuer in den Tempeln dieser Religion, der die Reinheit der Elemente derart wichtig ist, dass sie manchmal auch als früheste spirituelle Umweltschutzbewegung bezeichnet wird.