Ein rotes Raumschiff vor blauem Hintergrund: Das war auf einem rund 200 Quadratmeter grossen Wandbild im Zentrum von Lausanne zu sehen. Gemalt auf 40 Metallplatten, war es an einer Gebäudefassade angebracht.
1991 übergab der weltbekannte Comic-Künstler Philippe Druillet das Wandbild der Stadt Lausanne. Es wurde offiziell eingeweiht und prägte bis 2003 das Stadtbild.
Die Kosten von rund 1000 Franken übernahm die Lotterie. «Roman Druillet hat in der Comic-Kunst eine Vorreiterrolle eingenommen», sagt Comicexperte Yves de Mey.
Metro vs. Mural
Das Gemälde in Lausanne sei angebracht worden, noch bevor es Comic-Wandbilder in den Hochburgen Brüssel und Angulem gegeben habe, betont de Mey.
2003 dann das Schicksalsjahr: In Lausanne begann der Bau der Metrolinie M2. Das Gebäude, an dem «Utopia» angebracht worden war, musste abgerissen werden. Deshalb wird das Bild in seine 40 Einzelteile zerlegt – und verschwand spurlos. Bis heute.
Yves de Mey und Druillet-Enthusiast Valentin Augsburger wollten das nicht hinnehmen. Sie begaben sich 2025 auf Spurensuche – ein ganzes Jahr lang.
Alles für die Tonne?
Die Metallplatten, an denen «Utopia» auf der Fassade angebracht wurde, sollten in einer städtischen Lagerhalle aufbewahrt werden. Sowohl der damalige Geldgeber, der Direktor der Lotterie Romande, als auch der zuständige Stadtrat bestätigten: Der Auftrag zur Einlagerung wurde klar erteilt.
Die Lausanner Rechercheure Yves de Mey und Valentin Augsburger sprachen mit dem Lagerverantwortlichen, der die Lieferung damals hätte annehmen sollen. Seine Aussage: Die Metallplatten des Wohnmobils seien schlicht zu gross gewesen für den Lastenaufzug. Er habe die Annahme verweigert.
Manchmal geraten Sachen bloss in Vergessenheit.
Der Transporter sei daraufhin abgezogen – ohne klares Ziel. Und ohne zu wissen, wo die Metallplatten hingebracht werden sollten. Im schlimmsten Fall wurde das Wandbild im Müll entsorgt.
Die Suche hat noch nicht ihr Ende gefunden
Nach der Veröffentlichung ihrer ernüchternden Recherche haben sich weder die Stadt Lausanne noch der Künstler Philippe Druillet zum verschwundenen Kunstwerk geäussert. Yves de Mey gibt die Hoffnung trotzdem nicht auf: «Manchmal geraten Sachen bloss in Vergessenheit.»
Lausanne hat 19 Lagerräume: An einem dieser Orte könnte das Wandbild schön eingepackt liegen. Und wer weiss: Vielleicht wird es eines Tages doch noch auftauchen.