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Der verletzliche Kaiser Was Karl Lagerfelds geheime Briefe enthüllen

Eine Ausstellung in Rom zeigt erstmals die intime Korrespondenz des Modeschöpfers mit der Mutter seines verstorbenen Lebenspartners.

Bis 1989 war Modemacher Karl Lagerfeld mit Jacques de Bascher, kurz «Jacquot», liiert. Bis dieser an Aids starb. Die von der römischen Galeristin Clara Tosi Pamphili kuratierte Ausstellung «C’était bien – Lettere di Karl Lagerfeld ad Armelle de Bascher» im römischen Spazio Opis gibt nun Einblicke ins Privat- und Liebesleben des Modeschöpfers: mit Briefen, Zeichnungen und Fotografien.

Zwei Männer in Anzügen, einer trägt eine Brille, bei einem Event.
Legende: Jacques se Bascher (links) und Karl Lagerfeld 1978. De Bascher war ein französischer Dandy und Mitglied des Pariser Jetsets. Von 1972 bis 1989 waren die beiden Lebensgefährten. IMAGO / Starface

Die Schau bricht mit der kühlen Fassade des Modekaisers. Über 600 Briefe und Faxe offenbaren tiefe Einblicke in seine Beziehung zu Jacques de Bascher und dessen Mutter.

Ein privates Archiv des Schmerzes

Als Jacques de Bascher 1989 mit nur 38 Jahren an den Folgen von Aids starb, veränderte das Karl Lagerfeld (1933–2019) tiefgreifend. Nach aussen hin funktionierte er weiterhin mit gewohnter, fast eiserner Disziplin. Doch im Privaten suchte der Deutschfranzose den Austausch mit einer einzigen Person: Jacques Mutter, Armelle de Bascher.

Eine ältere Person sitzt auf einem Stuhl, während eine stehende Person in einem Anzug dahinter steht.
Legende: Karl Lagerfeld mit Jacques de Bascher Mutter Armelle de Bascher: Zu ihr pflegte der Modeschöpfer eine besondere Allianz. Emilie Grangié

Die über 600 Briefe blieben bis zu Armelle de Baschers Tod im Jahr 2015 auf ihrem französischen Schloss unter Verschluss. Nun sind ausgewählte Originale und persönliche Schriften erstmals öffentlich zu sehen.

Neue Erkenntnisse über die Liebesbeziehung

Die Dokumente korrigieren das gängige Bild einer rein oberflächlichen oder auch toxischen Beziehung zwischen Lagerfeld und seinem exzentrischen Partner. Sie enthüllen neue Facetten. So zeigen die Briefe etwa von einer unerschütterlichen, fast bedingungslosen Liebe zwischen dem eher zurückgezogen lebenden Star der Modewelt und dem jungen dekadenten Fotografen und Lebemann – die weit über das oft kolportierte Bild einer reinen Zweckgemeinschaft hinausging.

Mann in Hut und Anzug neben Person auf einem Balkon mit Blick auf Bäume und Turm.
Legende: Jacques de Bascher «Jaquot» und Karl Lagerfeld. In Erinnerung an seinen Lebensgefährten taufte Lagerfeld ein Haus in Hamburg «Villa Jako» und brachte einen Duft mit dem Namen «Jako» auf den Markt. Emilie Grangié

Direkt nach dem Tod seines Partners, mit dem er 19 Jahre zusammen war, begann Lagerfeld, Briefe an dessen Mutter zu schreiben. Lagerfeld nutzte die Korrespondenz nicht zur Selbstdarstellung, sondern als intimen und sehr privaten Raum für unzensierte Trauer. Der Modeschöpfer teilte mit der Mutter intime Details aus dem Alltag und dem gemeinsamen Leben mit «Jacquot», wie er ihn liebevoll nannte.

Die besondere Allianz mit der Mutter

Die Ausstellung wirft ein völlig neues und bisher unbekanntes Licht auf das Verhältnis zwischen Lagerfeld und Armelle de Bascher. Anstatt von Distanz war diese Beziehung von tiefer familiärer Nähe geprägt. Lagerfeld positionierte sich in den Briefen fast wie ein zweiter Sohn für Armelle, der Verantwortung für das verbliebene Andenken übernahm.

Mehrere handgeschriebene Briefe auf einem Tisch ausgestellt.
Legende: Mehr als 25 Jahre lang standen Karl Lagerfeld und Armelle de Bascher in privater Korrespondenz. 30 der insgesamt über 600 Briefe sind aktuell in Rom ausgestellt und zeigen auch Lagerfelds schwungvolle Handschrift. Getty Images/Elisabetta A. Villa

Der Austausch zwischen beiden dauerte über 25 Jahre an. Das letzte ausgestellte Dokument ist ein Fax vom 23. Dezember 2014. Kurz vor Armelles Tod schrieb Lagerfeld einen Satz, der nun als Titel der Ausstellung dient: «C’est le 25éme Noël sans Jacquot. Ça passe vite, c’était bien», zu Deutsch: «Es ist das 25. Weihnachten ohne Jacquot. Es vergeht schnell, es war schön.»

Für Kulturinteressierte demontieren die Ausstellung – und auch ein demnächst in Frankreich erscheinendes Buch des französischen Anwalts Richard Mogni zu den Briefen – den Mythos des unnahbaren, stets sonnenbebrillten «Kaisers». Wer die emotionale Radikalität hinter der perfekt inszenierten Modeikone verstehen will, findet im Spazio Opis Antworten.

Ausstellungshinweis

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Die Ausstellung «C’était bien – Lettere di Karl Lagerfeld ad Armelle de Bascher» ist in der Galerie Spazio Opis in Rom noch bis zum 30. Juli 2026 zu sehen.

Radio SRF 2 Kultur, Kultur Aktualität, 2.6.2026, 08:06 Uhr.

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