Bis 1989 war Modemacher Karl Lagerfeld mit Jacques de Bascher, kurz «Jacquot», liiert. Bis dieser an Aids starb. Die von der römischen Galeristin Clara Tosi Pamphili kuratierte Ausstellung «C’était bien – Lettere di Karl Lagerfeld ad Armelle de Bascher» im römischen Spazio Opis gibt nun Einblicke ins Privat- und Liebesleben des Modeschöpfers: mit Briefen, Zeichnungen und Fotografien.
Die Schau bricht mit der kühlen Fassade des Modekaisers. Über 600 Briefe und Faxe offenbaren tiefe Einblicke in seine Beziehung zu Jacques de Bascher und dessen Mutter.
Ein privates Archiv des Schmerzes
Als Jacques de Bascher 1989 mit nur 38 Jahren an den Folgen von Aids starb, veränderte das Karl Lagerfeld (1933–2019) tiefgreifend. Nach aussen hin funktionierte er weiterhin mit gewohnter, fast eiserner Disziplin. Doch im Privaten suchte der Deutschfranzose den Austausch mit einer einzigen Person: Jacques Mutter, Armelle de Bascher.
Die über 600 Briefe blieben bis zu Armelle de Baschers Tod im Jahr 2015 auf ihrem französischen Schloss unter Verschluss. Nun sind ausgewählte Originale und persönliche Schriften erstmals öffentlich zu sehen.
Neue Erkenntnisse über die Liebesbeziehung
Die Dokumente korrigieren das gängige Bild einer rein oberflächlichen oder auch toxischen Beziehung zwischen Lagerfeld und seinem exzentrischen Partner. Sie enthüllen neue Facetten. So zeigen die Briefe etwa von einer unerschütterlichen, fast bedingungslosen Liebe zwischen dem eher zurückgezogen lebenden Star der Modewelt und dem jungen dekadenten Fotografen und Lebemann – die weit über das oft kolportierte Bild einer reinen Zweckgemeinschaft hinausging.
Direkt nach dem Tod seines Partners, mit dem er 19 Jahre zusammen war, begann Lagerfeld, Briefe an dessen Mutter zu schreiben. Lagerfeld nutzte die Korrespondenz nicht zur Selbstdarstellung, sondern als intimen und sehr privaten Raum für unzensierte Trauer. Der Modeschöpfer teilte mit der Mutter intime Details aus dem Alltag und dem gemeinsamen Leben mit «Jacquot», wie er ihn liebevoll nannte.
Die besondere Allianz mit der Mutter
Die Ausstellung wirft ein völlig neues und bisher unbekanntes Licht auf das Verhältnis zwischen Lagerfeld und Armelle de Bascher. Anstatt von Distanz war diese Beziehung von tiefer familiärer Nähe geprägt. Lagerfeld positionierte sich in den Briefen fast wie ein zweiter Sohn für Armelle, der Verantwortung für das verbliebene Andenken übernahm.
Der Austausch zwischen beiden dauerte über 25 Jahre an. Das letzte ausgestellte Dokument ist ein Fax vom 23. Dezember 2014. Kurz vor Armelles Tod schrieb Lagerfeld einen Satz, der nun als Titel der Ausstellung dient: «C’est le 25éme Noël sans Jacquot. Ça passe vite, c’était bien», zu Deutsch: «Es ist das 25. Weihnachten ohne Jacquot. Es vergeht schnell, es war schön.»
Für Kulturinteressierte demontieren die Ausstellung – und auch ein demnächst in Frankreich erscheinendes Buch des französischen Anwalts Richard Mogni zu den Briefen – den Mythos des unnahbaren, stets sonnenbebrillten «Kaisers». Wer die emotionale Radikalität hinter der perfekt inszenierten Modeikone verstehen will, findet im Spazio Opis Antworten.