Sebastian Fitzek ist eine Marke: Jeder Thriller eine Nervenprobe, jede Neuerscheinung ein Bestseller, jede Veröffentlichung ein Ereignis. Lesungen sind inszenierte Literaturshows in grossen Hallen. Zu seinem 20-jährigen Jubiläum diesen August gibt es sogar eine Open-Air-Show auf der Berliner Waldbühne. Und, wie es sich gehört für einen Star: Hinter dem Autor Sebastian Fitzek steht ein grosses Team. Trotzdem begann alles zufällig.
20 Millionen Bücher in 20 Jahren
«Gemessen an meinen Lebenszielen bin ich eigentlich ein Abbrecher», sagt Sebastian Fitzek im Interview mit SRF. Schlagzeuger, Tierarzt oder Strafverteidiger wollte er werden, landete dann als Praktikant beim Radio. Er habe zwar viel gelesen, das Schreiben sei ihm aber schwergefallen. Er probierte es aus. «Ich hatte wahnsinnig viel Glück.» Das war vor 20 Jahren und seither hat er 20 Millionen Bücher verkauft.
Seine Thriller rauben seinen Fans den Schlaf. Wer eines seiner Bücher aufschlägt, hört so schnell nicht mehr auf. Es sind kurze Kapitel und Cliffhanger sorgen für Tempo, unerwartete Wendungen steigern die Spannung. Fitzek macht aus Alltagssituationen dramatische Page-Turner. So auch in seinem aktuellen Buch «Der Nachbar». Darin geht es um eine Frau, eine ehemalige Strafverteidigerin am Rand von Berlin, die merkt: Ein unsichtbarer Stalker geht für sie einkaufen, giesst die Blumen, bringt den Müll raus und bleibt dann nicht nur bei harmlosen Tätigkeiten.
Fitzeks Erfolg ist riesig: Millionen begeben sich freiwillig in seine Szenarien, ähnlich wie in eine Geisterbahn. Der Autor sagt, man fliehe gewissermassen vor der Realität, indem man sich einer gesteigerten Form der Angst aussetzt, das sei Eskapismus. «Manche brauchen intensive Reize, um aus ihrer Welt herauszukommen», sagt er.
Als wäre es das letzte Buch
Ideen für seine Plots entstehen oft in Gesprächen: «Wenn mir jemand erzählt, er ist Gefängnisfriseur, dann geht ja schon mein Kopfkino los, weil das ist ja genial: Da kommt der Friseur, der hat ja eine Waffe in der Hand, der kriegt aber auch Klatsch und Tratsch mit. Wie läuft das ab?»
Trotz vieler Selbstzweifel und Lampenfieber vor den grossen Shows sagt er: «Ich will mich nicht wiederholen und es muss auch nicht immer grösser, höher, weiter, schneller werden», darum lese er auch in kleinen Buchhandlungen aus seinen Büchern vor Publikum. Und versucht sich auch in anderen Genres.
Bei jedem Buch beginnt er neu: «Wenn das Buch auf der letzten Seite nicht überzeugt hat, ist es egal, was vorne draufsteht. Dann wird es nicht weiterempfohlen.» Deshalb stelle er sich immer die gleiche Frage: Wenn er nur noch ein einziges Buch schreiben dürfte, welche Idee wäre es? «Ich bin ein bisschen getrieben, weil ich weiss, das Leben ist endlich.» Vielleicht ist genau das sein Motor: der permanente Neubeginn.
Sebastian Fitzek ist eine Marke, aber eine, die sich mit jedem Buch neu erfinden muss.