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Saga über den «Duce» Demontage eines Diktators: Das Ende von Benito Mussolini

Antonio Scuratis Epos «M» über den italienischen Faschismus findet mit dem fünften und letzten Band sein fulminantes Ende. Entstanden ist ein hochaktuelles Mahnmal für das 21. Jahrhundert.

Mit «M. Das Ende und der Anfang» vollendet der Mailänder Schriftsteller Antonio Scurati sein zeithistorisches Meisterwerk über Aufstieg und Fall von Benito Mussolini. Ein beispielloses, fünfbändiges Grossprojekt der europäischen Gegenwartsliteratur.

2018 erschien der erste Band, der preisgekrönte internationale Bestseller «M. Der Sohn des Jahrhunderts». Scurati hat damit die historische Aufarbeitung des italienischen Faschismus radikal revolutioniert, indem er die Mechanismen der Diktatur von innen heraus seziert und literarisch neu vermisst.

Buchhinweis

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Antonio Scurati: «M. Das Ende und der Anfang». Klett Cotta, 2026.

Das grausame Finale einer Diktatur

Das Buch setzt am absoluten Tiefgang des Regimes im Sommer 1943 an. Mussolini ist gestürzt, vom König verhaftet und feiert seinen 60. Geburtstag isoliert in der Gefangenschaft auf der Insel Ponza.

Nach seiner spektakulären Befreiung durch ein deutsches Kommando aus einem zum Gefängnis umfunktionierten Hotel am mittelitalienischen Berg Gran Sasso wird er in Norditalien als Hitlers verbitterte Marionette installiert, um die berüchtigte «Republik von Salò» zu leiten.

Scurati fokussiert sich meisterhaft auf diese verbleibenden 600 Tage bis April 1945. Er schildert das mörderische Endspiel nicht als grosses heroisches Drama, sondern als eine klaustrophobische, fast makabre Agonie. Während Norditalien im blutigen Bürgerkrieg zwischen Partisanen und verblendeten Faschisten versinkt, zerfällt der einstige Diktator psychisch wie physisch vor den Augen der Leserschaft.

Die Methode Scurati: Chronik des Schreckens

Auch im Finale bleibt Scurati seiner von ihm genutzten Methode des, wie er es nennt, «dokumentarischen Romans» absolut treu. Er verzichtet ganz bewusst auf fiktive Erfindungen oder dramaturgische Ausschmückungen. Stattdessen montiert er historische Originaldokumente, offizielle Geheimdienstberichte, intime Tagebucheinträge und private Briefe direkt in den erzählerischen Fluss.

Person mit schwarzem Hemd vor weissem Hintergrund.
Legende: Antonio Scurati verzichtet konsequent auf den moralischen Zeigefinger oder wohlfeile Belehrungen aus der Rückschau. Er lässt die Ereignisse für sich sprechen. Keystone/EPA/FABIO FRUSTACI

Diese kühle, collagenartige Rekonstruktion entfaltet eine beklemmende literarische Wucht, die den Schrecken der Epoche unbarmherzig vergegenwärtigt. Die historische Realität entlarvt den Faschismus in all seiner Erbärmlichkeit, Gewalt und seinem moralischen Bankrott.

Das monumentale Werk gipfelt schliesslich in der unzensierten, fast unerträglichen Darstellung der Hinrichtung und der anschliessend brutalen Zurschaustellung der Leiche Mussolini und seiner Geliebten Clara Petacci auf der Piazzale Loreto in Mailand, am 28. April 1945.

Ein Mahnmal für die Gegenwart

Doch warum fasziniert diese Roman-Pentalogie so stark? Der Untertitel liefert die entscheidende Antwort: Im blutigen Ende der Tyrannei liegt der schmerzhafte Anfang der neuen demokratischen Freiheit in Italien und in Europa. Scurati hat kein langweiliges Geschichtsbuch geschrieben, sondern ein hochaktuelles Mahnmal für das 21. Jahrhundert geschaffen.

In Zeiten eines erstarkenden globalen Rechtspopulismus zeigt der Schriftsteller mit chirurgischer Präzision, wie Demagogen Demokratien von innen heraus aushöhlen können. «M» ist die anatomische Untersuchung einer kollektiven Verführung.

Scuratis nun vollendetes Opus Grande ist ein literarischer Meilenstein. Er erinnert uns schmerzhaft daran, wie schnell Freiheit verloren gehen kann und wie teuer sie Tag für Tag erkämpft werden muss.

Radio SRF2 Kultur, Kultur Aktualität, 17.6.2026, 7:06 Uhr.

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