Ella Fitzgerald, Prince, Nina Simone und unzählige mehr: Sie alle kamen an den Genfersee, um am legendären Montreux Jazz Festival aufzutreten. Dabei entstanden unvergessliche Momente – bewegende, kuriose und mitunter auch beklemmende. Eine Auswahl der eindrücklichsten Auftritte.
Ella Fitzgerald 1969: Beginn einer Geschichte
Die «First Lady of Song» war einer der ersten ganz grossen Stars in Montreux. Ihr Konzert gehört zu den frühesten gefilmten Festivalauftritten überhaupt und markiert den Beginn des heute gigantischen Archivs.
Neben Jazzstandards sang Ella Fitzgerald auch Popsongs, etwa von den Beatles. Gut möglich, dass dies Festival-Mitbegründer Claude Nobs inspirierte, das Festival in den folgenden Jahren stilistisch zu öffnen.
Das Casino brennt 1971: «Smoke on the Water»
Am 4. Dezember 1971 trat Frank Zappa mit seinen Mothers of Invention im Montreux Casino auf. Rund 80 Minuten nach Konzertbeginn schoss ein Zuschauer eine Leuchtpistole ab und setzte das Gebäude in Brand.
Wie durch ein Wunder wurde niemand verletzt. Das Casino brannte jedoch vollständig nieder. Ausgerechnet dort wollte die Band Deep Purple am nächsten Tag ihr neues Album aufnehmen. Stattdessen wurde der Brand zur Inspiration für ihren grössten Hit.
Nina Simone 1976: Zerbrechlich
Die «High Priestess of Soul» kam viermal nach Montreux. Doch ihr Auftritt von 1976 blieb der denkwürdigste.
Nina Simone lieferte eine musikalische Sternstunde. Ihr Klavierspiel war überragend, die Songauswahl dramaturgisch durchdacht. Gleichzeitig gehörte der Abend zu den beklemmendsten Momenten der Festivalgeschichte. Simone starrte teilweise apathisch ins Publikum, verlor immer wieder die Orientierung und beschimpfte zeitweise sogar Menschen im Saal. Später wurde bei ihr eine bipolare Störung diagnostiziert.
Miles Davis 1991: Ein Abschied
«The Man with the Horn» kehrte zwischen 1973 und 1991 insgesamt neunmal nach Montreux zurück. Kein anderer Jazzmusiker prägte die Geschichte des Festivals so nachhaltig wie er.
Bei seinem letzten Auftritt – nur wenige Monate vor seinem Tod – war Miles Davis bereits sichtlich von Krankheit gezeichnet. Deshalb stand ihm während des Konzerts sein Protegé Wallace Roney zur Seite. Er hätte notfalls einspringen können, meist reichte es aber, dem grossen Meister die Noten zurechtzulegen.
Prince 2009: Der Superstar
Prince mochte Festivals eigentlich nicht besonders. Doch Montreux war eine Ausnahme: keine Nostalgieshow, sondern Raum für Experimente, Virtuosität und lange Jams.
Ganz so entspannt war sein Gastspiel allerdings nicht für alle. Prince spielte an diesem Abend zwei ausverkaufte Konzerte hintereinander, der logistische Aufwand war enorm. Ebenfalls gross war der Respekt der Festivalcrew vor den Extrawünschen des Superstars – und vor seiner Entourage, die ihn notfalls auch mit Muskelkraft abschirmte.
Raye 2024 und 2025: Neues «Festival-Schätzeli»
Für gewöhnlich werden am Montreux Jazz Festival Künstlerinnen und Künstler nicht gleich mehrere Jahre hintereinander gebucht. Bei der britischen Sängerin Raye scheint man aber eine Ausnahme zu machen.
2024 und 2025 hat sie das Publikum mit ihrer Stimme und ihrer sympathischen Bühnenpräsenz verzaubert. Dieses Jahr eröffnet sie die Jubiläumsausgabe mit: Raye and Special Guests.
Wer diese Special Guests sein werden, verrät das Festival bislang nicht. Es heisst lediglich, der Abend werde einmalig und denkwürdig. Man darf also gespannt sein.