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Graubünden Stoffel-Turm: Risiko für Valser Mineralwasser

Der Geologe Peter Hartmann hat für seine Doktorarbeit den Ursprung des Valser Mineralwassers untersucht. Tief unter Vals existiert ein komplexes hydrologisches System. Bohrungen und Arbeiten für einen Turm seien sehr heikel, kommt er zum Schluss.

Vor den Gefahren, die vom Projekt für die Quelle ausgehen, haben Experten bereits gewarnt. Zudem haben die Initianten des Hotelprojektes mit dem 380 Meter hohen Turm noch keine Baueingabe gemacht.

Die Valser Mineralquelle ist speziell. Gleich neben der Therme von Peter Zumthor reicht ein Rohr fast 100 Meter in die Tiefe, bis zu einer Felsschicht mit Mineralwasser. Dort steht das Wasser unter Druck und tritt mit über 300 Litern pro Minute an die Oberfläche.

Peter Hartmann ist Geologe und hat für seine Dissertation drei Jahre lang das hydrologische System des Valser Mineralwassers untersucht. Er sagt zu den Plänen für ein 381 Meter hohes Hochhaus nur einige Dutzend Meter von der Quelle entfernt:

«Für ein solches Gebäude muss der Untergrund detailliert erforscht werden. Wenn man sich aber überlegt, dass man dafür bereits heikle Bohrungen machen muss, und dann auch noch heikle Pfahlbohrungen ausführen muss, dann ist für mich die Machbarkeit der Fundation eines solchen Gebäudes fraglich.»

Ein komplexes Wassersystem im Valser Untergrund

Für seine Dissertation mit dem Titel «Mineralwasservorkommen im nördlichen Bündnerschiefergebiet mit Schwerpunkt Valsertal» (1998) konnte der Geologe in Zusammenarbeit mit den Valser Mineralquellen eine fast 120 Meter tiefe Sondierbohrung realisieren. Dabei zeigte sich, wie heikel der Untergrund ist.

Am 12. Dezember 1996 stiess die Bohrmannschaft auf eine wasserführende Schicht in der Tiefe von 62 Meter. «Dieser Tag bleibt mir immer in Erinnerung» sagt heute Peter Hartmann. Innerhalb von wenigen Minuten sei der Bohrplatz mit Kiessand überdeckt gewesen, pro Minute strömten 600 Liter Wasser aus dem Boden. Gleichzeitig sei bei der Valser Mineralquelle, rund 150 Meter entfernt, der Druck gesunken. Es floss fast 20% weniger Wasser.

Später wird klar: Mit der Sondierbohrung wurde eine Schicht angestochen, die mit einer zweiten, rund 40 Meter tiefer liegenden Schicht des Valser Wassers verbunden ist.

Um das Bohrloch abzudichten, pumpten damals Spezialisten innerhalb kurzer Zeit 70 Tonnen Zement in den Boden. Nach drei Monaten war der Schacht abgedichtet und die Verantwortlichen konnten aufatmen, die Valser Quelle wurde nicht beeinträchtigt.

Bereits Sondierbohrungen sind heikel

Für den Geologen Peter Hartmann ist nach diesen Erfahrungen klar: Da der Standort des Hochhauses nahe bei der Quelle liegt, können bereits Sondierbohrungen heikel sein. Noch ist offen, wie das Fundament für das gigantische Hotel aussieht. Laut Experten stehen solche Hochhäuser meistens auf Pfählen, die im Fels verankert sind. Die heikle Zone, die damals von der Sondierbohrung tangiert wurde, liegt oberhalb des Felses.

Sich zu den aktuellen Plänen noch nicht äussern will sich das internationale Unternehmen Coca-Cola, Besitzerin der Firma Valser Mineralquellen. Man warte auf Pläne und Angaben zum Fundament, sagt Sprecher Patrick Bossart. Aber: «Wir werden die Planungsarbeiten im Quellgebiet genau beobachten». Dazu würden auch Abklärungen mit den eigenen Geologen gehören, ob Sondierbohrungen überhaupt möglich sind.

Auch die Initianten wissen, dass noch viele Fragen offen sind. Man sei daran die nötigen Daten zusammenzutragen, sagt Steinbruchunternehmer und Mitinitiant Pius Truffer. Man wolle der Gemeinde die nötigen Informationen zum Fundament vor der Abstimmung unterbreiten. Ein Zeitplan ist bisher nicht bekannt.

SRF 1, Regionaljournal Ostschweiz und Graubünden, 1. Mai 2015; 17.30 Uhr

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Michael Hunziker, 4456 Tenniken
    Dürrenmatt und seine alte Dame lassen grüssen...irgendwie!
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  • Kommentar von marco roffler, chur
    Die Valser sollten sich nicht blenden lassen. Stoffel wird das Dorf ins Elend reiten, wenn die diesen grössenwahnsinnigen dort wursteln lassen.
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  • Kommentar von A. Vespucci, Zentralschweiz
    So einen Seich habe ich lange nicht mehr gehört. Wir kämpfen um dichteres Wohnen, Naturschutzerweiterungen und versuchen den Bevölkerungswachstum in den Griff zu bekommen. Mit mehr oder weniger Kompromissen, mehr oder weniger berechtigte parlamentarischen Diskussionen. Und nun so ein Projekt. Ein Risiko das eine der wichtigsten Quellen und das Landschaftsbild zerstört... und für was? Ein paar reiche Touristen? Als hätten diese nicht genug Absteige-Möglichkeiten in der Schweiz...Meine güte...
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