In Büchern wird der Dachs oft als zurückgezogener Waldbewohner dargestellt. Doch der scheue Vierbeiner macht sich zunehmend in den Städten und Dörfern breit: In den letzten 20 Jahren hat sich die Population in der Schweiz verdoppelt, das zeigen Untersuchungen von SWILD und StadtWildTiere.
In Gärten, Parks und Friedhöfen findet er überraschend gute Lebensbedingungen – und trifft so auch gelegentlich auf den Menschen. Höchste Zeit, den cleveren Höhlenbauer genauer anzuschauen: Hier kommen fünf Macken, die das klassische Bild des Dachses auf die Probe stellen.
1. Der Dachs ist ein duftes Kerlchen
Das Tier mit der schwarz-weissen Maske hat ein feines Näschen. Kein Wunder, nimmt der Dachs die Welt primär über den Geruch wahr. «Mit dem Geruchssinn wird innerhalb der Gruppe kommuniziert, aber auch zwischen den benachbarten Gruppen», erklärt Verhaltensbiologin Claudia Kistler.
Typisch ist, dass Dachse sogenannte Latrinen anlegen. Das sind kleine Gruben, in die sie Kot und Urin absetzen. Meist legen sie die Latrinen an den Grenzen ihres Territoriums an und markieren so ihr Revier.
2. Im Bau soll es kuschelig sein
Dachse sind wahre Tiefbauspezialisten. Sie graben umfangreiche und weitverzweigte Baue, die über Generationen genutzt und konstant erweitert werden können.
Sauberkeit spielt für die Vierbeiner dabei eine wichtige Rolle: Der Dachs macht seine Betten, ähnlich wie der Mensch. «Er trägt Polstermaterial in seinen Bau in die Schlafkammern und wechselt das regelmässig aus», so die Verhaltensbiologin.
Mithilfe seiner scharfen Krallen trägt er Stroh, Blätter oder Moos zusammen, formt sie zu Ballen und trägt sie rücklings in den Bau.
3. Ein Allesfresser – aber diese Delikatesse liebt er
Wenn es um den Speiseplan geht, ist der Dachs nicht wählerisch. «Er frisst alles – Regenwürmer, Äpfel, Beeren oder auch ein Sandwich.» Obwohl er streng genommen zu den Fleischfressern gehört, ist er eher ein Sammler.
Besonders freut es ihn, wenn ihm ein Regenwurm vor die Schnauze stösst. «Er weiss genau, wie er ihn aus dem Boden ziehen muss, damit der ganze Wurm herauskommt.»
Die kräftigen Vorderkrallen sind ideal, um im Boden nach seiner Leibspeise zu graben. Zum Unmut der Städterinnen und Städter gräbt er gerne in Gärten nach Regenwürmern und hinterlässt einen löchrigen Rasen.
4. Dachs – oder doch Eule?
Dachse sind überwiegend nachtaktiv und meist erst nach Mitternacht unterwegs. Deshalb sind Begegnungen zwischen dem Vierbeiner und dem Menschen eher selten. Aber: Das könne sich auch noch ändern, wenn es mehr Dachse gibt, so die Biologin.
5. Ein Dachs kommt selten allein
Anders als in Büchern und Filmen dargestellt, sind Dachse keine Eigenbrötler: Sie leben in Gruppen, die von kleinen Familienverbänden bis zu grossen Clans reichen. «In England hat man auch schon über 30 Tiere beobachtet», sagt die Dachsexpertin.
Die Jungtiere bleiben oft ein bis drei Jahre bei der Familie, bevor sie eigene Wege gehen. Dieses soziale Miteinander ist entscheidend für ihr Überleben und den Erfolg der Gruppe.