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Babyflaute Rezepte gegen sinkende Geburtenrate in der Schweiz

Die Schweiz erlebt einen historischen Tiefstand bei den Geburtenzahlen. Jetzt werden auf politischer Ebene bessere Rahmenbedingungen für Familien gefordert. Doch welche Massnahmen es braucht und welche etwas nützen, ist umstritten.

Obwohl die Mehrheit der Schweizer Bevölkerung einen Kinderwunsch hat, ist die Geburtenrate auf einem historischen Tiefstand: Frauen bringen im Schnitt nur noch 1,29 Kinder zur Welt. Deutlich weniger als die 2,1 Kinder, die es – ohne die Zuwanderung gerechnet – für eine stabile Bevölkerung bräuchte.

Der Demografie-Experte Henrik Budliger sieht Handlungsbedarf und warnt eindringlich vor den Folgen, wenn die Geburtenrate nicht steigt: Ab 2030 drohen mehr Todesfälle als Geburten, die Folgen sind Finanzierungsprobleme der Vorsorgewerke und ein Mangel an Fachkräften. «Das wird sehr unbequem», so Budliger.

Die Gründe für diese Entwicklung sind vielfältig. Hohe Kosten für Wohnen, Kinderbetreuung und Lebenshaltung machen die Familienplanung oft zur finanziellen Herausforderung. Auch das durchschnittliche Alter bei der ersten Geburt steigt – heute liegt es bei über 31 Jahren. Wer später Kinder bekommt, hat insgesamt weniger Zeit für weitere Kinder. Gleichzeitig bleibt die Vereinbarkeit von Beruf und Familie schwierig, trotz Fortschritten bei Teilzeit und Betreuung.

Der Smartphone-Effekt

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Ein überraschender Faktor, der jüngst in einer US-Studie identifiziert wurde, ist das Smartphone. Demografie-Experte Hendrik Budliger sagt, dass das iPhone in den Jahren 2007 bis 2011 einen Anteil von 50 Prozent am Geburtenrückgang in den USA ausmachte. Dies wird in der Studie auf Pornografiekonsum, die Mitnahme von Arbeit nach Hause und die Beschäftigung mit eigenen Interessen statt mit der Partnerschaft zurückgeführt.

Hinzu kommen gesellschaftliche Veränderungen. Immer mehr Menschen verschieben Kinder zugunsten von Ausbildung und Karriere. Der Anteil der Personen, die sich bewusst gegen Nachwuchs entscheiden, ist innert 10 Jahren von 6 auf 17 Prozent gestiegen.

Zinsloses Darlehen vom Bund

Um diesem Trend entgegenzuwirken, stehen verschiedene Massnahmen zur Debatte. Ein Vorschlag von EVP-Nationalrat Marc Jost ist ein zinsloses Darlehen vom Bund in Höhe von 20'000 bis 50'000 Franken. Dieses soll Familien bei der Anschaffung einer grösseren Wohnung oder anderer notwendiger Dinge unterstützen und später zurückgezahlt werden.

Motion «Futura sicura» – sichere Zukunft

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Nationalrat Marc Jost (EDV/BE) hat eine Motion namens «Futura Sicura» eingereicht, die einen nationalen Aktionsplan vom Bundesrat fordert, um die Geburtenzahlen zu steigern. Er betont, dass dieser Plan eine Reihe von Massnahmen umfassen sollte, die auf die verschiedenen Ursachen eingehen.

Er hebt hervor, dass 40 bis 50 Prozent der Menschen finanzielle und wirtschaftliche Gründe als Hinderungsgrund für weitere Kinder angeben.

Sarah Fuchs, Kantonsrätin FDP Kanton ZH, findet diese Idee spannend, gibt aber zu bedenken, dass die Finanzierung solcher Darlehen geklärt werden muss.

Familienergänzungsleistungen

Marc Jost erachtet Familienergänzungsleistungen als eine wichtige Massnahme, um zu verhindern, dass Familien mit geringem Einkommen in die Armut abrutschen und Sozialhilfe beziehen müssen. Jost sieht darin ein Mittel, um den Kinderwunsch zu erfüllen, auch wenn der wirtschaftliche Hintergrund eher schwierig ist.

Sarah Fuchs stimmt zu, dass es wichtig ist, dass Kinder nicht zum Armutsrisiko werden. Sie befürwortet die Unterstützung von Familien, die es brauchen, lehnt aber eine «Giesskannen-Verteilung» ab.

Familienzeit für die Startphase

Kontrovers wird die Familienzeit im Kontext einer Initiative diskutiert, die Müttern und Vätern bis zu 18 Wochen Elternzeit ermöglichen will. Marc Jost befürwortet die Einführung einer ausgedehnteren Familienzeit als wichtigen Schritt, um Eltern in der Startphase zu unterstützen. Sarah Fuchs erkennt das Bedürfnis an, lehnt die Initiative aber aufgrund der hohen Kosten und der Möglichkeit eines unbezahlten Urlaubs ab. Sie bevorzugt andere Entlastungsmassnahmen.

Das waren die Gäste in der Sendung «Forum»

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Hendrik Budliger, CEO Demografik

Ja zu staatlichen Massnahmen:
Marc Jost, Nationalrat EVP/BE

Nein zu staatlichen Massnahmen:
Sarah Fuchs, Kantonsrätin FDP/ZH

Die Politik kann die Rahmenbedingungen für Familien verbessern, doch die letztendliche Entscheidung über die Kinderzahl liegt bei den Einzelnen. Es bleibt eine komplexe Aufgabe, die vielfältige Massnahmen und ein Umdenken in der Gesellschaft erfordert, um die demografische Entwicklung in der Schweiz positiv zu beeinflussen.

Zur Disskussion

Radio SRF 1, Forum, 18.06.2026, 10:00 Uhr

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