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Neuer Trend «Clean Eating» Der Fleischersatz sucht neue Rezepte

Die Umsätze mit Bio-Fleischimitaten sinken. Ein Konsumforscher erklärt, warum sich der Markt verändert – und weshalb die Zukunft nicht in der perfekten Fleischkopie liegt.

Es soll so aussehen wie Fleisch, so schmecken wie Fleisch, genauso viel Protein enthalten wie Fleisch – aber kein Fleisch sein. Das Angebot an veganen Alternativen zu Wurst, Hack und Geschnetzeltem ist in den letzten Jahren stark gewachsen. Doch der Boom an Fleischimitaten scheint vorerst vorbei: Zumindest im Biosegment sind die Umsätze zuletzt deutlich zurückgegangen.

So sank der Umsatz von Bio-Fleischimitaten zwischen 2022 und 2024 um rund 15 Prozent pro Jahr. Eine Ausnahme bilden Tofu, Tempeh und Seitan: Sie legten entgegen dem Trend beim Umsatz deutlich zu.

Ein Grund dafür könnte die wachsende Skepsis gegenüber stark verarbeiteten Produkten sein. «Viele Fleischersatzprodukte sind stark verarbeitet und haben eine lange Zutatenliste», sagt Thomas Brunner, der für die Hochschule Bern zum Konsumverhalten in der Schweiz forscht. «Der Trend geht Richtung ‹Clean Eating› – also zu Produkten mit möglichst wenig Zutaten.»

Darauf reagiert die Branche mit neuen Ansätzen. Statt Fleisch möglichst genau zu kopieren, rücken andere Rohstoffe und Herstellungsverfahren in den Fokus. «Mikroalgen, Ackerbohnen oder Lupinen könnten als Proteinlieferanten interessant sein», meint Brunner.

So hat der Schweizer Hersteller Planted Anfang Jahr neue Produkte aus Mykoprotein lanciert. Das Eiweiss wird in einem Fermentationsprozess aus Pilzen gewonnen. Das macht das Produkt einfacher verdaulich.

Die Zahlen zeigen eine Verschiebung: Während klassische Fleischimitate an Umsatz verlieren, gewinnen unverarbeitete oder weniger stark verarbeitete Proteinquellen wie Tofu, Tempeh und Seitan an Bedeutung. Der Professor für Konsumverhalten vermutet, dass in den nächsten Jahren weitere solche Produkte auf den Markt kommen werden.

Die Wurst, die keine reine Wurst mehr ist

Neben rein pflanzlichen Alternativen gewinnt auch ein anderer Ansatz an Aufmerksamkeit: sogenannte Hybridprodukte, die Fleisch mit pflanzlichen Proteinen strecken. Während die einen versuchen, Fleisch möglichst perfekt zu imitieren, geht dieser Ansatz in die entgegengesetzte Richtung: Nicht Ersatz, sondern Mischung. «Man hat nach wie vor den Fleischgeschmack, aber nur die Hälfte der Emissionen», sagt Brunner.

Nahaufnahme einer gebratenen Wurst, die mit einer Zange gehalten wird.
Legende: Die Hybridwurst spare im Vergleich zur klassischen Bratwurst bis zu 590 Gramm CO₂ ein, so die Angaben des Zoo Zürich. Das entspricht etwa einer Autofahrt von fünf Kilometern. Zoo Zürich

Prominentes Beispiel ist der Zoo Zürich: Seit dem Frühling gibt es in allen Restaurants und Aussenkiosken eine Kalbsbratwurst, die zu 22 Prozent aus Bio-Erbsenprotein besteht. Die Hybridwurst solle klimafreundlicher sein und trotzdem möglichst viele Fleischesserinnen und -esser abholen.

Ich denke, die Mehrheit wäre offen für spannende pflanzliche Produkte, die geschmacklich überzeugen.
Autor: Thomas Brunner Professor für Konsumentenverhalten

Konsumforscher Thomas Brunner sieht diese Mischformen allerdings skeptisch. Sinnvoll seien sie vor allem dann, wenn sie nicht gross als «Hybrid» beworben werden –, sondern das Fleisch, ähnlich wie beim Hackbraten mit Brot, mit pflanzlichen Zutaten gestreckt wird.

Fleischkonsum bleibt stabil

Box aufklappen Box zuklappen
Person ordnet Lebensmittel in einer Ladentheke.
Legende: Keystone/Gaetan Bally

Trotz wachsendem Angebot an pflanzlichen Proteinen: Der Fleischkonsum in der Schweiz ist in den letzten Jahren kaum zurückgegangen. Pro Person werden hierzulande rund 50 Kilogramm Fleisch pro Jahr konsumiert. Das sei im Vergleich zu unseren Nachbarländern eher tief.

«Wenn es ein Produkt mit pflanzlichen Anteilen und weniger starker Verarbeitung gibt, ist das eine gute Alternative – aber es muss geschmacklich ans Original herankommen. Das ist der springende Punkt.»

Regal mit diversen verpackten Lebensmitteln in einem Supermarkt.
Legende: Wo Fleischersatz drauf steht, wecke man Erwartungen, sagt Thomas Brunner. «Da kann man fast nur verlieren.» IMAGO / CHROMORANGE

Ganz verschwinden werden pflanzliche Proteinquellen laut Brunner aber nicht. Der Markt werde sich vielmehr weiterentwickeln: Nach dem Hype um perfekte Fleischimitate sortiere sich die Branche neu. «Ich denke, die Mehrheit wäre offen für spannende pflanzliche Produkte, die geschmacklich überzeugen – und dann gar nicht mit Fleisch verglichen werden.»

Radio SRF 1, «Treffpunkt», 9.7.2026, 10:00 Uhr

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